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![]() | Magie | ![]() |
| Dieser Abschnitt meiner Homepage soll der Magie gewidmet sein - aber nicht der Magie aus Rollenspiel, Film, Fantasy oder der Illusionskunst, die auf reinen Täuschungen basiert, geschaffen zur Unterhaltung der Menschen, sondern der realen, tatsächlich existierenden Magie, die mit der Kraft des Geistes tatsächlich Dinge bewirken kann. Die skeptische Frage, ob es Magie überhaupt gibt, ist äußerst unpräzise, so wie auch Glaube oder Nichtglaube an Magie weder richtig noch falsch sind. Es kommt dabei darauf an, was man eigentlich unter Magie versteht, und schon hier laufen die Ansichten bereits mannigfaltig auseinander. | ![]() |
| Sicher gehören Beschreibungen von Magie, wie sie in Filmen, Fantasy-Literatur oder Rollenspiel dargestellt werden, ins Reich der Mythen und Märchen. Ich kann mir kaum vorstellen, daß jemand durch Magie oder reine geistige Willenskraft Feuer erschaffen, Blitze schleudern oder ähnliche Dinge tun kann. Auch übernatürliche Wesen, wie Dämonen, Geister, Engel, Götter etc. gehören für mich ins Reich der Phantasie. Aber es gibt eine Form der Magie, die real existent ist, die zu fühlen man lernen kann und die ich inzwischen kenne und nutze. Das Gebiet der Magie deckt sich im Wesentlichen mit dem der modernen Psychologie, insbesondere der Tiefenpsychologie, wenn auch die Herangehensweise eine andere ist. Die Tiefenpsychologie ist eine psychologische Richtung, die sich hauptsächlich mit den unbewußten Schichten der Psyche und ihrer Bedeutung für ein Verständnis der gesamten seelischen Organisation des Menschen auseinandersetzt. Die Magie beschäftigt sich ebenfalls mit diesem Teil der Psyche, der dem Menschen normalerweise nicht bewußt ist, obwohl er einen ungeheuren Einfluß auf sein Leben hat. Die Beschäftigung mit echter Magie ist eine Grundlagenforschung zur Erkenntnis von Bewußtsein und Unterbewußtsein, deren Wesen und Wirken im Menschen und in der gesamten Natur. Es geht um das Verstehen und Nutzen der geheimnisvollen, aber doch spürbaren geistigen Kräfte und Energien und um das Aufdecken der darin verborgenen Möglichkeiten. Die Magie ist ein System psychologischer Techniken, die dem Menschen helfen können, sein Innerstes besser zu erforschen. Damit dient sie in erster Linie dazu, sich selbst besser verstehen zu lernen. Über eine solche wünschenswerte Selbsterkenntnis hinaus, befreit ein Verständnis der inneren Natur von unbewußten Zwängen und Blockaden und ermöglicht ein besseres Meistern des eigenen Lebens. Und ganz nebenbei hat sie bei jenen, die sich auf sie einlassen, den Nebeneffekt, das innere Selbst in den täglichen Aktivitäten zum Ausdruck zu bringen und somit die Realität nach eigenem Willen zu lenken - das, was der Laie gewöhnlich mit Magie verbindet, trivial ausgedrückt: das "Zaubern". |
| 1. Die Magie |
| 1.1. Einleitung |
| Heute ist ganz allgemein das Wissen um die Magie zugänglicher geworden. Zu keinem Zeitpunkt in der Geschichte konnte man sich derart umfassend durch Bücher, Internet, Seminare usw. darüber informieren wie heute. Zudem haben viele allgemeine Vorurteile der Vergangenheit ("alle Magie ist Teufelswerk") zumindest etwas an Schärfe verloren. Leider ist aber auch noch nie so viel Halbwissen, irreführender Unsinn und Scharlatanerie im Umlauf gewesen wie heute. Daher gilt es, genau zu prüfen, was man erfährt. Wenn man vor einem längeren Text über Magie steht, stellt man sich als potentieller Leser sofort die Frage, ob sich die Mühe überhaupt lohnt, ihn zu lesen. Man muß etwas Zeit investieren und die eigenen Gedanken für den Text öffnen, ohne zu wissen, ob man dem Verfasser trauen kann oder ob man bloß einen weiteren der typisch abgedrehten pseudoesoterischen Texte vor sich hat, wie man sie leider nur zu oft findet. Da hilft es nur, mit dem Lesen zu beginnen und dabei zu prüfen, ob das Gelesene interessant, verständlich und nachvollziehbar ist. Falls es das nicht ist, wendet man sich einem anderen Werk zu. Um dieses Abwägen zu erleichtern, enthält das nächste Kapitel eine Zusammenfassung der in diesem Text vertretenen Gedanken, die dann in den weiteren Kapiteln ausführlich erläutert werden. Der Text auf dieser und den folgenden Seiten soll ein Grundverständnis für die Funktionsweise der Kräfte des Unterbewußtseins vermitteln, die man gemeinhin Magie nennt, und demjenigen, der sich damit auch in der Praxis beschäftigen möchte, zu einem Einstieg verhelfen. Ich habe mich bemüht, den Text leicht verständlich und zugleich interessant zu gestalten und darin den magischen (was geschieht) und den psychologischen (wie es funktioniert) Aspekt gleichermaßen zu beleuchten, ein Grenzgang zwischen Phänomen und wissenschaftlicher Erklärung. Diese Seiten sind kein detaillierter Lehrgang mit genau ausformulierten Ritualen, und man wird später auch sehen, warum so etwas unsinnig wäre. Vielmehr bilden sie eine Hilfestellung und Methodik für den Interessierten, seinen eigenen Zugang zur Magie und ihren Techniken zu finden und seinen individuellen Weg zu gehen, sofern er den Willen dazu hat und bereit ist, die Zeit und Anstrengung zu investieren. Dieses Werk soll das theoretische Hintergrundwissen liefern, um direkt in die Praxis einsteigen und ihre Wirkung und Phänomene verstehen zu können. Die persönliche Weiterentwicklung und die Verantwortung dafür hat dann aber jeder selbst in der Hand. Es sollen keine Wege vorgeschrieben, sondern gangbare Wege aufgezeigt werden. Bei keinen zwei Lesern dürften die gleichen Voraussetzungen hinsichtlich theoretischem Wissen und praktischer Erfahrung gegeben sein, daher versuche ich hier einen Kompromiß zu finden, der für den Anfänger ausreichend ausführlich und für den Fortgeschritten nicht trivial langweilig ist. Wer die Grundstrukturen der Magie allerdings erst einmal verstanden hat, bedarf keines allzugroßen Detailwissens mehr, weil er aus ihnen alles andere mühelos und korrekt ableiten kann. Gerade der Anfänger ist sich dieser Freiheit oft am allerwenigsten bewußt. Anstatt selbständig weiterzudenken, was ihm als Einweihung angeboten wird, sucht er verzweifelt nach weiteren Regeln und vermeintlichen Grenzen, an die er sich klammern kann. Dies sollte nicht auch noch unterstützt werden. Die Überheblichkeit, mit der vornehmlich frühere Autoren auf den "dummen, unwissenden Nichteingeweihten" herabschauten, um ihm erst den Mund wässrig zu machen und ihm dann das entscheidende Wissen doch vorzuenthalten, sollte endlich der Vergangenheit angehören. Eine Anleitung wie diese will nicht dogmatisch sein, denn viele Wege führen zum Ziel, und es sollen lediglich Anregungen gegeben werden. Rituellen Anweisungen und esoterischen Lehren blind zu folgen, ist nicht der Sinn, den diese Seiten vermitteln wollen, sondern Verständnis für die Funktionsweise der Magie und das eigene Arbeiten mit persönlichen, individuellen Inhalten und Methoden, denn nur sie können letztendlich das eigentliche Ziel der Magie erfüllen: die Weiterentwicklung des Selbst. Auch wer nicht den praktischen Weg beschreiten möchte, kann durch die Magie etwas Wertvolles gewinnen, denn allein schon das Verständnis für die Magie und für das Unbewußte führt oft zu einem bewußteren Leben. |
| 1.2. Einführende Zusammenfassung |
| Normalerweise gehört eine Zusammenfassung an das Ende eines Textes, hier sei sie jedoch an den Anfang gestellt. Das dient dazu, zunächst die hier vorgestellten Grundgedanken in gestraffter Form wiederzugeben, bevor sie anschließend detailliert erläutert werden. Somit kann der Leser schon an diesem Punkt entscheiden, ob er den Ausführungen weiter folgen mag oder nicht. o Magie ist ein ganz persönlicher, individueller Erfahrungsraum. Deshalb ist sie schwer zu erklären, nicht allgemeingültig zu definieren und daher ist es schwierig, einen zu einem selbst passenden Lehrer zu finden. o Magie hat sehr viel mit Psychologie, insbesondere Tiefenpsychologie, zu tun, und die meisten ihrer Funktionen sind psychologisch erklärbar. Ferner ist Magie eine Lehre, die niemals abgeschlossen und ständig im Wandel ist. o Um die Funktionsweise von Magie zu erklären, wird ein Modell verwendet, das auf der Annahme beruht, daß Magie eine Form von Energie ist. o Magische Energie wird von allen Lebewesen im Unterbewußtsein erzeugt, ausgestrahlt und ist dadurch in der Welt vorhanden. o Alles Existierende besteht irgendwie aus Energie in unterschiedlicher Form. Magische Energie kann Energien auf anderer Ebene beeinflussen und verändern (Resonanzprinzip). o Magier benutzen Ketten aus einander verändernden, ähnlichen Energieformen, um die gewünschte Veränderung beim Ziel zu erreichen. Das Bewußtsein regt das Unterbewußtsein an, eine bestimmte, zielgerichtete Form magischer Energie zu erzeugen, welche den Willen des Magiers transportiert. Die Energie wird auf die magische Energie des Ziels projiziert und gleicht diese schwingungsmäßig dem Willen des Magiers an (Synchronismus). Die veränderte magische Energie des Ziels bewirkt wiederum Veränderungen über die verschiedenen Energiestufen zurück bis zur beabsichtigten Energieform, zum Beispiel über das Unterbewußtsein des Ziels in dessen Bewußtsein. Dies kann real greifbare Veränderungen beim Ziel bewirken. o Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung. o Der veränderte Bewußtseinszustand (Gnosis) dient dazu, das Unterbewußtsein zu erreichen und es zur Erzeugung entsprechender magischer Energien zu veranlassen. Magische Werkzeuge und Rituale sind lediglich Hilfsmittel zur Erreichung dieses Zustands. o Der Wille oder Willenssatz ist das gewollte Ergebnis und das Maß für die Intensität und Stärke der Wirkung einer Magieanwendung. o Die Visualisierung ist die Aufnahme eines geistigen Bildes des gewollten Ergebnisses in die innere Realität, um die magische Energie auf dieses Ziel projizieren zu können, es zu "treffen", also die Genauigkeit der magischen Operation. o Durch diese drei Techniken wird die fremde Energie der eigenen schwingungsmäßig angeglichen, was zur Angleichung der fremden Realität an den eigenen Willen führt (Synchronismus). o Magier können mit Hilfe ihres erweiterten Bewußtseinszustandes magische Energien mit dem Unterbewußtsein wahrnehmen, welches sich dabei der Sinnesorgane als Hilfsmittel zur Darstellung für das Bewußtsein bedient. o Das eigentliche Ziel der Beschäftigung mit Magie ist nicht die Demonstration spektakulärer Effekte, sondern das Verbinden von Bewußtsein und Unterbewußtsein des Magiers, die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche und damit die Weiterentwicklung des Selbst. Natürlich kann man mit Magie auch "Zauber" wirken, doch dies ist eigentlich nur ein sehr nützlicher Nebeneffekt auf dem magischen Weg, nicht Hauptsache. o Der Umgang mit Magie bedingt eine hohe Verantwortlichkeit und einen ethisch gefestigten Charakter. o Magie ist keine Religion und funktioniert auch anders. Sie ist vielmehr eine Lebensphilosophie. Sie kommt ohne Religion aus, aber es geht auch mit Religion. o Es gibt keine "schwarze" oder "weiße" Magie. Magie ist auch nicht gut oder böse. Sie ist als Energieform neutral. o Der Anwender ist für sein Tun verantwortlich. Er wirke Magie nur, wenn er es für richtig hält, wenn er die Konsequenzen seines Vorhabens überdacht hat, die Verantwortung für sein Tun zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Seine Verantwortung hat er auch sich selbst gegenüber. o Schadenszauber, Flüche und Liebeszauber (gegen den freien Willen) gehören in den Bereich manipulatorischer, aggressiver Magie, sind daher negativ zu betrachten und mit Vorsicht zu handhaben. o "Höhere" oder "magische" Wesen wie Götter, Geister oder Dämonen gibt es nicht real. Ihre Manifestationen sind lediglich (oft sehr realistisch erscheinende) Projektionen aus der eigenen Psyche (sogenannte Psychogone). o Magier sind eigentlich ganz normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Sie benutzen es, um ihren Weg zu gehen, positive Dinge anzuziehen und negative Ding fernzuhalten. Magie ist für sie ein spiritueller Weg. o Wahre Magier donnern sich nicht auf und machen kein großes Aufheben um ihre Kunst. Wer das tut, ist fast immer ein Scharlatan oder steht noch ganz am Anfang seines Weges. o Prinzipiell kann jeder Magier werden, der bereit ist, an sich selbst zu arbeiten und dafür etliche Anstrengungen in Kauf zu nehmen. Magie kann man nicht konsumieren, man muß sie aktiv erfahren. Wer dazu keine Lust hat oder Magie lediglich "cool" findet, wird scheitern. o Die an einen Magiers gestellten Voraussetzungen sind Aufgeschlossenheit, Aufmerksamkeit, Gelassenheit, Entspanntheit, Konzentration, Intuition, Ausdauer, Geduld, Glaube, Selbstkenntnis und Verantwortlichkeit. o Weil Magie etwas sehr Individuelles ist, muß sie sich jeder selbst erarbeiten. Es ist daher töricht, vorgegebenen Lehren und fremden Ritualen blind zu folgen, denn sie sollten lediglich als Anregung für den eigenen Weg dienen und dürfen auch abgelehnt werden. Wer bis hierher den meisten dieser Punkte zugestimmt hat, wird wahrscheinlich auch von den nun folgenden, ausführlicheren und weiterführenden Kapiteln nicht enttäuscht werden. |
| 1.3. Was ist Magie? |
| Die Frage, was Magie eigentlich ist, ist sehr schwer zu beantworten. Es gibt verschiedene mehr oder weniger vermeintlich plausible Erklärungsansätze, aber keiner vermag sie vollständig zu erfassen. Das liegt unter anderem daran, daß Magie etwas zutiefst Persönliches ist. Jeder erlebt, empfindet und benutzt Magie auf völlig individuelle Weise. Deshalb sind Definitionen und Anleitungen nur sehr grobe Hilfsmittel, weil letztlich jeder seinen eigenen, persönlichen Zugang zur Magie finden muß. Darum ist es auch so schwer, einen passenden Lehrer zu finden, denn der Weg eines Lehrers ist höchstwahrscheinlich nicht der eigene. |
| Carl Gustav Jung (26.07.1875 bis 06.06.1961), ein schweizer Psychologe, der u.a. an Siegmund Freud anknüpfte und sich darüberhinaus mit Magie, Alchemie und Religion beschäftigte, hat einmal gesagt: "Magisch ist nur ein anderes Wort für psychisch." Magie ist also das Wissen um die Kräfte der menschlichen Seele und wie diese bewußt angewandt werden können. Damit wird das Spektrum dessen, das man mit "magisch" bezeichnen kann, um ein Vielfaches größer und auch natürlicher. Magier und Hexen betrachten daher Magie und damit Verbundenes als absolut natürlich, denn die Magie ist ein Teil der Natur selbst. Magie erhebt sich nicht etwa über die Natur und ist schon gar nicht "widernatürlich", wie es sehr vielen religiös denkenden Menschen eingetrichtert wurde. | ![]() Carl Gustav Jung |
| Der Begriff "übernatürlich" ist in Bezug auf Magie irreführend, denn Magie ist eine sehr natürliche Fähigkeit, welche der Mensch als Teil seiner eigenen Psyche tief in seinem Inneren trägt und die er von der Natur selbst erhalten hat. Daß sie "übernatürlich" oder "unnatürlich" sei, wird den Menschen hauptsächlich von den etablierten Religionen eingeredet, für deren Anhänger eine Beschäftigung mit Magie und die damit einhergehende persönliche Weiterentwicklung (und meist auch Fortentwicklung von den religiösen Dogmen) natürlich äußerst unerwünscht ist. Magie wird oft als "Geheimwissenschaft" bezeichnet. Für viele bedeutet dies zwar auch die Geheimhaltung des erlangten Wissens aus unterschiedlichen Motiven heraus (eigene Machterhaltung, wohlmeinende Bewahrung "Unkundiger" vor Mißbrauch und Schaden, Zurückhaltung, weil "die Zeit/Welt/Menschheit noch nicht reif dafür" sei usw.), aber eigentlich geht es, im Gegensatz zu weltlichem Geheimwissen, dessen Inhalt seinen Trägern bereits bekannt ist, bei der "Geheimwissenschaft" Magie in erster Linie um die Geheimnisse selbst, mit der sich die Magie umgibt, und um deren Erforschung. Der unbezähmbare Drang nach Erkenntnis bewegt seit Jahrtausenden immer wieder Menschen dazu, sich den im menschlichen Geist verborgenen Mysterien auf unterschiedlichen Wegen zu nähern. Die Beschäftigung mit Magie ist eine Erforschung des eigenen Inneren, welches sein Wesen oft in seltsamen und zum Teil verwirrenden Erlebnissen und Erfahrungen andeutet - andeutet, aber eben nicht wirklich offenbart. Die Wissenschaft von der Erforschung des dem Bewußtsein zunächst verschlossenen Teil des menschlichen Geistes, nämlich seinem Unterbewußtseins und - wenn man so will - seiner Seele, ist die Psychologie, genauer die Tiefenpsychologie. Man nimmt sie zu Hilfe, um viele - nicht alle - magischen Wirkmechanismen im menschlichen Geist zu erklären. Wie C. G. Jung schon lehrte, Magie ist immer auch Psychologie, denn es gibt hier keine klare Abgrenzung. Man könnte sagen, daß die Beschäftigung mit Magie ein Weg ist, über mythische Denkmodelle und Techniken, in denen tiefenpsychologische Funktionsmethoden verschlüsselt sind, die verborgenen Fähigkeiten des Unterbewußtseins dazu anzuregen, tatsächliche Veränderungen der Realität zu bewirken. Die Kunst dabei ist es, dies im Einklang mit dem bewußten Willen zu erreichen, d.h. solche Veränderungen hervorzurufen, die man so auch wirklich haben will. Die ernsthafte Beschäftigung mit Magie ist daher zwangsläufig immer eine Synthese aus dem Versuch, die mythischen Geheimnisse zu entschlüsseln, und der exakten Wissenschaft der Psychologie, beziehungsweise Tiefenpsychologie. So kann man die bei der praktischen Anwendung von Magie funktionierenden Wirkmechanismen des Geistes besser zu verstehen und auch zu nutzen lernen. Magie ist, rein wissenschaftlich betrachtet, eigentlich im Grunde nur ein angewandtes System tiefenpsychologischer Techniken. Die meisten von ihnen und die durch sie hervorgerufenen Phänomene sind in ihrer Funktion daher psychologisch erklärbar, und es schadet auch keineswegs, diese Funktionen der Psyche zu kennen und zu verstehen, wenngleich einige von ihnen auch noch weitgehend unerforscht und daher nur rein theoretisch erklärbar sind. Das Problem ist nur, daß diese wunderbaren psychologischen Techniken paradoxerweise nicht funktionieren, wenn man mit zu nüchterner Betrachtung an sie herangeht und sich ihrer während der Magieausübung zu sehr bewußt ist. Das liegt vor allem daran, daß sie im Unbewußten Gefühle auslösen sollen, welche zur gewünschten Bewußtseinserweiterung führen. Magie ist hauptsächlich eine Sache des Fühlens, weniger die bewußte Anwendung psychologischer Techniken und Formeln. Deshalb funktioniert sie auch nur durch die mythisch gestützte Methodik der praktischen Anwendung optimal, weil nur durch sie im Unbewußten entsprechende Gefühle assoziiert werden, und nicht durch die theoretisierende Bewußtheit über die psychologische Natur dieser Techniken. Beim Fahrradfahren muß man das Gleichgeweicht ja auch mit einem Gefühl für dieses halten, die bloße Kenntnis der dabei zur Geltung kommenden physikalischen Formeln nutzt dem Anfänger zunächst einmal gar nichts, denn durch sie allein bekommt er kein Gefühl für die Praxis - das kann er nur durch Fühlen und Übung erlangen. Konzentriert man sich stattdessen während des Versuchs mehr auf die Formeln als auf das Gefühl, wird man scheitern. In der Magie ist das ganz ähnlich. Deshalb bedient sich die Magie der Mystifizierung, denn ein mythisches Denkmodell, in dem man sich im Rahmen der Magieanwendung bewegt, kann Stimmungen und Gefühle viel besser auslösen als ein nüchternes Durchschauen der psychologischen Wirkmechanismen. Daher ist es wichtig, letztere im Moment der Anwendung auch zu "vergessen", damit die Magie funktionieren kann, sonst stört die wissenschaftliche Bewußtheit das mythische Denken, und es können durch dieses keine entsprechenden Gefühle erzeugt werden oder eben nicht mehr in der erforderlichen Intensität. Weil man aber nicht bewußt etwas vergessen kann (man versuche einmal, für ein paar Minuten bewußt nicht an ein Nilpferd zu denken), erreicht man ein temporäres "Vergessen" eben nur durch Ablenkung, indem man sich sehr stark auf eine andere Sache konzentriert, auf das mythische Denkmodell eben. Mit genügender Intensität der Konzentration wird dieses im Moment des Ausübens für den Magier mythisch "wahr", erzeugt in ihm so die gewünschten Gefühle, mit der die Erweiterung seines Bewußtseins einhergeht, welche ihn befähigt, sein Unterbewußtsein zur Freisetzung jener Kräfte anzuregen, die seinen Willen schließlich Realität werden lassen können. Dies ist auch der Grund dafür, warum vielfach eben nur die Mystik gelehrt wird: damit der Schüler nicht auf "dumme Gedanken" kommt, die ihn blockieren können (oft leider aber auch deshalb, um als Lehrer das eigentliche Geheimnis allein für sich zu behalten). Deswegen funktioniert Magie seit alters her auch dann, wenn ihre Lehre allein auf der Grundlage mythischer Denkmodelle fußt, die dann vom Magier auch für wahr gehalten wurden (und noch immer werden), da es die wissenschaftliche Erklärung schließlich erst sein kurzer Zeit (rund 100 Jahre) gibt. Mythische Denkmodelle funktionieren magisch um so besser, je umfassender und in sich schlüssiger sie sind. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob sie einfach oder kompliziert gestaltet sind oder ob sie einen starken Bezug zur Realität haben und nur leicht an dieser vorbeigehen oder ob sie (wissenschaftlich objektiv betrachtet) sogar völlig unsinnig sind. Man muß sich nur in sie hineindenken und sie als Realität akzeptieren können. Sehr vorteilhaft und der Erzeugung von Atmosphäre förderlich ist es selbstverständlich auch, sich in ihnen wohlzufühlen. Daß es in der Magie und gerade auch in der Esoterik oft sehr seltsame, geradezu schwachsinnig erscheinende Lehren und Weltbilder gibt, kommt also nicht von ungefähr, wobei man gerade in der Esoterik aber fein zwischen tatsächlicher Mystifizierung und absichtlicher Verkomplizierung zur Verschleierung der Zusammenhänge zum Zwecke des Profitmachens und des Erzeugens von Abhängigkeiten unterscheiden muß. Der wichtige Unterschied zwischen Realität und mythischem Denkmodell und deren notwendiger Trennung voneinander ist vielen Anhängern dieser Lehren nämlich fatalerweise überhaupt nicht bewußt. Doch ist es natürlich besser, auch über die tatsächlichen psychologischen Funktionen der Magie Bescheid zu wissen, denn so hat man bei Problemen den besseren Überblick, kann Zusammenhänge leichter verstehen und natürlich auch sich selbst und seine Fähigkeiten und Techniken gezielter weiterentwickeln. Zudem, so muß man leider sagen, benutzen viele selbsternannte Magier und Esoteriker ihre mythischen Weltbilder auch zur Realitätsflucht, um andere psychische oder weltliche Probleme zu verdrängen, weil sie den Unterschied nicht kennen oder nicht kennen wollen, was natürlich der Sache nicht gerade dienlich ist und eher in eine Sackgasse führt, wobei diese Probleme durch Hinauszögern letztlich nur verschlimmert werden. So verrennen sich diese Menschen immer tiefer in ihre eigene Mythologie oder in die, der sie blindlings folgen, verlieren immer mehr den Sinn für die Realität und erscheinen anderen Menschen dadurch immer weltfremder und "abgedrehter". Magie sollte aber doch eigentlich die Arbeit an sich selbst sein und zu einem bewußteren Leben führen, und gerade eben nicht dazu, daß man sich selbst verliert. Nicht zuletzt deshalb wird immer wieder vor der Beschäftigung mit Magie gewarnt, wenn psychische oder schwerwiegende weltliche Probleme vorhanden sind. Praktische Magie bedeutet, mit der Psyche zu experimentieren, und das kann beim Vorhandensein psychischer Störungen jeder Art üble Konsequenzen haben und diese Störungen noch verschlimmern. Insofern dient ein wissenschaftliches, realistisches Bild der Magie, ihrer Funktion und Zusammenhänge auch als "Rettungsanker" in Form einer Gedächtnisstütze für die Psyche, damit man "auf dem Teppich" bleibt, beziehungsweise nach einer magischen Tätigkeit wieder leichter in die Realität zurückfinden kann. Witzigerweise mystifiziert man sogar diesen "Rettungsanker", indem man ihn zum Beispiel in Form von Symbolen oder rituellen Handlungen in seine magischen Rituale mit einbezieht, um sich im Anschluß an die eigentliche Handlung durch ihn an die Realität zu erinnern, und das funktioniert auch ziemlich gut. Viele der mythischen Denkmodelle und Methoden, mit der die praktische Anwendung der Magie verkleidet wird, beispielsweise in einem Ritual, mögen zunächst kitschig, abergläubisch, unsinnig oder kindlich naiv wirken, doch vermögen sie als Symbolsprache im Unterbewußtsein Dinge auszulösen, deren Auswirkungen in Form von Erkenntnissen, einem veränderten Bewußtsein und tatsächlichem Einfluß auf die Umwelt spürbar und erlebbar sind, obwohl akademisch vorgebildete Psychologen trotz raffinierter Test-Verfahren und Großversuchsreihen in psychologischen Laboren solche Ergebnisse weder erzielen noch nachweisen können. Vielleicht läßt sich an dieser Stelle wenigstens halbwegs der äußerst schwammige Grenzverlauf zwischen der "Geheimwissenschaft" Magie und der anerkannten Wissenschaft der Psychologie festlegen. Einige Methoden und Techniken der Magie mögen Psychologen bekannt vorkommen, ja sogar verblüffend modern erscheinen (obwohl viele davon bereits sehr, sehr alt sind), denn sie werden heute teilweise in der Psychotherapie und der psychosomatischen Medizin zur Behandlung der sich zunehmend ausbreitenden seelischen Erkrankungen (Neurosen) und seelisch bedingter Organkrankheiten eingesetzt - übrigens ohne daß ihre Wirkungsweise grundlegend erforscht wäre. Man kann die Grenze zwischen Magie und Psychologie also nicht unbedingt an der Erklärbarkeit der Phänomene festmachen. Zu unterscheiden ist beim Begriff "Magie" außerdem, ob man die magische Kraft oder Energie selbst meint oder den Umgang mit ihr, denn beides wird zu einem Themenkomplex zusammengefaßt, den man üblicherweise als "Magie" bezeichnet. So soll zur präziseren Ausdrucksweise zwischen magischer Energie und Magieanwendung unterschieden werden. Eine grobe Definition der Magieanwendung ist ein System tiefenpsychologischer Methodik, um sich gefühlsmäßig in einen erweiterten Bewußtseinszustand zu versetzen, der es erlaubt, auf geistigem Wege über eine Symbolsprache das Unterbewußtsein anzuregen, Kraft des bewußten Willens die Realität seiner bewußten Vorstellung anzugleichen. |
| 1.4. Jede Erklärung ist nur ein Modell |
| Magie als Kraft wird auch magische Energie genannt. Daß sie eine Form von Energie ist, ist eine Behauptung, ein Denkmodell für etwas, das noch nicht vollständig erforscht und begriffen werden konnte. Weil sich aber viele Dinge im Zusammenhang mit Magie sehr gut mit einem Energiemodell erklären lassen, soll diese Definition zunächst als gültig betrachtet werden. Der Begriff "Energie" ist hierbei natürlich nur eine Metapher, eine Veranschaulichung, also keine physikalische Aussage. Magische Energie ist keine "stoffliche" Energieform, die einer Überprüfung durch die exakten Wissenschaften standhielte, und sie ist bisher nicht physikalisch meßbar. Der Begriff "Energie" ist nur ein Behelf, weil die Sprache keinen besseren kennt. Der Mensch strebt stets danach, seinen Glauben und seine Philosophie in sein zeitgenössisches Weltbild einzubetten, um sich nicht ständig mit Widersprüchen auseinandersetzen zu müssen. Insbesondere betrifft das auch das Themengebiet der Magie, welches ja ebenfalls eine Philosophie ist und den Glauben an Magie voraussetzt. Psychologisch gesehen dienen die Versuche, die Magie mit dem Weltbild zu vereinbaren, vor allem dazu, den Verstand zu beruhigen und das scheinbar Irrationale der Magie begreifbar und vor allem akzeptierbar zu machen. Das ist auch magisch gesehen durchaus sinnvoll, denn ein zufriedengestellter Verstand läßt dem Unbewußten mehr Freiraum zum Wirken als ein rein rationaler, dauernd skeptischer Verstand, der mit seinen beständigen Zweifeln der Magieanwendung alle möglichen Blockaden und Stolpersteine in den Weg legt. Es kommt also weniger darauf an, ob die Erklärungsmodelle der Magie naturwissenschaftlich "wahr" sind oder nicht. Wichtig ist allein, daß sie mythisch wahr sind, daß sie also den Magier selbst überzeugen und ihm als funktionierende Arbeitshypothese dienen. Es kann nur dann etwas funktionieren, an dessen Funktionieren man auch glaubt. Glaubt man nicht an seine Magie, kann man sie auch nicht erfolgreich anwenden, da man sich durch Zweifel innerlich den Zugriff versperrt. Ein Magier braucht aber eine gewisse Sicherheit für seinen Verstand, und mythische Modelle liefern die entsprechende Standfestigkeit, um ohne durch Skepsis hervorgerufene Blockaden seinem Unterbewußtsein vertrauen und sich so in einer eigentlich irrational erscheinenden Realität in Ruhe auf sein Vorhaben konzentrieren zu können. Man sollte solche Erklärungsmodelle also unter diesem Vorbehalt betrachten, bevor man sie kritisiert. |
| 1.5. Die magische Energie |
| Magie als Kraft soll hier, dem Energiemodell folgend, auch als Energie angesehen werden. Diese mythische Energie des Unbewußten wird häufig auch als Magis, Od oder Prana (sanskrit: Atem, Lebenskraft) bezeichnet. Die Frage nach der genauen Natur magischer Energie läßt sich ebensowenig beantworten, wie man mit Sicherheit sagen kann, worin das genaue Wesen der Elektrizität besteht. Wie auch dort ist viel über die Erzeugung, Handhabung und Anwendung der betreffenden Energie bekannt, aber ihre eigentliche Natur bleibt verborgen. Magische Energie erfüllt jedes Lebewesen (die Lebensenergie, das, was das Leben als solches ausmacht, manche nennen es Seele) von innen heraus und umgibt es in Form einer Aura. Aber auch vielen Gegenständen wohnt diese Energie mehr oder weniger stark inne. Sie kann darin gespeichert und in seltenen Fällen auch darin aus der Umgebung gebündelt erzeugt werden. Magische Energie ist außerdem in der Umwelt vorhanden, denn sie wird beständig von den Lebewesen ausgestrahlt. Magie ist die Energie, die allem im Universum das Leben gibt, aber auch das Leben selbst ist. Man könnte sie sogar als die Summe allen Lebens bezeichnen. Das klingt nun ein wenig nach der "Macht" aus "Star Wars", und so ganz falsch ist dieser Ansatz gar nicht. Magie ist aber nicht eine "kosmische Kraft", "Naturkraft" oder "göttliche Kraft", sondern als Lebenskraft die Kraft und Energie des Unterbewußtseins, welches das Zentrum des Lebens ist. Die magische Energie hat ihren Sitz und Ursprung im Unbewußten ("Unterbewußtsein"). Das Unbewußte kann diese Energie auch aussenden. Dies geschieht manchmal kraftvoll, zum Beispiel bewußt durch den Willen des Magiers oder unbewußt durch bestimmte emotionale Reaktionen des Unbewußten, und in schwächerer Form ohnehin ständig, einfach indem man lebt, ähnlich wie man Körperwärme ausstrahlt. Diese ausgesendete Energie ist dann in der Umwelt vorhanden. Wenn man aber nun permanent Energie aussendet, so muß diese auch irgendwoher kommen. Außerdem bleibt nach dem Energieerhaltungssatz die Summe der Energie in einem geschlossenen System immer gleich. Woher kommt beispielsweise die Energie, mit welcher das Herz schlägt, mit welcher man sieht, mit welcher man denkt? Sie wird im und durch den Körper gebildet. Auch das menschliche Gehirn arbeitet mit Energie, elektrischen Impulsen nämlich, die etwa 100 Watt stark sind und gemessen und mittels eines Elektro-Enzephalogramms (EEG) aufgezeichnet werden können. Also erzeugen Gedanken und Emotionen elektrische Energie. Aber sie erzeugen eben auch noch eine zweite Form von Energie, die man magische Energie nennt. Diese Energie, die man auch den Lebensfunken oder die Lebensenergie nennt, hält die Maschine Körper in Gang, steuert sie. Sie kommt selbstverständlich auch nicht aus dem Nichts, sondern wird durch einen kontrollierten biochemischen Verbrennungsvorgang des Körpers aus Nahrung und Luft vom Körper selbst erzeugt, ebenso wie die bioelektrische Energie, welche Nerven und Gehirn betreibt. Die Energie, mit der gerade diese Zeilen gelesen werden, stammt aus einer der letzten Mahlzeiten. Die Substanz aus der Nahrung wird im "Kraftwerk Körper" in Lebensenergie umgewandelt, die eben nicht nur den Körper, die Muskeln, die Sinne und die Nerven betreibt, sondern eben auch den Geist. Zu Letzterem gehören Bewußtsein und das Unbewußte, und ein Teil dieser Energie wird vom Unbewußten eben auf eine bisher nicht bekannte Weise zu magischer Energie umgewandelt und so verwendet. Sie kommt nicht von irgendwoher, nicht von außen, sondern wird von jedem selbst erzeugt. Weil nun alle Lebewesen (und nicht unbedingt nur diese, aber das soll zunächst außen vor bleiben) also beständig magische Energie abstrahlen, ist die Welt davon erfüllt. Analog kann man sich einen Raum mit vielen Personen darin vorstellen, der sich durch die Körperwärme der Anwesenden erwärmt. Diese vielen verschiedenen magischen Energien bilden jedoch kein homogenes, untrennbares Gemisch, sondern sind schon einzeln vorhanden und existieren miteinander und durcheinander, vergleichbar mit den Frequenzen verschiedener Radioprogramme, die sehr wohl einzeln unterscheidbar und dennoch alle gemeinsam im selben elektromagnetischen Gemisch vorhanden sind. |
| Oft bilden magische Energien regelrechte Ströme durch die Welt. Linien aus magischer Energie, sogenannte Kraft- oder Ley-Linien umspannen ähnlich dem Magnetfeld die Erde wie ein Netz. Wo sich solche Linien kreuzen, gibt es Knoten- oder Kraftorte, an denen die Magie besonders stark und leichter zugänglich ist. Viele Kultstätten sind daher auf solchen Kraftorten errichtet. Der Erfinder des Begriffs Ley-Linie ist Alfred Watkins (1855 bis 1935) in seinem 1925 erschienenen Buch "The Old Straight Track" (engl.: Die alte gerade Spur). Der pensionierte englische Geschäftsmann Watkins war ein Pionier auf dem Gebiet der Geomantie. Er prägte den Begriff, weil zahlreiche auf diesen Linien liegende Orte auf "ley", "lay", "lee", "lea" oder "leigh" enden, eine altdeutsche Bezeichnung für Fels oder Klippe. Nach Watkins verbinden diese virtuellen, geraden Linien bedeutende megalithische Bauwerke und Orte der Kraft miteinander. | ![]() Alfred Watkins |
| 1.6. Die Funktionsweise der Magie |
| Um zu begreifen, auf welche Weise Magie funktionieren kann, muß man sich vergegenwärtigen, daß nicht nur Magie als Kraft, sondern alles Existierende aus Energie besteht. Das gilt für einen Stein (Materie ist ja auch eine Form von Energie) genauso wie für Wärme, Licht, Gedanken und das Leben selbst. Alle diese Energieformen besitzen sozusagen eine unterschiedliche Frequenz. Diese verschiedenen Energieformen existieren nicht getrennt voneinander, denn sonst könnte man gar keinen Kontakt zu ihnen bekommen. Sie existieren vielmehr miteinander und durcheinander. Wenn man beim elektromagnetischen Frequenzmodell bleiben möchte, so könnte man sich die unterschiedlichen Energieformen vielleicht analog zu infrarotem Licht, sichtbarem Licht, ultraviolettem Licht, Radarstrahlen, Röntgenstrahlen, Funk und Rundfunk vorstellen. Alle können gemeinsam im selben Raum existieren und bleiben doch voneinander gut unterscheidbar und haben alle verschiedene Erscheinungsformen. So könnte man also als einfaches Modell die Energie von toter Materie, die körperliche Lebensenergie, die bewußte Mentalenergie, die unbewußte Mentalenergie und die magische Energie als Energieformen ansehen (natürlich gibt es noch weitere und auch viele Zwischenstufen), die ähnlich miteinander existieren. Weil diese Energien nicht voneinander getrennt, sondern miteinander existieren und in gegenseitiger Wechselbeziehung zueinander stehen, können sie einander auch beeinflussen, ähnlich wie ein Funksignal ein Radiosignal stören kann. So kann eine Veränderung in der einen Ebene über eine Art Induktion auch eine Veränderung in der anderen Ebene bewirken und umgekehrt. Diese gegenseitige Beeinflussung der verschiedenen Energieformen ist in der Magie ein sehr wichtiger Grundsatz, den man als Resonanzprinzip bezeichnet. Einander sehr nahe und ähnliche Energien beeinflussen sich natürlich leichter als einander fremde, voneinander entfernte. So können magische Energie und unbewußte Mentalenergie, die einander sehr ähneln, vielleicht mit einem Radiosignal und einem Funksignal verglichen werden und sich so leichter gegenseitig beeinflussen, während ein zum Beispiel mit sichtbarem Licht vergleichbarer Stein sich nur sehr schwer bis gar nicht vom "Radiosignal" magische Energie verändern läßt. Weil es sehr schwierig bis unmöglich ist, weit voneinander entfernte Energieformen durch eine Resonanz zu verbinden, weil sie eben völlig verschieden sind, bedient man sich eines Tricks. Einander ähnliche Energien beeinflussen sich wesentlich leichter, und so ist es nicht allzu schwierig, eine benachbarte Energieform zu erreichen. Diese verändert dann ihrerseits ihren nächsten Nachbarn und so weiter, bis eine Resonanzkette geschaffen wurde, die bis zur gewünschten Stufe reicht. Diese Wirkung macht sich der Magier zunutze. Er setzt seine bewußte Mentalenergie auf eine Weise ein, die geeignet ist, das Unterbewußtsein so zu beeinflussen, daß es wiederum auf die magische Energie einwirkt, die so eine bestimmte Veränderung erfährt. Diese veränderte magische Energie wird ausgestrahlt, wobei die Art der Veränderung geeignet ist, die magische Energie des Zauberziels so zu manipulieren, daß dies wiederum zu einer Veränderung des dortigen Unterbewußtseins oder Bewußtseins, Körper, Materie oder was auch immer führt. Der Magier erzeugt also eine Art energetischer Kettenreaktion, die seinen Willen transportiert, und die er dort auslöst, wo er es kann, nämlich in seinem Geist, seinem Wachbewußtsein, die dann bei ihm die Stufen unterschiedlicher Energien hinaufläuft, von der eigenen Spitze zur Spitze des Ziels überspringt und dort die Stufen wieder herunterläuft, bis sie (hoffentlich) auf der gewünschten Ebene zum beabsichtigtem Ergebnis führt. Absichtliche Kettenreaktionen auszulösen, um damit gewünschte Veränderungen zu bewirken, ist das Ziel des Magiers. Durch mangelhafte Umsicht und Übung können aber auch ungewollte Kettenreaktionen ausgelöst werden, die auch zu unschönen Effekten beim Ziel oder bei sich selbst führen können. Das Prinzip, diese eigenen und fremden subtilen Energien in Übereinstimmung mit dem Willen zu bringen, nennt man auch Synchronismus oder Synchronizität (Carl Gustav Jungs Ausdruck für "bedeutungsvoller Zufall", den er gemeinsam mit dem Physiker Wolfgang Pauli prägte, um das anscheinend unzusammenhängende, "zufällige" Zusammentreffen von Ereignissen oder Ereignissen und psychischen Geschehnissen zu beschreiben, die in einem offensichtlichen Sinnzusammenhang stehen). Dadurch können ganz reale Resultate auftreten, die aber bis heute durch die physikalische Wissenschaft noch nicht nachgewiesen sind. |
| 1.7. Die Anwendung von Magie |
| Die Anwendung von Magie nennt der Volksmund "Zauberei". Weil dieser Begriff jedoch durch Bühnenillusionskunst und Scharlatanerie einen negativen Beigeschmack bekommen hat, soll er hier nicht verwendet werden. Magier pflegen sie als magische Operation zu bezeichnen. Nach dem Resonanzprinzip des Energiemodells kann das Unterbewußtsein durch seine magische Energie, die es aussendet (ob unbewußt oder gezielt durch den Willen des Magiers) auch auf andere magische Energien (eigene oder fremde) Einfluß nehmen, sie wahrnehmen und manipulieren, was wiederum zu Veränderungen dieser magischen Energie führt. Diese Veränderung wirkt damit zurück auf das Unterbewußtsein und kann so letztlich auch zu "materiell greifbaren" (realen) Veränderungen geistiger, körperlicher oder materieller Natur oder von Geschehnissen führen. Das ist dann im Prinzip das, was man mit Magieanwendung oder eben auch trivial mit "Zauberei" meint. Jemanden zu "verzaubern" heißt also nichts anderes, als geistig über das Medium magische Energie indirekt Verbindung zu dessen Unterbewußtsein aufzunehmen und daraus Erkenntnisse zu ziehen oder dort Veränderungen gleich welcher Art herbeizuführen. Der Magier versucht, gemäß eines Vorhabens des praktischen Verstandes, Energien von einer Existenzebene auf eine andere zu überführen, um somit in Übereinstimmung mit dem Willen auf geistige Weise durch das Unterbewußtsein Veränderungen in der Realität zu bewirken. Für den Magier ist die Beschäftigung mit Magie ein besonderer Erfahrungsraum, eine besondere Art des Erlebens, der Erkenntnis, des Eingebundenseins in die schöpferischen Kräfte des Universums und der aktiven Befähigung, in diesem wiederum schöpferisch (im Guten wie im Schlechten) aktiv und verantwortlich zu sein. |
| 1.8. Die drei Standbeine magischen Wirkens |
| Die drei Standbeine jeden magischen Wirkens sind ein veränderter Bewußtseinszustand (Gnosis), der Wille und die Visualisierung. Den veränderten Bewußtseinszustand, welcher der Schlüssel zu magischen Fähigkeiten ist, nennt man "magische Trance", "gnostische Trance" oder kurz "Gnosis". Gnosis ist ein späthellenischer Begriff, der eigentlich soviel wie "intuitives, offenbartes Wissen" beziehungsweise "Erkenntnis" bedeutet und neben dem Zustand der gnostischen Trance auch die in diesem Zustand erlangten Erfahrungen und erworbenes praktisches Wissen, das "Gefühl" für Magie meint. Damit wird die intuitive und subjektive Seite des magischen Handelns betont. Es handelt sich um eine gesteigerte "Klar"-Sicht, eine eigenartige Mischung aus Wissen und Gefühl, für die es im Deutschen keine richtige Entsprechung gibt. Das Wort Gnosis in seiner Bedeutung als Erkenntnis steckt zum Beispiel auch in Diagnose. Ein veränderter Bewußtseinszustand bedeutet eine eindeutige qualitative Veränderung im mentalen Funktionsmuster des alltäglichen Wachbewußtseins. Neben der Gnosis gibt es zahlreiche unterschiedliche Spektren der Bewußtseinsveränderung, am bekanntesten sind Schlaf und Traum, aber auch die Effekte diverser Drogen. Der Wunsch, von Zeit zu Zeit sein Bewußtsein zu verändern, scheint zu einem wichtigen Bedürfnis des Menschen zu gehören. Seit der Steinzeit haben Menschen das bewußtseinsverändernde Potential der Pflanzen ihrer Umgebung zu diesem Zweck erprobt. Die als Gnosis bezeichnete Form der Bewußtseinsveränderung, welche zum Beispiel durch Meditation oder mystische Erfahrung erlangt werden kann, ist von der Gewißheit einer neuartigen und qualitativ höherstehenden Klarheit und Einsicht in die tieferen Sinnzusammenhänge der Existenz gekennzeichnet. Deshalb ist der Begriff der "gnostischen Trance" hier nicht mißzuverstehen. Die gnostische Trance meint keineswegs etwa ein "geistiges Weggetretensein" wie bei der hypnotischen Volltrance, bei welcher der Klient (oder das Opfer) jegliche Kontrolle über sein eigenes Tun verliert und vom Hypnotiseur beliebig zu manipulieren ist, und auch keine seltsamen Zuckungen, das Lallen in fremden Sprachen oder gar einen Drogenrausch. Die gnostische Trance gleicht der hypnotischen zwar in einigen äußerlichen Merkmalen, doch bleiben Bewußtheit, die Willens- und die Entscheidungsfreiheit des Magiers dabei voll erhalten, auch wenn er sich dabei in einer anderen Realität befinden mag. Im Gegensatz zur einschränkenden Hypnose oder zum dämpfenden Rausch sind das Bewußtsein und die Wahrnehmung im Vergleich zum normalen Wachbewußtsein eher noch erweitert. Am kostbarsten ist dieser Zustand der Gnosis für den Magier gerade dann, wenn er ihn als besondere, klare Wachheit, als eine ganz eigentümliche Intensität aus dem Alltag heraus wahrnehmen kann. Physiologen sprechen bei der gnostischen Trance von der Wirkung der Endorphine, körpereigene Stoffe mit drogenähnlicher, bewußtseinserweiternder Wirkung, die aufgrund bestimmter äußerer Reize im Gehirn ausgeschüttet werden und zu dem erwähnten veränderten Bewußtseinszustand führen. Indem sich der Magier in diesen anderen, erweiterten Bewußtseinszustand versetzt und aus diesem heraus seinen bewußten Geist mit den Kräften seines Unterbewußtseins verbindet, ist er in der Lage, magisch zu arbeiten. Nur so ist es überhaupt erst möglich, magische Energien aus dem Unterbewußtsein heraus zu verstärken, zu erfassen und zu benutzen. Ohne diesen Zustand der Gnosis kommt man an "die Magie" tief in seinem Inneren gar nicht erst heran, und ohne sie nutzen Wille und Visualisierung so gut wie nichts und sind nicht erfolgreicher als "Positives Denken" und ähnliche Psychopraktiken. Erst durch die Gnosis und die durch sie freigesetzte magische Energie können Wille und Visualisierung in die Realität umgesetzt werden. Wie man sich in den Zustand der gnostischen Trance versetzen kann (sie kann beispielsweise im Verlauf eines Rituals durch die richtige Stimmung ganz von selbst erreicht werden), wird später auf der Seite mit den praktischen Übungen erläutert. Hier soll einstweilen die Theorie genügen. Der Wille (altgriech.: Thelema), auch Willenssatz genannt, ist das Ergebnis, welches man von ganzem Herzen mit dem Zauber zu erreichen wünscht. Ohne einen festen, am besten genau ausformulierten Willenssatz bewirkt die Magie keine Veränderung beim Ziel. Die Intensität des Willens, mit der die Veränderung herbeigeführt werden soll, ist das Maß für die Stärke der Wirkung einer magischen Operation (im Volksmund: eines Zaubers). Voraussetzung für jede Magie ist, daß man genau weiß, was man wirklich will. Diffuse Wünsche bewirken diffuse Ergebnisse, und die verlieren sich dann oft im allgemeinen Geschehen, so daß sie als Ergebnisse der eigenen Magie gar nicht mehr erkennbar sind. Die Visualisierung, von "visio" (lat.: Schau), oder Imagination, von "imago" (lat.: Abbild), ist das aktives Hervorrufen von inneren Bildern. Es ist hierbei jedoch nicht im landläufigen Sinne von Einbildung gemeint, sondern im Sinne von Vorstellungskraft. Visualisieren ist die Kunst, sich das Zauberziel und den gewollten Zustand umfassend bildlich und real vorzustellen, ihn damit ins eigene Bewußtsein aufzunehmen, um Wille und Energie auf die Energie des Ziels zu projizieren. Ohne Visualisierung gibt es keine Verbindung zum Ziel, und alle durch Willen geformte Energie geht ziellos gestreut und somit schwach und wirkungslos am Ziel vorbei, ohne es zu "treffen" oder in den gewünschten Zustand zu transformieren. Die Visualisierung dagegen erzeugt einen gebündelten Strahl magischer Energie, richtet diesen auf das Ziel und überträgt energetisch den gewollten Zustand, sie ist also die Treffsicherheit und Genauigkeit einer magischen Operation. Nach den magischen Analogie-Grundsatz "was gleich aussieht, ist auch gleich" trifft ein auf die Visualisierung konzentrierter Zauber das beabsichtigte Zielobjekt um so präziser, je genauer das imaginisierte Bild diesem in jeder Hinsicht gleicht. Das hat etwas damit zu tun, daß der Magier sein Zielobjekt in sein persönliches Bezugssystem aufgenommen haben muß, also eine persönliche Beziehung dazu geschaffen haben muß, um es mental-energetisch zu erreichen. Je deutlicher das Bild, desto intensiver ist der Bezug und desto besser ist auch die energetische Verbindung. Das Ziel aller drei Techniken ist es, durch den Einsatz eigener Energie eine fremde Energie kraft des Willens der eigenen schwingungsmäßig anzugleichen, um somit den gewollten Zustand beim Ziel zur Realität werden zu lassen. |
| 1.9. Die Wahrnehmung magischer Energien |
| Magier nehmen magische Energien über ihr Unterbewußtsein wahr. Weil es dafür kein sichtbares oder nachweisbares Sinnesorgan gibt, spricht man von erweiterter Wahrnehmung, im Volksmund auch sechster Sinn, drittes Auge oder zweites Gesicht genannt. Diese erweiterte Wahrnehmung ist im Unterbewußtsein aktiv, aber nicht ständig für das Bewußtsein greifbar. Um magische Energien bewußt wahrnehmen zu können, muß der Magier vor allem seine eigene Wahrnehmung verändern. Dies geschieht, indem er sich in den Zustand der Gnosis versetzt. Diese Verbindung von Bewußtsein mit dem Unterbewußtsein erlaubt es dem Unterbewußtsein, seine magischen Wahrnehmungen ins Bewußtsein zu projizieren. Mangels anderweitig geeigneter Medien bedient sich das Unterbewußtsein dabei der körperlichen Sinne, beziehungsweise den dafür zuständigen Bereichen des Gehirns, die für das Bewußtsein greifbar sind. Die Form der Wahrnehmung kann von Magier zu Magier unterschiedlich sein. Bei den meisten ist es eine quasi-optische Wahrnehmung, d.h. der Magier glaubt das, was er spürt, auch zu sehen, meist durchscheinend oder halbdurchscheinend vor seinem inneren Auge, in das sichtbare Bild mit eingebunden. Was man da zu sehen glaubt, kann sehr unterschiedlich sein, meist sind es rauchschwadengleiche Linien und schleierartige Strömungen. Man kann diese Energien aber auch "riechen", "schmecken" mit den physischen Händen "fühlen" usw. Die Form der Wahrnehmung ist dabei unerheblich. Wenn man vom "Sehen" oder von ähnlichen Wahrnehmungen magischer Energien spricht, handelt es sich bei diesen Worten nur um Annäherungen an einen Sachverhalt, den es im Sprachschatz nicht gibt, nämlich eine Wahrnehmung mit einem anscheinend nichtstofflichen Sinnesorgan des Unterbewußtseins, das sich der physischen Sinnesorgane lediglich als Zuträger und Visualisierungsinstrument bedient, um das Wahrgenommene dem Bewußtsein begreifbar zu machen, aber ohne diese Sinnesorgane wirklich zu benutzen. Es ist nicht so, daß diese magischen Energien mal vorhanden wären und mal nicht, vielmehr liegt es am Magier, ob er sie als solche wahrnimmt oder nicht. Wie auch die Gravitation sind sie ständig gegenwärtig, weil alles Leben sie ununterbrochen emittiert. Natürlich gibt es Phasen, in denen es dem Magier leichter oder schwerer fällt als sonst, den für die erweiterte Wahrnehmung erforderlichen Bewußtseinzustand herzustellen, aber das hat physische oder psychische Ursachen, die im Magier selbst begründet liegen, und sagt nichts über die Qualität der umgebenden magischen Energien aus. |
| 1.10. Das Ziel der Beschäftigung mit Magie |
| Viel wichtiger als die Frage, was Magie eigentlich genau ist, ist vielmehr die Frage, warum man sich überhaupt mit ihr beschäftigen sollte und welches Ziel diese Beschäftigung verfolgt. Sicher kann man mittels der Magie Veränderungen in seinem Umfeld herbeiführen, doch das ist nur ein Nebeneffekt - die eigentlich wichtigste Veränderung geschieht im Magier selbst. Die Arbeit mit Magie ist die willentliche Bewußtseinsveränderung mit dem Ziel, ein selbstbewußtes, selbstbestimmtes und kreatives Leben zu führen. Erreicht wird dies durch das verstärkte Verbinden der bewußten und unbewußten Bereiche des Geistes. Der Weg der Magie ist die ausgewogene Entwicklung beider Bereiche. Magie ist in erster Linie die Arbeit an sich selbst, und deshalb hat sie viel mit Psychologie zu tun (und kann daher unter Umständen auch gefährlich sein). Das Verständnis von Magie fördert die Kommunikation zwischen Bewußtsein und Unterbewußtsein. Das Ziel der Magie ist die transformatorische Weiterentwicklung des Selbst. Für den wahren Magier ist der Weg das Ziel, und dieser Weg kann nie zu Ende gegangen werden. Der magische Weg ist ein schwieriger Weg, weil man ihn weitgehend allein beschreiten muß. Das liegt zum einen daran, daß Lehrer, wie erwähnt, recht ungeeignet sind, zum anderen daran, daß es viele verschiedene Gebiete der Magie gibt und noch mehr Formen, damit umzugehen, und nicht zuletzt daran, daß jeder mit seiner ganz persönlichen Vorbildung, Neigung, Meinung und Begabung an einem anderen Punkt steht. Als Wissenschaft und Kunst zugleich ist die Beschäftigung mit Magie aber zu keiner Zeit ein abgeschlossenes, fertiges System, sondern ständigen Wandeln und Lernprozessen unterworfen, so wie die Wissenschaft heute auch. Außerdem ist man gerade in der Magie ständig der Gefahr durch eigene Mißinterpretationen und unsinnige Lehren Dritter ausgesetzt. Hier hilft nur, ruhig zu bleiben und nachzudenken. |
| 2. Magie und Ethik |
| Bevor ein näherer Einstieg in die Magie behandelt wird, kommt man nicht umhin, sich mit einigen ethischen Gedanken zu beschäftigen. Tut man dies nicht schon im Vorfeld, so können einen später die Zweifel an sich selbst und die Versuchung von Fehltritten mitsamt ihrer Konsequenzen zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt einholen, und, wenn man nicht ethisch gefestigt ist, auch überrollen. |
| 2.1. Der Unterschied zwischen Religion und Magie |
| Der Glaube, egal ob religiös oder esoterisch, erschafft ein Weltbild aus mystischen Erklärungen für die Fragen des Lebens. Glaube beginnt dort, wo das Wissen endet, denn er beruht nicht auf Fakten, sondern auf Hoffnung, und er ist in Regeln oder Dogmen gepackt, die sich seine Begründer ausgedacht haben. Magie ist, nüchtern betrachtet, ein in sich logisches System geistiger Techniken, das auf erworbenem und erlebtem Wissen basiert, welches Schlußfolgerungen und damit persönliche Weiterentwicklung zuläßt. Sie liefert einfache, durchaus weltlich beziehungsweise psychologisch erklärbare Antworten auf die Fragen des Lebens. Im Glauben macht man sich von äußeren Dingen (Kräften, Wesen oder Personen) abhängig und sich selbst klein, indem man sich in ein untergeordnetes Verhältnis zu ihnen setzt. Man ist dann auf die Gnade dieser Mächte angewiesen, um die man bitten muß. Man stützt sich dabei nur auf Hoffnung, denn was man zu erreichen sucht, erbittet man von außen und hofft, daß man es von dort bekommt. In der Magie ist man frei und unabhängig von solchen Gedanken und Kräften. Magie ist die Kunst des Wissens, Wollens und Wagens, d.h. man nimmt sein Schicksal eigenverantwortlich (und auf eigenes Risiko) selbst in die Hand. Der Magier greift selbst zur Macht und bedient sich ihrer aus seinem eigenen Inneren heraus, um eigenverantwortlich Realität zu schaffen. Man kennt zwar seine Grenzen, kann sie aber auch erweitern (ein ständiger Prozeß) und ist unabhängig von allem anderen (außer von sich selbst) in der Lage, die Realität nach seinem eigenen Willen zu verändern. Ein Magier bittet nicht, er befiehlt dem "Schicksal" (durch "bedeutungsvolle Zufälle" ablaufendes Geschehen), und er ist dabei unabhängig, es kommt nur auf die Stärke seines eigenen Willens an. Er braucht keine höheren Mächte, muß nicht einmal an solche glauben. Die Richtung seiner Entwicklung bestimmt der Magier selbst. Er ist nur seinem Gewissen verantwortlich. Die eigene Kraft wird dazu eingesetzt, die dem Ziel innewohnende Kraft zu manipulieren. Die Magie stützt sich auf den Willen. Der Magier hat somit zwar mehr "Arbeit" als der religiös Betende, aber auch weitaus mehr Erfolg. Selbst wenn man die Frage nach der Existenz höherer Wesen außen vor läßt, können Gebete aus rein psychologischer Sicht nur selten funktionieren. Einer der Gründe dafür ist bei vielen Menschen der, daß sie mit einer "Bitte" zugeben, daß sie etwas nicht haben. Das Unterbewußtsein klammert sich dadurch an den Zustand des Mangels und hält daran fest, wodurch dieser Realität bleibt. In der Magie wird dagegen der gewollte Zustand gedanklich als real anerkannt (Visualisierung). Der positive Effekt stellt sich durch die schöpferische Kraft der Gedanken und Gefühle (Gnosis) an die neue Realität ein. In dem Maße, wie es aus ganzem Herzen als Wahrheit erachtet wird (Wille), wird es sich auch in der Erfahrungswelt real manifestieren. Es ist natürlich auch so, daß bei vielen Menschen beim Gebet die Bitte um Veränderung ebenfalls visualisiert wird, ähnlich wie es bei der magischen Technik der Fall ist. Bei manchen Menschen führt das auch zum Erfolg, nämlich dann wenn ihr Glaube und das Vertrauen auf Erfüllung ihrer Bitte so stark ist, daß das gewünschte Ergebnis - ähnlich wie bei einer magischen Operation - bereits als Realität angesehen wird. So können durchaus ähnliche Wirkmechanismen in Gang kommen. Allerdings bleibt ein Unterschied, der wohl bei den meisten Menschen das "magische" Funktionieren eines Gebets verhindert, nämlich der, daß das gewünschte Ziel nicht Ergebnis des eigenen festen Willens ist, sondern des guten Willens einer anderen, höheren Entität. Somit bleibt das Gebet eine Bitte, abhängig von fremdem Willen, egal wie groß das Vertrauen auf Erfüllung auch sein mag, denn einer Gottheit befiehlt man nicht. Magie funktioniert aber nur durch eigenen festen Willen, ein Magier bittet nicht - er will etwas und befiehlt es. Es gibt zwar durchaus Berichte, denen zufolge auch durch Gebet in festem Glauben tatsächlich Veränderungen der Realität bewirkt worden sind, doch erfordert dies einen ungeheuer starken Glauben und kommt sehr selten vor. Da Glaube nicht auf Wissen beruht, ist es schwierig, belegbare Schlüsse zu ziehen und so weiter zu kommen. Hinzu kommt, daß es die ganze Mystifizierung dieser Lehren einem auch nicht gerade einfach macht, das System zu durchschauen. Regeln und Dogmen engen die Gläubigen ein, und hemmen sie mit Angst und Schuldgefühlen in ihrer persönlichen Entwicklung, Individualität unterdrückend. Und viele clevere Leute nutzen die - sagen wir mal - "Gutgläubigkeit" der Menschen für persönliche Zwecke (Geld, Macht, Geltungssucht) aus (einige davon organisieren sich und nennen sich "Kirchen", "Orden", "Gemeinschaften" usw.). Das Ziel der Religion und Esoterik ist meist "Erleuchtung" oder "Erlösung", etwas, das zwar versprochen, aber selten gehalten wird, denn auch hier erhofft man sie sich von außen kommend, ohne die Möglichkeit, sie sich selbst aus eigener Kraft und aus eigenem Willen zu erarbeiten. Dieser Weg ist zwar leichter, da man weniger Eigenverantwortung übernehmen muß, führt aber selten über gewisse vorbestimmte Grenzen hinaus. In der Magie erarbeitet man sich seinen Fortschritt (das Sicherschließen der eigenen inneren Kräfte und die eigene geistige Weiterentwicklung) selbst und ist nicht auf äußere Gnade angewiesen. Magie ist eigentlich nicht besonders kompliziert - sie wird nur von vielen furchtbar kompliziert gemacht. Jeder muß sich seine eigenen Regeln bilden, manche kommen mit wenigen aus, manche brauchen offenbar Hunderte. Das Ziel der Magie ist die Weiterentwicklung des Selbst - die Veränderung der Realität (das "Zaubern") ist nur ein netter, aber sekundärer Nebeneffekt. Dieses Ziel erreicht der Magier durch die Arbeit an sich selbst, ein langer und schwerer Weg, aber auch ein äußerst erfolgreicher. |
| 2.2. Magie und Religion nebeneinander |
| Um Magie auszuüben, muß man keine bestimmte Religion annehmen. Es ist vollkommen egal, ob man Heide, Asatru, Christ, Moslem, Buddhist, Hindu, Atheist oder sonstwas ist und ob man an keinen, einen oder mehrere Götter glaubt und wie stark gläubig man ist. Auf die Magie selbst hat das keinen Einfluß - allerdings kann es Einfluß auf den Magier haben. Dieser ist nämlich seinem Gewissen verantwortlich, und wenn sich sein religiöses und sein magisches Gewissen nicht miteinander vertragen, dann hat er ein Problem, das so stark sein kann, daß es ihn nicht nur bei der magischen Arbeit behindert, sondern sogar psychisch schwer schädigen kann. Streng genommen muß eine Religion eher als schädlich für einen Magier angesehen werden, weil Magie etwas sehr Individuelles ist und religiöse Dogmen gerade dazu dienen sollen, Individualität zu unterdrücken. Das ist besonders bei sehr dominant-dogmatischen Religionen wie dem Christentum und dem Islam so, aber selbst viele heidnische Strömungen, die sich selbst sehr heuchlerisch individualistisch nennen, versuchen viele Dinge durch Regeln und vorgegebene Dinge einzuengen ("...bei uns ist alles ganz individuell und frei, aber du mußt es unbedingt so und so machen..."). Viele Magier kommen dennoch sehr gut mit ihrer Religion klar. Dort, wo Glaube und religiöse Dogmen mit magischer Arbeit im Widerspruch stehen, muß man dann halt einen Kompromiß finden, und wenn das nicht möglich ist, muß man entweder seine Religion oder die Magie zurückfahren oder aufgeben. Wer das nicht kann, hat einen ernsthaften Konflikt, der mit Schuldgefühlen verbunden sein kann, welche der Psyche schwer schaden. Außerdem verankern sich religiöse Dogmen im Unterbewußtsein und behindern auch auf diese Weise durch Blockaden und Hemmungen den freien Zugang zu magischen Energien und das Arbeiten mit ihnen. Aber auch wenn zum Beispiel das Christentum Magier und Hexen verdammt und als teuflisch ansieht, weil diese, indem sie den Kräften des Universums gebieten, sich auf "Gottes Terrain" begeben (sich selbst vergöttlichen, beziehungsweise sich innerlich dem Göttlichen annähern), was in kirchlichen Augen Häresie ist, gibt es sehr wohl christliche Magier und Hexen, vor allem in den südlichen Bereichen Europas. Das eine muß das andere nicht ausschließen, denn es kommt noch der Unterschied dazu, ob man einem Gott oder aber bloß einer von Menschen geschaffenen Organisation, wie der Kirche oder einer anderen Sekte, treu sein möchte. Natürlich ist es für einen Magier oder eine Hexe einfacher, die mit der Magie verbundene individualistische Lebensphilosophie auch mit einer entsprechend eingestellten Religion wie dem Heidentum (beziehungsweise Neuheidentum), dem Asatru oder dem Buddhismus zu verbinden oder als Atheist ganz auf eine Religion zu verzichten. Ein Magier, der zu seiner persönlichen, inneren Stärke gefunden hat und ein klares Weltbild und eine gesunde Lebenseinstellung besitzt, benötigt eigentlich auch keine Religion mehr, weil er schon längst gefunden hat, was Religionen den Menschen geben sollten (jedoch oft nicht tun). Es geht aber, wie gesagt, auch mit Religion. Wenn nicht wenige Magier christenfeindlich wirken, so hat das seine guten Gründe. Abgesehen von der vom Christentum gelehrten Feindlichkeit gegenüber Körper und Natur und einem "jenseitigen Gott", der "nicht von dieser Welt" (also unnatürlich) ist, und weiteren Dogmen zur Unterdrückung jeglicher Individualität und Natürlichkeit des Menschen, dem Missionierungswahn und der absoluten Intoleranz gegenüber jeder Abweichung, sowie den Greueltaten der Vergangenheit, wo im Namen der Kirche Hunderttausende angeblicher Magier und Hexen und vor allem auch Ketzer (also Kritiker) gefoltert, verstümmelt, verbrannt und gehängt wurden und später ganze Völker, wie zum Beispiel die Ureinwohner Amerikas und Australiens nahezu ausgerottet wurden, schlägt den Magiern auch heute noch Feindschaft entgegen. Zwar findet keine offene Verfolgung mit Hinrichtung mehr statt, doch sorgen Kirche, sensationsgierige Medien und bigotte Spießbürgerlichkeit dafür, daß man sich nicht offen zu dem bekennen kann, was man wirklich ist, vor allem dann nicht, wenn man eine gewisse Stellung bekleidet oder sonstwie im Licht der Öffentlichkeit steht. Alle Andersdenkenden werden noch immer von der ignoranten und kirchlich beherrschten Mehrheit der "christlichen" Bevölkerung gemäß den Hetzkampagnen bedenkenlos zusammen mit Satanisten, Sekten und Verrückten in einen Topf geworfen und geächtet. Diese Hetze bewirkt, daß Magier in Positionen wie öffentlichen Ämtern oder als Geschäftsführer von Firmen, als Ärzte oder sonstige Dienstleister um ihre Existenz fürchten müssen, wenn ihre Lebensanschauung bekannt wird. Aber auch in dörflichen Gemeinschaften halten stockreaktionäre "Sittenwächter" nach allem Ausschau, was nach "Andersartigkeit" aussieht. Ist erst einmal ein Opfer gefunden, beginnt die Verfolgung - nicht mehr als bewaffneter Lynchmob, aber Meidung, üble Nachrede und gesellschaftliche Ächtung können einem auch schon schwer zu schaffen machen, und nicht selten eskaliert die Sache zu tatsächlichen Übergriffen, die schließlich als Sachbeschädigung oder gar Körperverletzung vor Gericht landen. Und leider kommt es zuweilen immer noch zu Morden oder Mordversuchen durch wahnhafte Weltverbesserer. Die Wirklichkeit belehrt jeden eines Besseren, der glaubt, auf die angebliche "Toleranz" der "modernen" Gesellschaft vertrauen zu können. Umgekehrt dagegen sind Magier meist recht friedliche Zeitgenossen. Ihre Kirchenfeindlichkeit manifestiert sich gewöhnlich lediglich darin, daß sie Kritik an der Kirche äußern und über Mißstände und Widersprüche kirchlicher Lehren aufklären. Aktive Feindschaft, also Angriffe auf Christen, Priester oder Kirchengebäude, kommen seitens der Magier eigentlich nicht vor. Solche Anschläge sind eher das Werk spirituell Verwirrter oder Möchtegern-Satanisten, nicht von wirklichen Magiern (die im übrigen auch ganz andere Mittel dazu hätten). Außerdem wissen Magier wie auch wahre Christen sehr wohl, daß echtes Christentum und Kirche nicht dasselbe sind. Natürlich haben auch die Magier die absolute Toleranz nicht für sich gepachtet, und sie setzen sich durchaus auch zur Wehr, wenn sie angegriffen werden, und sie rächen sich auch, wenn man ihnen nur genug Grund dafür gibt, jedoch paßt eine aktive Aggressivität von sich aus eigentlich nicht ins Weltbild eines Magiers. Er hat Besseres zu tun und ist in der Regel froh, wenn man ihn in Ruhe läßt. |
| 2.3. Weiße und schwarze Magie? |
| Der einzige Unterschied zwischen Magiern, die sich selbst als "weiß" oder "schwarz" bezeichnen, besteht darin, daß der "weiße" Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für gut, hilfreich und ehrenwert zu halten, und der "schwarze" Magier sich in der Arroganz sonnt, sich selbst für böse, geheimnisvoll und mächtig zu halten. Magie ist eine Form von Energie und als solche weder gut noch böse, weder weiß noch schwarz, sondern einfach neutral, ohne ihr innewohnende moralische Eigenschaften. Elektrischer Strom ist als Energie ja auch nicht gut oder böse, obwohl er nützen und schaden kann. Es kommt eben immer darauf an, was man damit macht und warum. Begriffe wie schwarze und weiße Magie entstanden aus dem Klischeedenken des christlichen Volksglaubens, und diese Unterscheidung wurde rein zur Legitimation kirchlicher Handlungen benötigt. Schon in der frühen Geschichte des Christentums wurden von den Priestern rituelle und kultische Handlungen vollzogen. Diese wurden bis ins Mittelalter hin gepflegt und in manche Richtungen kontinuierlich ausgebaut. Es gipfelte im Exorzismus, der immer dann angewandt wurde, wenn es darum ging, Menschen mit Visionen und Weltbildern, die nicht der allgemeinen Auffassung der Kirche entsprachen, so lange zu "behandeln", bis der angebliche Dämon wieder ausgetrieben war. Alle heidnischen, rituellen oder magischen Handlungen wurden dann als schwarz und vom Teufel kommend abgetan. Was die Kirche dagegen an Handlungen vornahm, wurde dem Volk als weiß verkauft und damit gerechtfertigt, daß es von Gott käme. Ebenso wurden heilende und helfende Zauber als weiß und böse, schädigende Zauber (meist den Hexen nachgesagt) als schwarz definiert. Aber dieses Schwarz-Weiß-Denken ist ebenso unsinnig wie die Vorstellung, daß ein Mensch nur böse oder nur gut sein könne. Man pendelt immer irgendwo zwischen beiden Extremen, aber ohne jemals eines zu erreichen. Es käme auf die Absicht des Magiers an, bekommt man oft zu hören. Doch Magie als gut oder böse abhängig vom Magier zu bezeichnen, wäre ebenso, als wenn man ein Messer als gut oder böse bezeichnet, je nachdem, ob jemand damit als Koch in der Küche arbeitet, als Chirurg damit heilt oder als Mörder jemanden damit ersticht. Magie ist, ebenso wie das Messer, lediglich ein Werkzeug in den Händen des Magiers. Egal, was dieser damit tut, sie bleibt auch nur ein Werkzeug und damit neutral. Die Magie selbst wird also nicht gut oder böse, auch dann nicht, wenn mit ihrer Hilfe Gutes oder Böses getan wird. Auch von weißen oder schwarzen Magiern zu sprechen ist nicht korrekt, weil, wie gesagt, niemand vollständig einer der beiden Ethiken von Gut oder Böse anhängen kann, wie sehr er sich auch darum bemüht. Magier können nicht schwarz oder weiß sein, allenfalls grau - vielleicht verschiedene (auch wechselnde) Grautöne, aber eben grau. Magie danach zu klassifizieren, ob sie hilft oder schadet, sie sozusagen in "konstruktive" und "destruktive" Magie einzuteilen, ist ebenfalls ein Terrain mit Glatteis. Wenn ein Magier jemandem schadet, um ihn davon abzuhalten, einem Dritten etwas anzutun - hat er nun destruktive beziehungsweise schwarze Magie auf sein Opfer gewirkt oder konstruktive beziehungsweise weiße Magie, um den Dritten zu retten? Die Neigung des Menschen, alles in zwei Schubladen einteilen zu wollen, versagt bei der Magie ganz einfach deshalb, weil es eben keine zwei Schubladen gibt. Alles gehört in eine, und die ist neutral. Auch wenn der Magier Gutes oder Böses im Schilde führt, die Magie selbst bleibt immer neutral. Und das Motiv eines Menschen in nur zwei extreme Fächer stecken zu wollen ist mehr als realitätsfremd. Manche sind der Auffassung, daß "schwarze" Magie stärker sei als "weiße", also Schadenszauber stärker seien als helfende. Das stimmt jedoch nicht, denn abgesehen davon, daß es "Schwarz" und "Weiß", wie festgestellt, nicht gibt, ist Magie grundsätzlich immer nur so stark, wie der Ausübende beziehungsweise dessen Wille, Imagination und die Veränderung seines Bewußtseins. Dabei ist es völlig gleichgültig, zu welchem Zweck er seine Magie wirkt. Ein wahrer Magier wendet Magie an, um seinen Weg zu gehen und dabei die Dinge heranzuziehen, die er benötigt, und jene Dinge beziehungsweise Kräfte zu entfernen, die ihm im Wege stehen oder schaden. Für ihn gibt es keine Dualität von "schwarz" und "weiß" oder "gut" und "böse" mehr, nur eigenverantwortliches Tun. Solche dualistischen Konzepte sind auf Magie nicht anwendbar, nicht einmal im Sinne guten oder bösen Handelns. Die Magie folgt Naturgesetzen, und die Natur in all ihrer Vielfalt kennt gut und böse nicht. Die moralisch neutrale Magie ist wahrscheinlich nicht für jene Menschen geeignet, die sich noch keinen gut entwickelten Kodex persönlicher Ethik geschaffen haben, denn nur dieser schützt den Magier vor Entgleisungen. Immer wieder bekommt man zu hören oder zu lesen, Magie dürfe nicht für eigennützige Zwecke eingesetzt werden. Das ist völliger Quatsch, der vermutlich von Leuten mit Helfersyndrom verbreitet worden ist. Selbstverständlich darf Magie eigennützig sein - ein Großteil dessen, was man im weltlichen Leben tut, ist es doch auch. Warum sollte man auch darauf verzichten, sich magisch selbst Vorteile zu verschaffen oder Nachteile zu beseitigen, wenn man Gleiches rein weltlich auch ohne schlechtes Gewissen tun könnte? Alles, was weltlich mit dem Gewissen vereinbar ist, kann man auch magisch tun, ohne seiner Psyche damit zu schaden. Natürlich kann und darf man auch helfend und uneigennützig (ist Hilfe wirklich uneigennützig oder befriedigt sie nicht vornehmlich das eigene Ego?) tätig sein, aber nur ein ausgeglichener und zufriedener Magier ist auch ein erfolgreicher Magier - und wer kann schon ausgeglichen und zufrieden sein, wenn er sich selbst nichts gönnt? Und letztlich ist das eigentliche Ziel der Magie, die Weiterentwicklung des Selbst, doch wohl das Eigennützigste, was man sich vorstellen kann. |
| 2.4. Das Magiergesetz |
| "Tu was Du willst soll sein das ganze Gesetz." So formulierte es der berühmte Magier Aleister Crowley (1875 bis 1947) in seinem thelemitischen (von griech.: thelema, Wille) Gesetz. Und er hatte recht damit - nur ist es nicht ganz so simpel, wie es auf den ersten Blick scheint, und doch eigentlich ganz einfach. |
Der erste Satz des thelemitischen Gesetzes "Do what thou wilt, shall be the whole of the law." in Crowleys Handschrift |
| Um das anarchistische Magiergesetz wirklich zu verstehen, müßte man es allerdings etwas ausführlicher formulieren: "Tu was Du für richtig hältst, wenn Du die Konsequenzen Deines Vorhabens überdacht hast, die Verantwortung für Dein Tun zu tragen bereit bist und dies alles mit Deinem Gewissen vereinbaren kannst." Das klingt schon ganz anders, und im weiteren Verlauf wird noch deutlich werden, warum diese Ausformulierung ihre Gültigkeit hat. Obwohl die ausführliche Fassung eingeschränkter erscheint, sagt sie genau dasselbe aus, und sie bietet dennoch sehr viel Freiheit - mehr als manch einer vertragen kann. Das Magiergesetz versteht sich aber nicht als eine Art moraljuristisches Gesetz, sondern will vielmehr als ein Naturgesetz begriffen werden. Deshalb bleibt es moralisch neutral, denn Magie ist keine Religion, und ihre Lehre ist daher weder bemüht, ihre Anwender moralisch zu erziehen, noch den Magiern einen guten Ruf in der Gesellschaft zu verschaffen. Somit beschränkt sie sich auch auf das rein Funktionelle und läßt das Ethische aus dem Gesetz heraus. Dennoch erscheint die ausführliche Interpretation des Gesetzes bei aller Anarchie trotzdem noch ethisch geprägt, doch auch das hat rein logisch-funktionale Gründe, wie im Folgenden deutlich werden wird. Die Magie folgt ihren Gesetzen, die für den Magier Naturgesetze sind, und funktioniert, soweit man es heute zu erkennen in der Lage ist, rein logisch, auch wenn es oft nicht so scheint, weil man die Gesetze einfach noch nicht verstanden hat und die Denkmodelle deshalb unzureichend sind. Daher macht die Lehre auch keine Vorschriften über die Art der Verwendung, sondern weist lediglich auf Konsequenzen und mögliche Gefahren hin. In einem Physikbuch steht schließlich auch nur, daß elektrischer Strom gefährlich ist, nicht aber, daß man zum Beispiel seine Türklinke nicht unter Strom setzen soll. Es obliegt daher dem Magier selbst, darauf zu achten, daß er verantwortlich mit seiner Gabe umgeht. Die Magie schreibt ebensowenig moralische Verhaltensweisen vor wie die Physik. Diese muß sich der Anwender eines Naturgesetzes stets selbst definieren. Es wird oft behauptet, daß wer die Magie negativ ausnutzt, sein Gleichgewicht mit dem Universum durcheinanderbringt und irgendwann die Konsequenzen daraus ziehen muß. Rein wörtlich genommen, ist das "Gleichgewicht mit dem Universum" natürlich Unsinn, weil es eine Art "göttliche Ordnungsinstanz" impliziert, die nicht existiert. Der dahinterstehende Gedanke aber ist eine Metapher dafür, daß jede Handlung (auch nichtmagischer Art) den Magier selbst und dessen Umgebung beeinflußt, sowohl durch die Tat als solche, als auch durch die Motive und Gedanken dahinter und durch die Reaktion der Umwelt darauf. Insofern verändert sich ein "böser" (oder besser: rücksichtsloser) Magier natürlich schon innerlich, verhält sich deshalb auch anders, und selbstverständlich wird dann auch seine Umgebung, die das mitbekommt, anders auf ihn reagieren. Durch sein rücksichtsloses Auftreten und Handeln bringt er schließlich andere dazu, sich von ihm abzuwenden, möglicherweise begegnen sie ihm sogar aggressiv. Somit bekommt er schon irgendwann die Konsequenzen seines Tuns zu spüren, aber das ist keine "Rache des Universums" oder "schlechtes Karma", sondern schlicht und einfach eine logische Folge der Veränderung der Psyche und des Verhaltens eines Menschen durch das, was er denkt und tut, und die dadurch ausgelösten Reaktionen anderer ihm gegenüber. Vielgepredigt ist auch die sogenannte "dreifache Wiederkehr", eine Lehre, nach der alles, was man magisch tut, dreifach auf einen zurückfallen wird. Rein wörtlich betrachtet gaukelt dies eine dreifache Quantität vor, die natürlich absoluter Quatsch ist, dennoch wird es von vielen Verfechtern dieser Lehre genauso dargestellt, weil sie es selbst nicht verstanden haben. Eigentlich gemeint ist damit aber keine dreifache Quantität, sondern eher, daß das Echo eines Tuns in drei Schritten Spuren hinterläßt, nämlich erstens im eigenen Inneren, zweitens in der Umwelt und drittens bei der Reaktion der Umwelt gegenüber dem Magier. Das gilt jedoch nicht nur für "negative" Handlungen, denn ebenso ist es natürlich auch im umgekehrten Fall. Wer positiv auf andere zugeht, bekommt wahrscheinlich auch positive Echos. Das muß nicht immer so sein, denn durch Magie zu helfen kann trotzdem eine sehr einsame und auch undankbare Aufgabe sein, die von den Nichteingeweihten eben nicht honoriert oder sogar belächelt oder falsch verstanden wird. "Actio gleich reactio", formulierte es schon Sir Isaac Newton im 17. Jahrhundert richtig als zweites physikalisches Axiom, und das gilt nicht nur für die Physik. Wenn man etwas tut, löst man damit auch etwas aus, auf jede Handlung folgt eine Gegenreaktion. Dann trägt man die Verantwortung für die Resultate und muß mit den daraus resultierenden Konsequenzen leben. Mehr nicht, aber auch nicht weniger. Das Magiergesetz ist, richtig verstanden, insofern nur eine andere Formulierung von Newtons zweitem Axiom - einem anerkannten Naturgesetz. Jede Anwendung von Magie wird den Ausübenden und dessen Ziel entsprechend seines Bestrebens verändern, daher sollte man sich vorher überlegen, ob man die Verantwortung für sein Tun und die möglichen Konsequenzen zu tragen bereit ist und dies alles mit seinem Gewissen vereinbaren kann. Das ist der Sinn des Magiergesetzes, das sich ebenso auch auf jeden anderen Lebensbereich ausdehnen läßt. "Tu was Du willst" ist eben kein Freibrief für allerlei Untaten, denn das Wollen bezieht sich immer auch auf die Folgen eines Handelns, und welcher vernünftige Mensch will schon negative Konsequenzen bekommen? Freiheit bedeutet immer auch Verantwortung und Wachsamkeit, auch und gerade sich selbst gegenüber. Das ist der Grund, warum wahre Magier sich die meiste Zeit über ohnehin freiwillig an eine weitere Einschränkung halten, nämlich: "Tu was Du willst, solange es niemandem schadet." Dieser Zusatz, den übrigens auch die Hexen fest in ihrem Glaubenssystem verankert haben, schützt den Anwender vor sich selbst, indem es ihn negative Echos eben gar nicht erst auslösen läßt. Er bleibt dem Magier als mahnende Schwelle des Gewissens auch zum Selbstschutz im Gedächtnis haften. Für einen Magier ist es aber durchaus auch legitim, diesen Zusatz bewußt zu übertreten, das Magiergesetz wörtlich voll auszuschöpfen und absichtlich jemandem zu schaden, vorausgesetzt eben, daß er einen guten Grund dafür hat und aber dann auch in der Lage ist, die Verantwortung und Konsequenzen dafür zu tragen und mit seinem Tun und dem Echo leben zu können. Aber das wird, wie gesagt, bei einem vernünftigen Magier die Ausnahme bleiben, ebenso wie ein sogenannter magischer Krieg, über den später noch zu lesen sein wird, denn normalerweise hat ein Magier Besseres zu tun. Die Ausübung von Magie ist, wie alle Handlungen mit weitreichenden und nicht immer ungefährlichen Auswirkungen, etwas, mit dem nur ein moralisch und ethisch gefestigter Charakter verantwortlich umgehen kann und sollte. Das ist auch die Kernaussage des Magiergesetzes. Natürlich verbietet dies niemandem, Magie nach Belieben anzuwenden, doch sollte man durchaus nicht darüber erhaben sein, sich durch die moralische Sicherheit des Zusatzes "solange es niemandem schadet" auch selbst zu schützen - denn "niemandem" schließt auch den Anwender selbst mit ein. Natürlich darf man sich durch Magie auch persönliche Vorteile verschaffen. Das kann und darf man ja im weltlichen Leben auch tun. Aber um jemandem absichtlich zu schaden, sollte schon ein triftiger Grund vorliegen, so daß man es auch verantworten kann. Dasselbe gilt schließlich auch, wenn man einem anderen rein weltlich Schaden zufügt. Verbrechen wie Sachbeschädigung, Freiheitsberaubung, Körperverletzung, Vergewaltigung und sogar Mord sind Dinge, welche die meisten Menschen im Normalfall entweder deswegen nicht tun, weil es für sie ethisch nicht in Frage kommt oder weil sie die Konsequenzen durch die immer besser werdenden weltlichen Strafverfolger fürchten. Ein mit böser Absicht gegen einen Menschen gewirkter Zauber ist immer ein Angriff auf dessen Seele. Eine Manipulation soll diese versklaven, und ein Schadenszauber soll das Wohlbefinden beeinträchtigen. Auf magischer Ebene ist beispielsweise ein Liebeszauber nichts anderes als Freiheitsberaubung und Vergewaltigung auf weltlicher Ebene, ein Schadenszauber nichts anderes als Körperverletzung oder Sachbeschädigung und ein Todeszauber nichts anderes als ein heimtückischer Mord. Nur weil es keine "magische Polizei" gibt und weil einen Zauber "ja niemand sieht", fühlen sich etliche Möchtegern-Magier befleißigt und auch sehr sicher dabei, bedenkenlos allerlei Negatives auf ihre Mitmenschen loszulassen. Natürlich wird man auch so gut wie nie dabei "erwischt", doch daß man "einfach so davonkommt" ist ein Trugschluß. Auch ohne "karmisches Gesetz" oder "göttliche Ordnungsinstanz" bekommt man mit der Zeit die Quittung für sein Tun. Man muß sich nur einmal vor Augen halten, wie sich jemand nach und nach psychisch negativ verändert, der ständig Verbrechen begeht. Und auch auf magischer Ebene, bei "Verbrechen, die keiner sieht", ist das so, denn die Psyche macht keinen Unterschied zwischen Weltlichem und Geistigem - zumal der Magier Gewolltes ja als real ansehen muß, damit sein Wirken funktioniert. Insofern bestraft man sich durch die psychologischen Wirkmechanismen im Grunde selbst, denn entweder verroht die Psyche mit der Zeit, was sich im Eigenempfinden, der Wirkung auf andere und deren Reaktionen niederschlägt, oder es werden Schuldgefühle erzeugt, die ebenfalls die Lebensqualität stark beeinträchtigen und dem Magier zudem Blockaden verschaffen können. Wer von seiner Ethik her keine weltlichen Verbrechen begehen will, sollte daher auch von magischen Verbrechen Abstand nehmen, denn ethisch wie auch psychisch gibt es hier keinen Unterschied. Ausnahmen sind - je nach persönlicher Ethik - zwar möglich, bedürfen aber einer begründeten Rechtfertigung, damit man sie unbeschadet vor sich selbst verantworten kann. Wer man ist, zeigt sich darin, was man tut. Wer die Verantwortung für sich selbst und sein Tun nicht wirklich in die eigene Hand nehmen kann oder mag oder seine Aggressionen und dunklen Tendenzen nicht zu zügeln in der Lage ist, der sollte sich überlegen, ob es nicht richtiger wäre, zunächst an sich selbst zu arbeiten, bevor man sich der (magischen) Arbeit an anderen zuwendet, sonst richtet man nur Schaden an - auch und gerade bei sich selbst. |
| 2.5. Schadenszauber und Flüche |
| Aggressive Magie ist alles, was anderen schadet oder sie manipuliert und was auf sie gegen ihren Willen und ohne ihr Wissen gewirkt wird. Deshalb lehnen Magier mit nichtaggressiver Ethik solche Dinge ab, gerade auch deshalb, weil diese Form der Magieanwendung auch negative Auswirkungen auf den Magier selbst haben kann. Diese Art von Magie wird gezielt zum Schaden eines Menschen eingesetzt. Wenn man jemandem ein Unglück, irgendetwas Negatives oder eine Beeinflussung gegen seinen Willen angedeihen läßt so ist das ein Schadenszauber. Wenn plötzlich alles in die Brüche geht, was jemand anfaßt, so kann dies die Auswirkung eines solchen Fluches sein. Die Kunst der Fluchverhängung spielte früher eine wichtige Rolle bei kriegerischen Auseinandersetzungen mit feindlich gesonnenen Gemeinschaften, führte andererseits aber dazu, daß Magier oder Hexen auch in ihrer eigenen Gemeinschaft immer gefürchtet blieben, was sie stets anfällig für Verfolgung machte. Ein Schadenszauber muß einem Menschen nicht zwangsläufig direkt körperliche Schmerzen, physische Verletzungen, Krankheiten oder den Tod bereiten, sondern wirkt sich eher auf sein Handeln oder sein "Schicksal" aus. Aber auch das Erstgenannte ist möglich, jedoch schwierig, und ich werde aus ethischen Gründen hier sicher keinen detaillierten Lehrgang darüber abhalten. Ganz wichtig dabei ist, daß das Opfer an diesen Fluch glaubt - aber der Vorteil ist, daß es genügt, wenn das Unterbewußtsein des Opfers vom Fluch Kenntnis erlangt und an ihn glaubt, denn das Unterbewußtsein kann man über Magie (Telepathie) erreichen, auch ohne daß das Opfer davon etwas bewußt mitbekommt. Ganz fiese Naturen setzen das Opfer über ihren Fluch auch noch wirklich in Kenntnis, denn das Bewußtsein kann die Erfüllung eines Fluches noch weiter unterstützen, auch und gerade wenn es sich dagegen wehrt. Doch dann sieht man sich als Magier eventuell auch der Gefahr eines Gegenangriffs oder Rache ausgesetzt. Diese Zauber eignen sich besonders dazu, einer ungeliebten Person einen Denkzettel zukommen zu lassen, wobei man immer bedenken sollte, daß das, was man tut, irgendwie auch Auswirkungen auf einen selbst haben kann und man dafür verantwortlich ist, was man tut. Ein Schadenszauber kann aber auch in den meisten Fällen eine persönliche Konfrontation mit den betreffenden Personen beziehungsweise den eigenen Einsatz in einer Sache nicht ersetzen. Magie kann jedoch dazu dienen, sich einen kleinen Vorteil zu verschaffen oder eine ansonsten aussichtslose Sache doch noch zu positivem Ausgang zu bringen. Falls es doch mal um eine Person geht, so ist es besser, den Zauber entweder allgemein zu formulieren oder ihn so zu formulieren, daß er auf einen selbst wirkt. Bei sich selbst ist die Akzeptanz für die Wirkung größer als beim sich dagegen wehrenden Gegner. So ist es meist erfolgreicher, sich selbst zu stärken, als den Gegner zu schwächen, und dennoch gelangt man zum gewünschten Ergebnis. Die Wirkungsweisen und -techniken von Flüchen sind übrigens dieselben wie die von Segen oder helfenden Zaubern. Der Inhalt mag ein anderer sein, aber ihre Wirkmechanismen im Unterbewußtsein des Betroffenen sind gleich. |
| 2.6. Liebeszauber |
| Liebeszauber zählen zu den am häufigsten nachgefragten Zaubern bei allen Magiern, Hexen und Wundertätern, und die meisten durchgängig seit dem Mittelalter bis heute in "Zauberbüchern" wiedergegebenen Rituale drehen sich um dieses Thema. Das ist auch kein Wunder, denn nichts motiviert mehr, als eine unerwiderte Liebe, und kaum jemand, der sich nicht schon einmal die eine oder andere Erfüllung in dieser Richtung gewünscht hätte. Das liegt daran, daß alle Menschen Liebe brauchen. Ohne sie ist das Leben leer und elend. Nachdem seine grundlegenden Überlebensbedürfnisse erfüllt worden sind, verlangt es den Menschen nach Zuneigung und Freundschaft. Wird diese nicht von selbst erlangt, so versuchen einige sie zu erzwingen. Und nichts kann so schmerzhaft sein, wie jemanden zu lieben, ohne selbst von dieser Person geliebt zu werden. Infolgedessen ist der Liebeszauber auch der wohl am häufigsten verlangte und auch gewirkte Zauber. Scharlatane, von "ciarlatano" (ital.: Gaukler, Schwindler), machen aus diesem Bedürfnis ein Millionengeschäft. Ein Liebeszauber soll dergestalt auf einen anderen Menschen einwirken, daß dieser sich zum Urheber des Zaubers (oder zu dessen Klienten) hingezogen fühlt, sich im Idealfall in diesen verliebt, und diesem sexuell gefällig ist. Es handelt sich also um eine Beeinflussung des Geistes (genauer: des freien Willen) eines anderen Menschen. Deshalb gehören Liebeszauber in den Bereich der aggressiven, manipulatorischen, negativ wirkenden (laienhaft ausgedrückt: schwarzen) Magie. Viele sogenannte Liebeszauber sind in Wirklichkeit eigentlich Zauber für sexuellen Besitz, d.h. das Opfer soll dem Nutznießer des Zaubers gegenüber sexuell willig gemacht werden. Nicht, daß dies überraschend wäre, denn Sex gehört auch zu den grundlegenden Bedürfnissen, und oft verlangt es den Anwendern dieser Zauber eher nach körperlicher als nach seelischer Liebe in Hinblick auf eine bestimmte Person. Aber auch für sexuelle Zauber können dieselben ethischen Standards angewendet werden, wie für die Liebeszauber. Mal ganz abgesehen von Moral und Ethik, ein Liebeszauber hat nichts mit echter Liebe zu tun. Wahre Liebe entsteht natürlich, und sie erfreut sich selbstlos an der Existenz des Anderen, sie ist frei von Besitzdenken und gegenseitigen Ansprüchen. Verliebtheit, unerwiderte Liebe und Liebeskummer sind seelisch schmerzhafte und auch meist unerträgliche Zustände starker emotionaler Verwirrung, in denen dem Betroffenen Ethik und Moral meist nicht mehr so viel gelten wie die Wunscherfüllung, die dann häufig recht wenig Rücksicht auf die Belange des Partners nimmt. Häufig wird dann blind nach einem scheinbaren Ausweg gesucht, und der scheint dann für nicht wenige der Liebeszauber zu sein. Oft werden Liebeszauber damit zu rechtfertigen versucht, daß Liebe doch eine gute Sache sei. Das ist sie ja auch - aber eben die auf natürliche Weise entstandene Liebe. Ein Liebeszauber würde jedoch den freien Willen einer Person beeinflussen und ihr einen fremden Willen aufzwingen. Ein solcher Zauber bringt einen Menschen vielleicht zu Handlungen, die er selbst niemals freiwillig tun würde, und zu Gefühlen, die niemals von allein in ihm entstehen würden. Auch im Namen einer "guten Sache" wie der Liebe, ist das eine Manipulation gegen den freien Willen und daher sehr negativ zu betrachten. Deshalb wäre ein Liebeszauber streng genommen nicht nur ein Fluch, sondern sogar ein Verbrechen (auch wenn es gesetzlich nicht strafbar ist, aber eben ein moralisches Vergehen). Und das ist jeder Zauber, der auf eine Person gegen deren Willen oder ohne deren Wissen gewirkt wird. Die langfristigen psychischen Auswirkungen von Liebeszaubern beziehungsweise sexueller Zauber auf den Nutznießer entsprechen im Grunde denen der Verbrechen Freiheitsberaubung und sexueller Nötigung/Vergewaltigung auf weltlicher Ebene. Ein Liebeszauber mag zwar den Geist des Opfers manipulieren, aber er kann keine echten Gefühle und schon gar keine echte Liebe hervorrufen. Eine aus einem Liebeszauber entstandene Beziehung ist deshalb nur eine Lüge, ein Schauspiel, inszeniert vom Magier, aber niemals entsteht daraus eine echte, innige Beziehung. Eines der wichtigsten Dinge in der Liebe ist schließlich die seelische Übereinstimmung, und sich die Seele des anderen durch Magie "zurechtzubiegen" ist wahrhaft kein Zeichen aufrichtiger Liebe des Anwenders. Oftmals ist eine Beziehung auch gar nicht das Ziel eines Liebeszaubers, sondern er wird rein aus dem Motiv des körperlichen Begehrens heraus gewirkt, aus egoistischem Verlangen, bei denen sich der Magier oder Auftraggeber über die Rechte und den freien Willen des Opfers einfach hinwegsetzt. Ein Liebeszauber nimmt dem Opfer seinen freien Willen und damit seine Freiheit. Sexuelle Zauber sind damit vergleichbar, ein Opfer mit Drogen willenlos zu machen und dann sexuell zu mißbrauchen. Letztlich schaden solche Dinge also der eigenen Psyche, ebenso wie sich die eines weltlichen Verbrechers durch solche Taten negativ verändern würde. Selbst wenn man den moralisch-ethischen Aspekt beiseite lassen und die psychische Eigenveränderung hinnehmen würde, wozu viele in solchen Ausnahmesituationen ja auch bereit sind, sollte man sich folgende Fragen stellen: Will man wirklich, daß der andere nur deshalb mit einem zusammen ist, weil sein freier Wille einem Zauber unterliegt? Oder möchte man nicht lieber um seiner selbst willen auf ehrliche, freiwillige und natürliche Weise geliebt werden oder, wenn es so nicht sein soll, nicht lieber auf eine Beziehung verzichten, die gar nicht echt ist? Wie wäre es wohl, selbst das Opfer eines Liebeszaubers von jemandem zu sein, den man selbst ablehnt? Im Grunde ist das Opfer eines solchen Zaubers nur eine willenlose "Hülle", die sich zwar zu einem hingezogen fühlt, aber nicht einmal weiß warum. Im Unbewußten wird das Opfer daher psychisch unter diesem inneren Widerspruch leiden und niemals wirklich glücklich sein. Und das bekommen beide Partner durch einen Liebeszauber auch immer und immer wieder zu spüren. Darüberhinaus manipuliert ein Liebeszauber häufig genug auch seinen Nutznießer. Im schlimmsten Fall ist das Opfer durch einen starken Willen oder einen Zauber so gut geschützt, daß der Zauber auf seinen Urheber zurückfällt, der fortan dem Opfer völlig verfallen sein wird. Aber auch wenn das nicht passiert, hat der Liebeszauber dennoch häufig genug Auswirkungen auf den Nutznießer, der ihn schließlich in einem (echten oder sich selbst eingeredeten) Gefühl von Liebe wirkt, welches der Zauber natürlich als Träger dieses Willens ebenfalls aufgreift und auch im Anwender verstärkt. Das kann zur Folge haben, daß solche künstlichen Beziehungen richtig lange halten, selbst wenn die Partnerschaft schon lange nicht mehr wünschenswert ist, auch seitens des Nutznießers nicht mehr. Daraus resultiert dann eine ziemlich schlimme Beziehung, in der auch der Nutznießer todunglücklich ist, doch - selbst verzaubert - unfähig und nicht willens ist, den Zauber aufzuheben oder einen Gegenzauber zu wirken. Die Beziehung einfach zu lösen, funktioniert auch nicht, da man meist nicht dazu fähig ist, oder aber der noch immer verzauberte Partner wie wahnsinnig klammert und man ihn nicht mehr los wird. Es kann eine absolute Abhängigkeit voneinander (und von diesem Zauber) entstehen, egal wie schlecht diese Beziehung auch sein mag. Bemerkt man, daß man die andere Person doch nicht mehr liebt, weil sie nicht das ist, was man sich von ihr erhofft hat, oder man sich anderweitig verlieben sollte, ist das wahrhaftig keine schöne Situation. Es kann auch passieren, daß man sich trennt, mal vom einen, mal vom anderen ausgehend, dann aber durch die Macht des Zaubers immer wieder zusammenkommt, und das Spiel wieder von vorn losgeht. Ebenfalls häufig passiert es, daß eine durch Magie zustande gekommene Beziehung erst ein paar Monate gutgeht, es dann einen riesigen Knall gibt, dem eine Trennung folgt, und es entwickelt sich Haß. Dennoch kommt man gegenseitig nicht mehr voneinander los, weil kein wirklicher Schlußstrich gezogen werden kann, und ein langer, schmerzvoller Leidensweg beginnt. Liebeszauber sind eine Selbsttäuschung für Kurzsichtige, denn langfristig schaffen sie nur noch mehr Leid und Schmerz. Bevor es also Anfragen hagelt: Nein, ich wirke keine Liebeszauber, weder für mich, noch für meine Freunde, noch für sonstwen, und auch nicht für Geld. Es erwächst nämlich nichts Gutes daraus - und ein solcher Zauber muß zudem aufrechterhalten, also permanent mit Energie versorgt werden, was recht anstrengend ist, sonst kommt nämlich eines Tages das böse Erwachen. Deshalb werde ich an dieser Stelle auch nicht erklären, wie man so etwas durchführt. Und auch jene, die "von selbst darauf kommen", weil sie als Magier den richtigen Weg spüren, kann ich nur warnen, so etwas nicht zu tun. Jeder ist seinem eigenen Gewissen verantwortlich und wird dadurch beeinflußt, was er tut. Aber ich empfehle jenen, die auf der Suche nach Liebe sind oder eine bestehende Beziehung retten wollen, etwas viel Besseres und auch Wirksameres: den indirekten Liebeszauber. Dieser wirkt nicht auf eine andere Person, sondern auf den Suchenden selbst. Natürlich ist ein indirekter Liebeszauber auch eine Manipulation, aber auf sich selbst, und daher ist man damit einverstanden. Er verbessert ganz einfach das Selbstbewußtsein, das Auftreten, die Ausstrahlung und damit auch die Attraktivität. Das eigentliche Ziel des Zaubers ist es aber nicht, dauerhaft "magisch" attraktiv zu wirken, denn auch das muß man aufrecht erhalten. Nein, Ziel ist es vielmehr, daß man das für kurze Zeit tut, um daraus zu lernen - zu lernen, wie es ist, wie es sich anfühlt, attraktiver zu sein oder sich so zu geben. Wenn man das verstanden und verinnerlicht hat, kann man es ins wahre Leben zumindest ein gutes Stück weit übernehmen und sich selbst auf natürliche Weise ändern und verbessern. So wird man auch in Liebesdingen erfolgreicher sein, mit dem Ergebnis, daß sich vielleicht dadurch ganz von selbst der gewünschte Erfolg einstellt, weil man beim anderen nun in einem neuen Licht erscheint, wenn man es wirklich will. Dieser Erfolg muß sich nicht einmal unbedingt beim angestrebten Partner zeigen, aber die Welt ist ja voller Alternativen. Der indirekte Liebeszauber funktioniert wie jeder andere Zauber auch durch magische Trance, Willen und Visualisierung. Die praktische Ausgestaltung sollte man - wie bei jedem Zauber - selbst entwickeln, damit er auch auf einen persönlich zugeschnitten ist. Ob er kurzzeitig, länger oder sogar dauerhaft wirkt, liegt dann daran, was man will. Allerdings muß der Zauber aufrecht erhalten, d.h. weiter mit Energie versorgt werden, so lange er wirken soll. Das geschieht zwar mehr oder weniger unbewußt, kostet aber auf Dauer eine Menge Kraft, also nicht übertreiben. Der wichtige Unterschied zu einem Liebeszauber ist aber, daß es ein positiv wirkender Zauber ist, mit dem das Ziel (man selbst) einverstanden ist, keine Beeinflussung einer dritten Person ohne deren Zustimmung, und das ist für die Psychen des Magiers und auch für die des Ziels (falls nicht identisch) und auch für die des angestrebten Partners ein ganz wichtiger Unterschied - auch für sein Gewissen. Die Magie dient hier als Lernhilfe, nicht als manipulatorisches Werkzeug. Es ist eine kleine Stütze auf dem Weg eines Magiers, dessen ständiges Ziel die Verbesserung (Transformation) des Selbst ist. Zumindest für den, der das Wesen der Magie verstanden hat... Aber wenn jemand sein Herz nun mal bereits an eine ganz bestimmte Person verloren hat, und diese Liebe nicht erwidert wird, so gibt es auch für diese schmerzhafte Konstellation den richtigen Zauber, nämlich jenen, der nur auf den verzweifelten Liebenden wirkt, ihm hilft, loszulassen, und der bei ihm genau diese Schmerzen unterbindet - zugegeben, keine leicht zu erreichende und vielleicht auch nicht so befriedigende Lösung, aber wenigstens ein ohne Konflikt gangbarer Weg. |
| 2.7. Verantwortung |
| Mit wachsender Möglichkeit der Beeinflussung wächst natürlich auch die Verantwortung gegenüber Mitmenschen, gegenüber Kultur und Natur. Man kann seinen Weg frei wählen, aber Freiheit wird oft nur mit Verantwortungslosigkeit verwechselt. Freiheit bedeutet immer auch Wachsamkeit, und sie macht eine Menge Arbeit. Bei Mißachtung dieser Verantwortung neigt der Erfolgsmagier dazu, schließlich nur noch Eigentore zu schießen, der Wanderer auf seinem Pfad kann diesen leicht wieder verlieren. Ein Problem, das oft entsteht, wenn jemand seinen Weg kraftvoll geht, ist, daß er leicht Nachahmer findet, was natürlich Unfug ist, da jeder Mensch einen eigenen charakteristischen Weg hat. Und sicher ist es auch eine der Fallen für Magier, sich von einer wachsenden Anhängerschaft geschmeichelt zu fühlen. Das Gegenteil sollte der Fall sein, und aus der Lehre eines guten Meisters gehen nicht gute Schüler, sondern eigene Meister hervor. |
| 2.8. Magie und Esoterik - ein gewaltiger Unterschied |
| Ernsthafte Magier sind keine Esoteriker. Obwohl beide Gebiete für den Laien eng beieinander zu liegen scheinen, handelt es sich doch um völlig verschiedene Dinge. Als Magier distanziere ich mich scharf von der Esoterik, und ich möchte auch erklären, warum. Heute, da schon die Kinder lernen, daß die Wissenschaft allem anderen überlegen sei, kommen kulturelle Aspekte des Lebens wie Kunst oder gar Magie oft zu kurz. Eine zunehmend technikorientierte Gesellschaft wird zum Wegbereiter für einen Menschentypus, der Phantasie, Vorstellungskraft und Vision in den Hintergrund seines beruflichen Karriereweges stellt und aus seiner persönlichen Entwicklung verbannt. Die Nachteile einer solchen Weltsicht sind vielfältig. Ein wesentlicher Aspekt ist beispielsweise, daß Wissenschaft alleine keine moralischen Antworten geben kann. Doch bei allen moralischen Diskussionen werden nur die Wissenschaft und die Religion beachtet, die Kunst wird außen vor gelassen, obwohl die Lektüre eines guten Buches doch sehr wohl moralisch sensibilisieren kann. Über Magie wird aber überhaupt nicht gesprochen und wenn, dann nur in Begriffen von Aberglaube und Spinnerei. Damit wird Magie zu so etwas wie einer "verleugneten Grube auf dem Weg" gemacht, womit schlichtweg die Chance erhöht wird, daß Menschen in diese magischen (eigentlich psychologischen) Gruben hineinfallen. Religion und Wissenschaft versperren mit ihren Dogmen den Blick auf das eigene Innere und machen somit diese Fallen unsichtbar - um so hilfloser ist man, wenn man hineingerät. Mit der Neuzeit entstanden dann Unternehmungen, um aus den magischen "Unfallstätten" anderer Profit zu schlagen. Die neu entstandene Branche gab sich den Namen "Esoterik", und fortan war es nicht nur genug, daß man in eine solche Grube fiel, sondern man wurde auch noch von den geschäftstüchtigen Esoterikern mannigfaltig beraten, wie man in Zukunft solche Grubenunglücke vermeiden könne oder wieso man überhaupt in diese mißliche Lage hatte kommen können. Die Esoteriker nannten ihre Dienstleistungen bald "Lebenshilfe". Es gibt drei Disziplinen von "Lebenshilfe", einmal die Lehre des "Du bist entweder selbst schuld, in die Grube gefallen zu sein, oder es ist die Schuld Deiner Familie, ob sie nun noch lebt oder nicht" (hierbei tauchen häufig Begriffe wie "Karma" und "Reinkarnation" auf), zweitens die Lehre "Es sind andere schuld, wahrscheinlich Dämonen oder andere Menschen" (vor denen man sich natürlich unbedingt schützen muß, schließlich wollen einem alle nur Böses), und drittens die Samariter, die ambulant mittels Pendel, Edelsteinen, diversen Diäten, Symbolen und anderen positiv-energetischen "Licht-und-Liebe"-Eingriffen aktiv und praktisch Erste Hilfe feilbieten. Diese sogenannten "Möchtegern- und Geschäftsesoteriker" sind Feinde alles Einfachen und Klaren. Im eigenen Lager wird das Ansehen von Magie, Esoterik und Okkultismus damit am meisten untergraben. Unverständnis, Mystizismus und Oberflächlichkeit sind die Hauptübel. Dem unbedarften Neuling und Suchenden wird alles vorgesetzt, und die Profite sind um so größer, je komplizierter ein im Grunde genommen ganz einfaches Problem dargestellt und je mehr das Natürliche in geheimnisvollem, schwerverständlichem Mystizismus präsentiert wird. Nun wird es auch von Esoterikern selbst nicht bestritten, daß Esoterik für sie ein reines Geschäft ist, und sie ihre Angebote nach rein marktorientierten wirtschaftlichen Gesichtspunkten richten. Allenfalls wehrt man sich, wenn jemand äußert, solche Leistungen sollten eigentlich kostenlos sein. Denn das sind sie nicht, auch wenn hier und da eine "Warenprobe" von Esoterikern kostenlos abgegeben wird. Das Geschäft der Esoteriker blüht nicht zuletzt deshalb, weil die Gesellschaft auf dem Auge der Magie blind geworden ist. Menschen, die ohne die Möglichkeit aufwachsen, sich magisch zu bilden, werden genau jene Erfahrungen machen, die sie zu Problemen führt, welche sie aufgrund ihrer "magischen Blindheit" nicht selbst lösen können und die sie über kurz oder lang zu zahlender Kundschaft der Esoteriker macht. Daher erscheint es auch wenig erstaunlich, daß gerade die Esoterik ein so vehementer Verfechter der Wissenschaften ist. Magier vertreten die wissenschaftliche Seite zwar ebenfalls, versuchen damit aber, die tiefenpsychologischen Aspekte der Magie zu erklären, während Esoteriker lediglich mit pseudowissenschaftlichen Ansätzen ihr Tun eher verschleiern und die Wissenschaft befürworten, um noch mehr "Blinde" zu schaffen. Je technokratischer und (scheinbar) vernünftiger die Gesellschaft wird, desto mehr magische Fallgruben entstehen auf den Lebenswegen ihrer Mitglieder, die eigentlich meist psychologischer Natur sind. Die Zunahme solcher Fallen kommt einer direkten Expansion des Marktpotentials der Esoterik gleich. In neuerer Zeit versucht sich eine äußerst dreiste Art von Esoterikern am Markt zu etablieren, die sich nicht mehr mit den durch gesellschaftliche Defizite entstandenen Gruben zufrieden geben wollen, sondern auf die Idee gekommen zu sein scheinen, entweder solche profitablen Einnahmequellen selbst zu installieren oder Menschen aktiv und aggressiv in bekannte Fallgruben zu werfen, um sie direkt ausbeuten zu können. Diese Fälle sind schon deshalb so perfide, weil dieses menschenverachtende und zynische Vorgehen die Betroffenen völlig unvorbereitet trifft und sie sich deshalb kaum wehren können. Oftmals wird dieses Vorgehen zusätzlich noch religiös verbrämt, und die meisten modernen Sekten (auch und gerade die großen) arbeiten damit. Mittlerweile haben sich einige ehemalige "Kunden" dieser Gruppen selbständig gemacht und ziehen marodierend durch die Esoterik-Szene. Man erkennt sie sofort an ihrer rücksichtslos traumatisierenden Art, mit der sie wie ein Ankläger auf angeblich nicht aufgearbeitete psychische Probleme hinweisen. Ihre wahre Absicht ist es aber, im Prozeß des angeblichen Aufarbeitens solcher vermuteten Probleme genau diese zu installieren. Auch wenn der erste Schritt kostenlos war, so ist danach - wenn überhaupt jemand - dann nur der Esoteriker im alleinigen Besitz des Gegengiftes für das von ihm selbst verabreichte Gift. Gerade in den Esoterikkreisen wimmelt es nur so von schwarzen Schafen: Menschen die für sehr viel Geld alles mögliche Unbrauchbare (Kupferpyramiden, Magnetarmbänder, "energetisiertes" Wasser und ähnlichen Schwachsinn) anbieten. Viele haben extrem erhöhte Preise, oder erstatten Zahlungen auch bei fristgemäßer Stornierung nicht zurück. Einige ziehen absichtlich Ausbildungen unnötig in die Länge, um dadurch eine Abhängigkeit ihrer Schüler zu schaffen, die so weit gehen kann, daß ein Arbeitgeber erst sein Orakel befragen mußte, ob sein Angestellter bleiben kann oder gekündigt werden muß. Der Inhalt dieses Kapitels wird einen gestandenen Magier nicht weiter überrascht haben. Wahre Magier zählen daher nicht zu den Kunden der Esoteriker. Sie sind auch selbst keine Esoteriker, sondern Magier, und das ist eben etwas völlig anderes. Magier betreiben Magie nicht aufgrund wirtschaftlicher Interessen, denn ernsthaft ginge das auch gar nicht. Magie ist eine Kunst, die der Fortentwicklung des Selbst dient und nicht dem Gelderwerb. Gerade weil die meisten Esoteriker behaupten, Magie zu benutzen und sogar mehr oder weniger aggressiv damit werben, wollen ernsthafte Magier nicht mit Esoterikern in einen Topf geworfen werden. Magier verkaufen keine pseudowissenschaftliche Mystik, sondern setzen sich ernsthaft mit den als "Magie" bezeichneten Techniken, auf die menschliche Tiefenpsyche einzuwirken, auseinander. Nicht, um damit Geld zu verdienen, sondern um sich selbst weiterzuentwickeln, sich ihren Lebensweg zu ebnen und - vielleicht - auch mal dem einen oder anderen Freund zu helfen. Daher distanzieren sich Magier auch scharf und ganz eindeutig von den Praktiken und Denkweisen der Esoteriker. Schaut man sich einmal um, egal ob in der Umgebung oder im Buchhandel oder Internet, so ist es erschreckend, wieviele Esoteriker man antrifft (und wieviele von denen auch wirklichen Mist verzapfen) und wie wenige Menschen, die sich ernsthaft mit Magie beschäftigen und sich bemühen, ihr Wissen und ihre Erkenntnisse in verständlicher Form weiterzugeben - auch ohne Profit. |
| 3. Der Magier |
| 3.1. Wie sieht ein Magier aus? |
| Viele Menschen haben die Vorstellung, daß ein Magier eine mit magischen Symbolen bestickte Robe und einen spitzen Hut oder einen dunklen Umhang mit riesigem Kragen trägt, einen Zauberstab mit seltsamen Applikationen daran in der Hand hält, hoch droben in einem einsamen Turm wohnt, eine Hakennase und schmale Lippen hat, immer finster dreinschaut, ständig geheimnisvolles Zeug murmelt oder heimtückisch kichert und stets in einer Rauchwolke erscheint oder verschwindet, anstatt Türen zu benutzen, und selbstverständlich einen Pakt mit dem Teufel, Dämonen oder anderen bösen Mächten geschlossen hat. Das ist natürlich alles Unsinn. Warum sollten Magier anders aussehen als jeder andere Mensch auch? Äußerlich unterscheiden sie sich generell überhaupt nicht vom Rest der Menschheit. Allenfalls durch dezente Zeichen, wie ein getragenes Pentagramm, geben sich manche zu erkennen, doch solche Zeichen werden auch von anderen Leuten getragen, die mit wahrer Magie nichts zu tun haben. Natürlich gibt es auch Ausnahmen unter den Magiern, die sich tatsächlich aufdonnern und sich mit allerlei "magischem" Krimskrams behängen, wie Ringen, Kristallen, Amuletten, besondere Kleidung, etc., um damit ihre "esoterische" Wichtigkeit meinen unterstreichen zu müssen. Dadurch sind sie aber noch lange keine Magier oder "Esoteriker". Esoterik bedeutet "von innen kommend". Alle äußeren "magischen" Attribute haben einen exoterischen Charakter, und solange jemand Magie im Äußeren sucht, steht er noch auf der untersten, exoterischen Stufe des Weges. Bei auf solche Weise aufgemachten Magiern scheint entweder der Mangel an Selbstwert größer zu sein als ihr Können oder aber sie tun es aus kommerziellen Werbezwecken oder aus Geltungssucht heraus, und solch ein Verhalten hat nichts mit Spiritualität zu tun. Wer am meisten wie ein Klischee-Magier aussieht, ist wahrscheinlich auch am weitesten von der Magie entfernt und mit ziemlicher Sicherheit sogar ein Scharlatan. Ein wahrer Magier hat es nämlich nicht nötig, sich so herauszuputzen, da für ihn solche Dinge gar nicht wichtig sind. |
| 3.2. Woran erkennt man einen Magier? |
| Es ist schwierig, Magier so ohne weiteres zu erkennen, denn gewöhnlich gehen diese nicht mit ihrer Gabe hausieren. Ein Magier unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Menschen durch seine "inneren" Qualitäten, wie Zentriertheit, Gelassenheit, spirituelle Erkenntnis und Bewußtheit seines Weges. Während der Nichtmagier sich gewöhnlich meist mehr oder weniger murrend in sein Schicksal fügt, sucht und findet der Magier Mittel und Wege, sein Schicksal zu lenken, Probleme zu lösen und auch Niederlagen in Siege umzuwandeln. Manche, nicht alle, entscheiden sich dafür, anderen Menschen mit ihren Fähigkeiten zu helfen und machen entsprechend Werbung. An ihrem Erfolg zeigt sich, wie gut sie sind, und sicherlich gibt es weitaus mehr Scharlatane als echte Magier. Andere Magier benutzen diese Kraft, um ihren eigenen Weg zu gehen und verhalten sich dabei eher unauffällig. |
| 3.3. Was macht ein Magier? |
| Auf Dauer ist es wirklich zu anstrengend, ständig finster dreinzuschauen, geheimnisvolles Zeug zu murmeln, heimtückisch zu kichern, täglich Leute zu verfluchen, zu verwandeln oder zu verzaubern, den Teufel zu verehren, in blutigen Ritualen Jungfrauen zu opfern, sich mit soeben beschworenen Dämonen herumzuärgern und gleichzeitig noch daran zu werkeln, die Weltherrschaft an sich zu reißen. Deshalb tun Magier auch ganz andere Dinge, als Volksmeinung und Boulevardpresse es ihnen nachsagen. Ein Magier in der heutigen Zeit übt genauso normale Berufe aus wie jeder andere auch. Daher hat er auch einen ganz gewöhnlichen Tagesablauf. Nur hat er einfach eine andere Einstellung zur Natur, zum Universum, zu seinem Unterbewußtsein und dessen Kräften, und er achtet deshalb mehr auf diese. Ab und zu benutzt er seine Kräfte auch, um Erkenntnisse zu erlangen oder etwas zu bewirken. Aber mit den typischen Klischeevorstellungen hat magisches Arbeiten nichts zu tun. Ganz allgemein ausgedrückt ist ein Magier ein Mensch, der eine entschiedene Anstrengung unternimmt, um aus sich selbst heraus eine tatsächlich funktionierende Beziehung zwischen seinem Inneren und seiner äußeren Realität herzustellen, weil er nicht damit zufrieden ist, nur eine Marionette im großen Spiel zu sein, sondern auf eigenes Risiko mitspielen will. Magier streben zwar nach Macht, doch dieser Begriff bedarf einer Erklärung, weil er in Bezug auf Magier sehr oft mißverstanden wird (manchmal auch von ihnen selbst). Das Wort "Macht" stammte schon in altgermanischer Zeit von der persischen Wurzel "magh" (können, vermögen) ab. Später entwickelten sich daraus über das mittelhochdeutsche "müg(e)lichkeit" auch die Wörter "Möglichkeit" und "Vermögen" im Sinne von "Fähigkeit, Kraft, Zeugungskraft, Mittel, Geld und Besitz". Magische Macht bedeutet magisches Können, das Vermögen, magisch zu wirken, und natürlich wollen Magier diese Macht erlangen und steigern. Magische Macht bedeutet für den ernsthaften Magier aber in erster Linie die Macht über das eigene Schicksal zu erlangen. Anstatt ständig fremdbestimmt als Opfer durchs Leben zu wandeln, will er dieses Leben in die eigenen Hände nehmen, eigenverantwortlich und frei, nur den eigenen und bestimmten gesellschaftlichen und staatlichen Gesetzen gehorchend. Außerdem ist der Spruch "Wissen ist Macht" für den Magier sehr zutreffend, denn ein großer Teil der angestrebten Macht sind Wissen und Erkenntnis. Die Macht in Form von Herrschaft über andere Menschen, wie der Begriff assoziieren mag, kann zwar damit inbegriffen sein, ist für die meisten Magier allerdings nachrangig und auch negativ belegt. Obwohl es immer wieder Magier gibt, denen es vornehmlich um diese Form der Machtausübung geht, betrachten sie die meisten lediglich als nützliche und ab und zu auch benutzte, zumeist aber nicht notwendige Möglichkeit, sich zu wehren, Hindernisse zu beseitigen oder materielle Ziele zu verwirklichen. Es gibt unendlich viele Arten, Magier oder etwas ähnliches sein zu können und diesen Weg zu gehen, jeder auf seine Weise, so wie es auch die unterschiedlichsten Arten gibt, Magie zu betrachten und auszuüben. Nur eines haben wohl alle gemeinsam: sie arbeiten mit Magie und haben eine Wahrnehmung, die über die normalen Sinne hinausgeht. Was sie dann damit anstellen, kann aber wieder vollkommen unterschiedlich sein. Magie ist etwas sehr Individuelles, und so wirkt jeder Magiebegabte auf seine eigene, ganz persönliche Art und Weise. Grobe Richtungen lassen sich in Begriffe gruppieren, so zum Beispiel Magier, Hexen, Druiden, Schamanen, Priester etc., aber auch innerhalb einer solchen Gruppe gibt es zwischen ihren Vertretern große Unterschiede. Und jeder von ihnen ist einzigartig, denn die Begabungen und Interessen sind nun einmal verschieden. Deshalb macht der eine Magieanwender auch noch lange nicht dasselbe wie ein anderer. Jeder Magier lebt im Grunde seine ureigene individuelle Version dieser Weltanschauung. Für manche ist es eine Zaubertechnik, für andere eine Lebensphilosophie und für wieder andere eine Religion. Manche glauben an Götter, andere nicht. Manche organisieren sich, andere arbeiten allein oder mit Freunden. Magier tragen sehr viel Verantwortung, und etliche mißbrauchen ihre Fähigkeiten auch. Jeder ist ein Individuum, so wie jeder andere Mensch auch. Dennoch sind sie alle Magier, egal ob sie sich nun Magier, Zauberer, Hexe, Schamane, Priester, Psioniker oder wie auch immer nennen. Unter Magiern gibt es genauso gute und böse Charakterzüge wie unter den anderen Menschen auch - denn sie sind normale Menschen, die sich lediglich ein besonderes Talent erschlossen haben. Deshalb gehören die Magier auch keinem elitären Kreis an (obwohl sie oft der Gefahr unterliegen, dies so zu sehen), sondern unterscheiden sich nicht wirklich von anderen, die ebenfalls ein besonderes Talent haben, wie beispielsweise ein Musiker. Die einen machen viele Rituale, die anderen wirken Magie aus dem Stegreif, es gibt welche, die sehr festgelegte Glaubensvorstellungen haben, andere sehen es einfach als Lebensphilosophie und arbeiten kaum mit Magie. Nur man selbst kann sagen, was für einen selbst richtig und was falsch ist. Der wohl überwiegende Teil der Magier arbeitet als Einzelgänger für sich allein, andere schließen sich zu Gruppen zusammen. Solche Gruppen nennt man bei Magiern Zirkel, von "circulum" (lat.: Kreis), bei rein zeremoniellen Gruppen Orden und bei Hexen Coven, was aus dem Englischen kommt und sich von "conventus" (lat.: Versammlung) ableitet. Die meisten Traditionen zeremonieller Magie konzentrieren sich auf die Zusammenarbeit mit anderen in einer kleinen Gruppe. Allerdings gehört längst nicht jeder Magier einer Gruppe an. Viele ziehen es vor, ihren eigenen Weg zu gehen und sich ihre Inspiration aus publizierten Quellen und aus sich selbst heraus zu holen. Meist werden auch Gruppenmitglieder Mischformen praktizieren, bei denen Einzelgänger zuweilen bei Gruppen teilnehmen, und Gruppen, deren Mitglieder mehreren Gruppen angehören. Natürlich gibt es auch absolute Einzelgänger und Gruppen, die sich abkapseln, aber alle sind gleichrangig, und jeder kann frei entscheiden, wo und mit wem er zusammenarbeiten möchte (vorausgesetzt, daß die Gruppe denjenigen aufnehmen möchte, denn auch deren Mitglieder können dies natürlich frei entscheiden). Wer mit der Linie einer Gruppe nicht einverstanden ist, scheidet aus und sucht oder gründet eine Neue. So werden manche Magier bestimmte Rituale und Feste mit der Gruppe teilen, andere aber lieber allein durchführen. Auch Gruppen gehen nicht immer einen gemeinsamen Weg. Viele entwickeln auch in der Gruppe ihre eigene, persönliche Spiritualität, um dadurch Selbstbewußtsein und Kraft zu gewinnen. Dieses nutzen sie dann sowohl als Individuum als auch in ihrer Rolle des Gruppenmitglieds. Meistens geht es bei konkretem magischen Tun um konstruktive, hilfreiche Dinge für einen selbst oder einen engen Kreis von Freunden und Familie oder auch Haustieren. Sei es Heilung, Unterstützung, Erfolge in Beruf, Geschäften, privaten Dingen, Liebe, Förderung von Glück und Wohlstand - es geht um eine magische Steigerung dessen, was man gemeinhin "Lebensqualität" nennt. Magie dient auch als spiritueller Weg. Einige magische Übungen und Rituale werden durch die Magier auch als tiefgehende spirituelle Disziplin benutzt. Das Ziel dieser Magie ist nicht die Transformation der äußeren Welt, sondern die Veränderung der inneren Welt, dem Geist und der Seele des Magiers. |
| 3.4. Kann jeder Magier werden? |
| Da bin ich mir nicht sicher. Prinzipiell kann wohl jedes intelligente Wesen (ich sage bewußt nicht "Mensch", weil nicht auszuschließen ist, daß auch bestimmte Tiere den Zugang finden könnten) diesen Zustand erreichen. Weil der Mensch ein geistiges Wesen ist, kann er daher grundsätzlich auch Magie wirken, wenn auch mit erheblichen Unterschieden in Art (Qualität) und Umfang (Quantität) und damit in der Effizienz. Ob es da physische Grenzen gibt, d.h. ob jemand diesen Teil des Unterbewußtseins einfach nicht hat, ihm der Zugang aus physischen Gründen verwehrt ist oder er einfach kein Talent dafür hat, soll im Raum stehen bleiben. Die meisten scheitern aber wohl eher aus psychologischen Gründen. Der Großteil der Menschheit ist zu einer wirksamen magischen Handlung nicht fähig - ausgenommen, er agiert in einer Massenbewegung. Das liegt nicht etwa daran, daß die meisten Menschen nicht genügend magische Kraft besäßen, denn sie haben viel mehr Kraft, als sie jemals vermuten würden. Die meisten Menschen sind deshalb keine Magier, weil sie ihre Energien nicht durch Wissen und entsprechende Techniken auf die richtigen Stellen konzentrieren können oder dieses durch Zweifel oder Erziehung nicht wollen. Ein richtig angesetzter Hebel kann sehr viel bewegen, doch wenn man nicht weiß, wo er anzusetzen ist, bewegt man gar nichts. Magie ist anstrengend! Sie ist etwas zum Nachdenken und "Machen" - vor allem zum Aus-dem-Quark-kommen-Müssen, was die Einstellung zu sich selbst, dem eigenen Leben und zur Natur betrifft. Unsere Gesellschaft ist aber zu einer Horde fauler Konsumenten verkommen, die nichts selbst machen und vor allem nicht nachdenken wollen. Magie kann man aber nicht konsumieren, denn man muß sie aktiv erfahren. Der Umgang mit ihr ist das Arbeiten an sich selbst. Und das wollen leider die Wenigsten - oder sie behaupten es nur. Aber nur auf diese Weise gelangt man zu einer Verbesserung des eigenen Selbst. Wer dazu zu faul ist und erwartet, alles schön fertig aufbereitet serviert zu bekommen, wird die Beschäftigung mit wahrer Magie bald wieder aufgeben und läuft dann Gefahr, irgendeinem "esoterischen" Schwachsinn aufzusitzen. |
| 3.5. Die Voraussetzungen eines Magiers |
| Der Arzt und Mystiker Agrippa von Nettesheim (1486 bis 1535) schrieb: "Die magische Gewalt setzt beim Menschen eine große Würdigkeit voraus, denn unsere Gedanken, unsere höchste Geisteskraft ist allein der Wundertäter in uns." Gemeint ist mit dieser "Würdigkeit" eine gewisse geistige Disziplin, die nicht nur Wissen und Konzentrationsfähigkeit beinhaltet, sondern genauso auch geistige und ethisch-moralische Reife und Verantwortung mit einschließt. Der Weg des Magiers stellt harte Anforderungen, deren Wucht den Anfänger die eigene Winzigkeit erkennen läßt. Und auch ich bin mir bewußt, wie schwierig dieser magische Weg ist und daß dafür mancher Preis zu zahlen ist - und das endet niemals, auch wenn man schon erfahrener geworden ist. Daher bemühe ich mich, dem Leser, auf den all diese Anforderungen einstürmen, deutlich zu machen, daß es mir nicht besser geht als ihm, und daß ich gerade auch die Anfangsschwierigkeiten nicht vergessen habe und auf sie eingehen werde. Um ein Magier sein zu können, bedarf es eigentlich hauptsächlich folgender geistiger Eigenschaften: o Aufgeschlossenheit - Ein Magier muß bereit sein, die durch Erziehung oder von Autoritäten übernommenen Dogmen und Konventionen zu überprüfen und gegebenenfalls abzustreifen. Er muß bereit für neue Erfahrungen sein und diese auch akzeptieren können. Wer also Magie praktizieren will, braucht zunächst einmal den Mut, über den eigenen Schatten des Gewohnten zu springen, seinen Ängsten ins Auge zu blicken und sie zu überwinden, ohne sie jedoch zu verdrängen oder kurzerhand auszumerzen. Diese Bereitschaft ist unabdingbar, und sie wird im Laufe der Praxis immer wieder auf die Probe gestellt werden. o Aufmerksamkeit - Durch die Aufmerksamkeit des Geistes schärft der Magier seine Sinne und lernt sich und seine eigenen Impulse besser kennen. o Gelassenheit - Durch seelische Gelassenheit lernt er, alle Phänomene, die ihm auf seinem Weg begegnen mögen, ohne emotionalen Zwang einzuschätzen und konstruktiv zu nutzen. o Entspanntheit - Durch körperliche Entspanntheit lernt er, seinen Körper besser zu beherrschen und Blockaden zu lösen, die ihn sonst behindern würden. o Konzentration - Alle Magie beginnt bei den Gedanken, und nichts ist so mächtig, wie ein konzentriert formulierter und über längere Zeit visualisierter Gedanke. Aber man muß seine Gedanken auch unter Kontrolle halten können, sonst schweifen sie ab und führen den Magier von seinem Ziel fort. o Intuition - Dies ist eine wichtige Voraussetzung, denn wer keine "Idee" hat, wie er vorgehen soll, kommt auch nur schwerlich zum Ziel. o Ausdauer - Ein Magier muß den festen Willen haben, auch dann durchzuhalten, wenn es ihm schwerfällt und sich scheinbar alles gegen ihn wendet. Das wird oft der Fall sein, denn auch auf einem magischen Weg fallen einem die Dinge nicht in den Schoß. Jemand hat einmal sehr treffend gesagt, daß man nicht leicht und auch nicht billig Magier wird. Die Fähigkeit, Realität zu transformieren, erreicht man nicht, wenn man bei der kleinsten Hürde aufgibt, die sich einem in den Weg stellt. o Geduld - Weder wirke man Magie in Eile, noch versuche man auf einem holprigen Weg zu rennen, den man besser mit viel Zeit nur gehen sollte. Ergebnisse und Fortschritt lassen sich nicht erzwingen. o Glaube - Es ist unerläßlich, daß man an seine Fähigkeiten glaubt und auf sie vertraut, sonst funktionieren sie nicht. Ein Magier akzeptiert üblicherweise seinen Glauben an Magie, wobei der Glaube selbst nur ein Werkzeug, eine mythische Arbeitshypothese zum Erreichen von Wirkungen darstellt, denn er ist kein Selbstzweck. Bei diesem Glauben handelt es sich um nicht mehr als einen psychologischen Geisteszustand, der für den Moment alle tiefenpsychologische Theorie vergißt und nur das Funktionieren magischer Techniken als Tatsache annimmt. Das ist gerade anfangs nicht einfach, gibt aber dem Unterbewußtsein die Kraft und die Möglichkeit, tatsächlich die eigene und manchmal auch die Realität anderer Menschen formen zu können. Der feste Glaube an seine eigene Magie ist das Mittel, nicht der Zweck - das Fahrzeug, aber nicht das Ziel. o Selbstkenntnis - Sehr wichtig ist die Selbstkenntnis. Das bedeutet, sein eigenes Selbst zu kennen, zu erkennen und dabei auch ehrlich zu sich selbst zu sein. Wer sich selbst nicht kennt, hat auch nicht die nötige Grundlage, um Magie zu wirken. Darum gehört zu jeder vernünftige Ausbildung das Nachdenken über sich selbst und die Analyse der eigenen Person. o Verantwortlichkeit - Als Magier ist es unabdingbar, für das jeweilige Weltbild sowie seine Handlungen jederzeit die volle Verantwortung zu übernehmen. Alle diese Faktoren stehen in Wechselwirkung zueinander und bedingen sich daher gegenseitig. Sie gehören zu den Grundlagen auf dem magischen Pfad. Die Realität im Geist zu transformieren kann man lernen, aber es ist ein langer und schwieriger Weg, oftmals unmöglich erscheinend, zuweilen von angeborenen, teils anerzogenen, teils auch unerklärlichen Grenzen und Behinderungen erschwert. Manche benötigen dazu einen Lehrer, der sie anleitet, andere, meist Fortgeschrittenere, hingegen schaffen diesen Weg auch allein, wenn es nur noch gilt, einst Gekonntes und Gewußtes wieder an die Oberfläche des Bewußtseins zu bringen. Denn Lernen auf dem magischen Weg bedeutet nicht nur Äußeres zu verinnerlichen, sondern auch das Innere hervorzukehren (sich er-innern). Wer ein erfolgreicher Magier werden möchte, sollte körperlich, geistig und seelisch gesund und ausgeglichen sein. Dazu gehören auch Dinge wie ausreichend Schlaf, gutes und gesundes Essen und ein erfülltes Sexualleben. Personen mit körperlichen oder gerade auch psychischen Krankheiten gehen bei der Beschäftigung mit der Magie ein erhöhtes Risiko ein, dennoch liegt ihr Handeln in ihrer eigenen Verantwortung. Eine sehr wichtige Voraussetzung, um ein erfolgreicher und vor allem geistig gesunder Magier sein zu können, ist es, sein weltliches Leben leben zu können. Sein weltliches Leben zu leben - das klingt einfach. Na klar lebt man sein weltliches Leben, also was soll das? Gemeint ist aber, es wirklich zu "leben", nicht bloß es "abzusitzen", es "zu durchlaufen", es "abzuspulen", vor sich hin zu vegetieren als bloße Existenz. Nein, hier geht es um ein bewußtes leben und "er-leben" des weltlichen Lebens, und dies mit Freude und Stolz, denn das Leben, auch das profane, ist heilig und verdient es, auch so gelebt zu werden. Das soll nun keine Mystifizierung werden, sondern hat einen sehr realen Hintergrund, der aber vielleicht gerade durch ein mystisches Bild am ehesten verständlich gemacht werden kann. Man stelle sich einen Baum vor, der nach oben wächst und bestrebt ist, möglichst hoch und möglichst breit seine Blätter auszustrecken, um das Sonnenlicht einzufangen. Je mehr Licht er bekommt, desto besser kann er in die Höhe wachsen und desto besser kommt er an immer mehr Licht heran. Und so wächst und wächst er, sein ganzes Streben nur auf das Licht gerichtet. Aber in luftiger Höhe ist es auch windig, und würde der Baum nur nach oben wachsen, würde er irgendwann unweigerlich umkippen, sei es, daß ihn ein Sturm entwurzelt, dem er nicht standhalten kann, oder durch sein zunehmendes Ungleichgewicht auch einfach so. Deshalb ist es wichtig, daß der Baum im gleichen Maße, wie er nach oben strebt, auch seine Wurzeln wachsen läßt, sie weit verzweigt und tief in die Erde senkt, damit sie ihn festhalten und mit dem lebensnotwendigen Wasser versorgen. Ohne genügenden Halt durch die Wurzeln kann der Baum nicht bestehen, ohne genügend Wasser über die Wurzeln aufzunehmen, kann er keine Blätter bilden, die das Licht einfangen. Aber läßt er nur Wurzeln und keine Zweige mit Blättern wachsen, wird er ohne genug Licht nur dahinkümmern und nie blühen. Er muß beides gleichermaßen tun, nach oben wie nach unten wachsen, um ein erfülltes und stabiles Dasein im Gleichgewicht zu haben. Ein entwurzelter Baum - das wäre ein Mensch, der so blindlings nur nach dem Okkulten strebt, daß er im wahrsten Sinne den Halt, den Boden unter den Füßen verliert. Er erleidet einen Realitätsverlust, und dieser ist eine psychische Störung. Mit einer solchen wird er aber als Magier nicht weit kommen, sondern sich in einem Gewirr esoterischer Irrlehren, Selbsttäuschungen und Sackgassen verlieren, aus dem der Weg zurück sehr schwierig ist. Dies passiert insbesondere jenen Menschen, die sich trotz oder gerade wegen ihrer weltlichen Probleme mit Magie beschäftigen. Sie nutzen diese Beschäftigung dann exzessiv, um ihre weltlichen Probleme zu verdrängen, anstatt sich ihnen zu stellen, eine Flucht vor der Realität. Umgekehrt wäre das Beispiel vom zu sehr verwurzelten Baum mit unterentwickelter Krone ein Mensch, der sich so sehr ans Weltliche klammert, sich schicksalsergeben allein von Gewohnheiten, Konsum und Medien leiten läßt, ohne je den Blick "nach oben" zu richten, also dafür offen zu sein, daß es noch mehr Dinge geben kann, die eine Lebensqualität ausmachen. Er wird im wahrsten Sinne des Wortes nicht sehr viel vom "Licht" abbekommen. So wie ein gesunder Baum Wurzeln und Krone gleichmäßig entwickelt, sollte auch der Magier danach streben, in Beidem ein Gleichgewicht zu finden - im Weltlichen wie im Spirituellen. Nur wer fest im Leben verwurzelt ist, mit beiden Beinen fest im Leben steht, also ein erfülltes und bewußtes Leben auch "lebt", besitzt die Standfestigkeit, sich der magischen Arbeit zu öffnen, weiß er doch eine gesunde Grundlage hinter sich, die ihm auch dabei hilft, nicht "den Boden unter den Füßen zu verlieren", also "auf dem Teppich zu bleiben", mit anderen Worten: im Leben zu stehen ohne den Sinn für die Realität zu verlieren. Und, was ebenso wichtig ist, aber oft unterschätzt wird, sie hilft dabei, nach einer "magischen" Reise in andere Bewußtseinsebenen auch wieder sicher und mit vollständigem Bewußtsein ("mit beiden Beinen") in die Realität zurückzukehren. Der Realitätsverlust ist eine oftmals viel zu sehr unterschätzte Gefahr der Beschäftigung mit dem Okkulten, der nicht wenige auch unterliegen. Deshalb wird auch immer wieder und wieder darauf hingewiesen, daß nur diejenigen sich relativ gefahrlos mit Magie beschäftigen können, die auch ihr Leben fest im Griff haben, d.h. die ein geregeltes und erfülltes Leben haben und ihre Probleme bewältigen können - es wirklich können, und sich nicht bloß dieser Illusion hingeben. Weltliche und vor allem psychische Probleme sind eine Belastung für die Seele, und wie auch psychische Störungen und Erkrankungen können sie zu verheerenden Entgleisungen führen, wenn man sich mit Magie beschäftigt, denn Magie anzuwenden heißt tiefenpsychologische Experimente mit sich selbst durchzuführen, und das kann nur gutgehen, wenn man diese auch verträgt und nicht schon seelisch angeschlagen ist. An sich zu arbeiten heißt für den Magier immer sowohl geistig als auch weltlich. Wie auch psychische Probleme behindern Alltagsprobleme und damit einhergehende Sorgen, Unzufriedenheit, Ärger, Streß, Ängste usw. den Geist bei der magischen Arbeit, indem sie ihn ablenken und Blockaden errichten. Dadurch kann die magische Tätigkeit auch in recht unerwünschte Richtungen gelenkt werden, insbesondere durch präsente Probleme, die das bewußte wie unbewußte Denken bestimmen und sich so noch verstärken können. Also sollte man darauf achten, daß man sein weltliches Leben wirklich "lebt", es also bewußt wahrnimmt und es auskostet, zu sich und seiner Art zu leben und dem, was man tut, steht, sich aber auch den Anforderungen und Problemen stellt, mit denen einen das Leben konfrontiert und diese meistert. Ein erfülltes weltliches Leben hat seinen Preis, und den muß man zahlen, denn er wird einem nicht abgenommen, auch durch Magie nicht (sie kann die Preisschraube zwar ein wenig lockern, mehr aber auch nicht). Dazu gehört auch die tägliche Arbeit zum Broterwerb, der Lebensgrundlage, beziehungsweise damit vergleichbare Aufgaben (Haushaltsführung). Es spielt keine Rolle, was man tut oder wie das gesellschaftlich einzuordnen ist. Man sollte es nach besten Kräften tun und stolz darauf sein, denn auch das hat etwas mit Zufriedenheit zu tun - selbst wenn die Leistung von anderen nicht anerkannt wird, man selbst weiß aber, was man geleistet hat (oder auch nicht geleistet hat). Wenn man sein Leben mit jemandem teilt, sollte man auch die Höhen und Tiefen des Partners verstehen, seine Komplexe und Talente, seine Fehler hinnehmen und die eigenen anerkennen. Man sollte weder zulassen, daß es zum ständigen Streit kommt, falls der Partner das Interesse für Magie nicht teilt oder akzeptiert, noch daß bei gemeinsamem Interesse so viel Zeit in die magische Beschäftigung gesteckt wird, daß für ein weltliches Zusammenleben nicht genug Zeit übrigbleibt. Hat man Kinder, lehrt man sie die Dinge so zu sehen, wie sie sind, aber man zeigt ihnen auch, daß es noch Dinge jenseits des Weltlichen gibt, und man lehrt sie Verständnis, Respekt und Mitgefühl vor der Natur, ihren Geschöpfen und der Umwelt, denn eines Tages werden sie für dieses Erbe verantwortlich sein. Diese Aufzählungen ließen sich noch endlos fortsetzen. Sein weltliches Leben wirklich und bewußt zu "leben" ist eine der wichtigsten Aufgaben - eigentlich eines jeden Menschen, aber insbesondere eines Magiers. Es ist nämlich gleichzeitig der wichtigste magische Weg, den man je beschreiten wird, auch wenn nur wenige Menschen ihn je als solchen sehen werden. Deshalb ist es auch so wichtig, eine Pause von der Beschäftigung mit Magie zu machen und sich ganz dem Weltlichen zu widmen, wenn dort etwas nicht stimmen sollte. Es gilt, erst einmal das weltliche Leben wieder in Ordnung zu bringen, bevor man sich erneut der Magie zuwendet, und die Magie kann warten - sie ist sehr, sehr geduldig, sie läuft einem nicht weg. Aber sie kann einen überrennen, wenn man nicht fest im Leben steht, und viele ignorieren diese Warnungen bis sie sich eines Tages als entwurzelter, umgestürzter Baum wiederfinden, der nicht oder nur schwerlich wieder aufzurichten ist. Nur ein gleichmäßig entwickelter Baum kann mit seinen starken Wurzeln sowohl den "weltlichen Erdbeben" als auch den "magischen Stürmen" standhalten, die es ab und zu ganz sicher geben wird. |
| 3.6. Wie wird man ein Magier? |
| Zu einem Magier wird man nicht, ein Magier ist man oder nicht. Das bezieht sich aber nicht nur auf irgendwelche magischen Fähigkeiten, sondern in erster Linie auf die Art zu denken. Letztendlich kann nur jeder selbst entscheiden, ob er ein Magier ist und was das für ihn heißt. Die erste Frage, die sich jemand stellen sollte, der Magier sein möchte, lautet: "Warum will ich Magier sein?" Die zweite Frage lautet dagegen: "Und warum will ich wirklich Magier sein?" Die ehrliche Antwort auf diese zweite Frage ist der erste Schritt auf dem Weg. Ohne Ehrlichkeit sich selbst gegenüber führt der Weg nirgendwohin. Viele haben angefangen, als Magier zu leben, aber viele haben auch schnell wieder aufgegeben, als sie merkten, daß dieser Weg steinig ist und man an sich selbst arbeiten muß, daß sie nicht perfekt sind und daß sie lernen müssen. Wer nur deshalb ein Magier sein will, weil er es cool findet oder sich durch Magie schnelle Erfolge bei irgendetwas verschaffen will oder denkt, er gehöre dann zu einer Elite, der wird wahrscheinlich schon bald aufgeben und einen anderen, leichteren Weg gehen müssen. In den Anzeigen einschlägiger Zeitschriften wimmelt es nur so von selbsternannten Magiern und Schamanen aller nur erdenklicher Ausprägungen. Für viel Geld einen Workshop oder ein Wochenendseminar besucht, schon ist der Magier oder Schamane fertig und bereits am Tag danach wird um Kundschaft geworben, die man selbst ausbilden oder deren Krankheiten man, wieder für viel Geld, heilen kann. Dies hat mit Magie oder Schamanismus nichts, aber auch rein gar nichts zu tun. Im Gegenteil, es werden Hoffnungen geweckt und Ansprüche aufgestellt, die dann nicht erfüllt werden können. Nun könnte man über soviel Dummheit lachen, wenn diese Dummheit nicht so gefährlich wäre. Natürlich könnte ich zum Beispiel einer Gruppe von Menschen an einem Wochenende ein magisches Ritual in seinen Formen mit allen Einzelheiten erläutern und die notwendigen äußeren Techniken vermitteln, aber die dann materialisierten Kräfte auch zu beherrschen, dazu bedarf es langer kontinuierlicher Übung. Deshalb sei an dieser Stelle vor selbsternannten Magiern und ihren Spielereien ausdrücklich gewarnt. Auch wer gelernt hat, wie man einen Pinsel hält, ist damit noch lange kein begabter Maler. Zunächst einmal hängt es von einem selbst ab, was man eigentlich erreichen will und wie das geschehen soll. Die Menschen sind sehr verschieden in ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten. Was für den einen richtig ist, muß es für den anderen noch lange nicht sein. So lassen sich pauschal nur ein paar wenige Ratschläge erteilen. Man kann magisches Wissen nicht so ohne weiteres weitergeben. Tonnen von Theorie sind nicht so wertvoll wie ein Quentchen Praxis, und das praktische Wissen (das gnostische Wissen) ist eher ein tief verwurzeltes Gefühl für Magie und magische Erkenntnis als ein mit Worten beschreibbares Themengebiet. Auch über das Fahrradfahren kann man einiges erzählen, aber worauf es ankommt, ist letztlich die praktische Übung. Wie will man jemandem rein theoretisch schildern, wie man auf zwei dünnen Reifen, mit denen man eigentlich umkippen müßte, das Gleichgewicht hält? Dafür entwickelt man durch praktische Übung mit der Zeit ein Gefühl, aber beschreiben kann man es nicht wirklich. Mit der Magie verhält es sich ähnlich - nur ist es dort noch weitaus komplizierter. Magie ist nichts, was man in einem Schnellkurs erlernen kann. In das magische Arbeiten muß man hereinwachsen, ständig an den eigenen Fähigkeiten arbeiten und sich selbst unter Kontrolle haben. Nur wer sich selbst beherrscht, kann auch die Magie beherrschen. Es gehört eine starke und gefestigte Persönlichkeit mit einem starkem Willen zu dem Bild des Magiers oder der Magierin. So sollten labile oder in ihrer Persönlichkeit noch nicht gefestigte Menschen lieber erst einmal damit beginnen, an sich selbst zu arbeiten, um ein sicheres Gefäß zu bilden, in welchem das Wissen und Können bewahrt werden sollen. Davon ausgehend, daß man sich inzwischen darüber klar geworden ist, was es für einen selbst bedeutet, ein Magier sein zu wollen, muß man sich zunächst einmal nach einer für sich passenden Art, an die Magie heranzugehen, umschauen. Das bedeutet, daß man sich kurz mit den gängigen magischen Gebieten beschäftigen sollte, um dann das für sich selbst Richtige auszuwählen. Dazu nimmt man sich einige Stunden Zeit und geht in eine gut sortierte esoterische Buchhandlung. In der Abteilung Magie schaut man in jedes Buch hinein. Nur das, bei dem man sofort versteht, worum es geht, das sinnvoll und logisch nachvollziehbar erscheint, sich vielleicht schon mit einigen einem selbst, aber allgemein weniger bekannten und auch verifizierten Fakten deckt, und das vor allem zu Lesen auch Spaß macht, kauft man und arbeitet erst einmal ganz durch. Ich möchte an dieser Stelle auch keine Empfehlung für ein bestimmtes Werk aussprechen, denn bei jedem Interessierten sind Hintergrund und Vorbildung völlig verschieden, und daher mögen auch vollkommen unterschiedliche Werke als Einstieg für den Einzelnen geeignet oder ungeeignet sein. Man sollte dort beginnen, wo man mit seiner Erfahrung, seinen Gedanken, seiner Literaturkenntnis und seinem sonstigen Wissen auch tatsächlich steht, und nicht dort, wo selbsternannte Lehrer einen gern hätten. Der Ausgangspunkt eines jeden unterscheidet sich von dem jedes anderen Menschen. Ein guter Lehrer hätte allenfalls die Aufgabe, zu erkennen, wo sein Schützling sich auf dem Pfad befindet und ihm dies zu verdeutlichen. Er kann dem Schüler dann zwar Möglichkeiten aufzeigen, sollte sich aber nie anmaßen, dessen Weg zu bestimmen, denn höchstwahrscheinlich ist dieser nicht der eigene. Den Zugang zur Magie muß jeder auf ganz individuelle Weise finden. Den Weg der Magie zu betreten ist ein sehr großer Schritt, und die größte Hürde dabei ist der eigene Unglaube, der einem im Weg steht (was nicht sein darf, kann auch nicht sein, also funktioniert es auch nicht). Zweifel an der Existenz der Magie oder der eigenen Fähigkeiten, Erziehung und religiöse Dogmen sind hier wohl die größten Hemmschuhe. Den Zugang zur Magie kann man nicht erzwingen. Meist kommt "die Magie" sogar ganz von selbst zu einem, wenn man eigentlich gar nicht daran denkt. Bei dem einen geschieht das schon sehr früh, bei dem anderen erst sehr spät. Es kann aber hilfreich sein, wenn man tiefer in sich selbst hineinlauscht und den Kontakt zu seinem eigenen Unterbewußtsein sucht. Hat man den Weg zur Magie aber erst einmal beschritten, so kann man in kleinen Schritten langsam weitergehen. Auch hier gilt es, sich Zeit zu lassen. Die Magie kommt zu einem, wenn es an der Zeit ist, man kann ihr ein wenig entgegengehen, aber man kann sie nicht zu sich zwingen. Sich zu Verkrampfen blockiert, und nur in der Entspannung kann die Energie fließen. Die Magie stellt hohe Anforderungen an den Suchenden. Sie zeigt sich nicht gleich auf Anhieb, beziehungsweise auf eine Weise, die nicht immer sofort erkannt wird. Ferner spielt sie einem gerne Streiche, die gewöhnlich mit den eigenen seelischen Unzulänglicheiten zusammenhängen. Schließlich konfrontiert sie den Suchenden mit seinen vergrabenen Konflikten, Komplexen und Charakterschwächen, die erkannt und bewältigt werden müssen, will man weiterkommen. Deshalb ist die Beschäftigung mit Magie völlig ungeeignet für Menschen mit schweren psychischen Problemen, da diese dann eher weiteren Schaden nehmen statt voranzukommen. Man wird nicht darum herumkommen, sich mit den grundsätzlichen magischen Übungen Konzentration und Visualisierung zu beschäftigen. Ohne diese beiden Fähigkeiten bewirkt man in der Magie nichts. Außerdem sind noch Übungen in Entspannungstechniken sowie "richtiges" Atmen wichtig. Wer falsch atmet, erzeugt eine Disharmonie in seinem Energiesystem und wird mit magischen Übungen schnell Probleme bekommen, da hier psychische Energie freigesetzt wird, die sich dann in den Blockaden staut. Es ist wichtig, immer tief in den Bauchraum zu atmen, d.h., das Zwerchfell muß voll miteinbezogen werden. Die meisten Menschen atmen zu flach. Wenn man jetzt plötzlich anfängt, "tief" zu atmen, besonders, wenn man obendrein noch Raucher ist, treten Schwindelgefühle, Hustenreiz, Lungenstechen und ähnliche Probleme auf. Das ist auch kein Wunder, wenn die Lunge lange Zeit nicht richtig ausgelastet war. Wenn man das aber, ohne zu übertreiben, regelmäßig übt, verschwinden diese Phänomene, und es stellt sich mit der Zeit ein gesteigertes Wohlbefinden ein. Ferner ist auch auf eine aufrechte Körperhaltung zu achten. Wer längere Zeit in verkrümmter Haltung vor dem Computer oder am Schreibtisch sitzt, blockiert dadurch ebenfalls seine Atmung. Hier ist Ausgleich gefragt. Es ist für den Anfang eine gute Übung, gesteigerte Bewußtheit in Bezug auf die eigene Körperhaltung zu entwickeln. Wenn man dies nun noch durch entsprechende Entspannungs-, Konzentrations- und Visualisierungsübungen unterstützt, kommt man leichter voran. Wie in jeder Ausbildung lernt der eine schneller und der andere langsamer. Deswegen ist der einfachste Weg der, seinen Zeitrahmen an seinen individuellen Bedürfnissen anzupassen und sich selbst gegenüber ehrlich genug zu sein, erst bei befriedigenden Ergebnissen mit der nächsten Übung anzufangen. Übungen sollten zwar regelmäßig gemacht werden, aber Übertreibungen sind nicht ratsam. Man sollte außerdem nur dann magisch arbeiten, wenn einem auch stimmungsmäßig danach ist und man sich dabei wohlfühlt. Der Magier muß sich auf seinem Weg auch mit seinem größten Kritiker auseinandersetzen - mit sich selbst. Er wird viel Kritik aushalten müssen aber auch vieles verstehen, was ihm vorher unbekannt war. Er wird von vielen Menschen, die nicht verstehen, was er tut, angegriffen werden, aber auch selbstsicherer werden. Er wird "Freunde" verlieren, aber auch neue Freunde gewinnen, auch solche, an die er vorher nie dachte. Ob diese Lebensänderung und der damit verbundene und nicht zu unterschätzende Aufwand für einen Menschen akzeptabel ist, das kann nur jeder selbst ganz allein für sich entscheiden. |
| 3.7. Magie ist das Unbewußte |
| Das Unterbewußte oder Unbewußte ist ein ursprünglich von Carl Gustav Carus in seinem Werk "Psyche" geprägter Begriff. Es meint psychische Inhalte, die dem Bewußtsein nicht oder vorübergehend nicht zugänglich sind, aber dennoch zur Gesamtheit der Psyche gehören und einen nachhaltigen Einfluß auf Bewußtsein, Seelenleben, Persönlichkeit und Verhalten haben. Es gibt zahlreiche unterschiedliche Hypothesen über die Art und Organisation des Unterbewußtseins. Die magischen Urkräfte schlummern tief im Unbewußten. Dabei ist dieses "Unbewußte" nicht bloß als "Hinterstübchen des Gehirns" zu begreifen, sondern als eine Totalität, die jede Zelle des Körpers durchdringt und erfaßt. Die Instinkte sind derart tief im Körperlichen verankert, daß Wahrnehmung und Körperreaktion praktisch eins sind. Dann spricht man von "Reflexen", aber auch, vor allem in älteren Texten, von "Fleischeswissen". Dieses genetische Urwissen halten die meisten beim modernen Menschen für weitgehend verkümmert. Dem ist jedoch nicht so. Man mißachtet es lediglich. Vielfach wird die Instinktsicherheit des Zivilisationsmenschen beständig unterschätzt, um dagegen den Mythos vom "naturverbundenen" Wilden zu stellen, der angeblich fehlerlos im Einklang mit seiner Umwelt lebt. Erstens ist auch auf die Instinkte des Naturmenschen (und auch auf die eines Tieres) nicht immer Verlaß, und zweitens leben gerade Naturvölker in einem Gefängnis von Tabus und Stammesregeln, die den Preis für ihre vermeintliche Instinktüberlegenheit doch reichlich hoch erscheinen läßt. In Wirklichkeit unterscheiden sich beide nicht sonderlich in ihren Instinkt-Reserven, sie gehen nur unterschiedlich damit um. Der heutige, vielbeklagte "Verlust an Natürlichkeit" (den übrigens die alten Griechen schon ebenso bejammerten wie die Renaissance, der Barock und die Romantik) ist viel eher eine Art von bewußtem, anerzogenem Ausblenden intuitiver Wahrnehmung. Man befindet sich in einer selektiven Wahrnehmung, die für den Magier kritisch wird, wenn ihm nicht bewußt ist, daß er den eigenen Teilausschnitt der Wirklichkeit mit dem Ganzen verwechselt. Genauso kann es aber auch umgekehrt fatal sein. Weil der Mensch in der Regel nicht darauf trainiert ist, mit Intuitionen nüchtern umzugehen, reagiert er zwar mit gewaltiger Entzückung, wenn die Intuition zutreffend und einigermaßen positiv ist, aber auch mit ebenso gewaltiger Enttäuschung, wenn ihn die Intuition mal in die Irre führt oder Schlimmes verheißt. Während man seinem Intellekt immer zubilligt, daß er sich auch mal irren kann, bricht für die meisten angehenden Magier gleich die ganze Welt zusammen, wenn sich irgendeine nette Vorahnung, auf die sie felsenfest vertraut haben, plötzlich als falsch entpuppt. Dahinter steht häufig eine Überschätzung der Magie, die nicht selten mit einer nichteingestandenen Furcht vor ihr einhergeht. Sich also zu weit in Richtung seines Verstandes zurückzuziehen ist ebenso falsch wie sich völlig in "die Magie" (das Unbewußte) zu flüchten. Wie so oft, ist auch hier ein gesunder Mittelweg erstrebenswert. Und vor allem: nur, weil jemandem etwas nicht vertraut ist, ist es deshalb noch lange nicht unnatürlich. Magie ist etwas Natürliches, das wußten schon die alten heidnischen Religionen. Die Magie wurde nur paradoxerweise von einer Gesellschaft, welche durch eine im Widerspruch zur Natur stehende Religion ("macht Euch die Erde untertan") geprägt wurde, als unnatürlich bezeichnet. Diese Kultur verhinderte jedoch lediglich die Wahrnehmung, nicht aber das Vorhandensein der Magie im Menschen. Menschen mit einem ausgeprägten Unterbewußtsein, vor allem jene, die über eine große Sensibilität, Intuition und Vorstellungskraft verfügen, haben eigentlich die größten Chancen, den Zugang zur Magie zu finden, denn oft sind sie bereits Magier, ohne es zu wissen. Das Unterbewußtsein wendet seine "magischen" Kräfte nämlich sehr oft an, aus eigenem Antrieb, ohne den Willen des Menschen, ja meist sogar ohne, daß dieser es großartig bemerkt. Plötzliche Eingebungen, telepathische Erlebnisse oder seltsame "Wendungen des Schicksals" sind Anzeichen solcher unterbewußten Aktivitäten. Wer so etwas an sich feststellt, kann versuchen, darauf zu achten und das Gefühl wahrzunehmen, das davon ausgeht. Vielleicht gelingt es ihm eines Tages, diese Dinge auch bewußt herbeizuführen. Dann hat er seinen Weg gefunden. Es ist nicht falsch, seine gefühlsmäßigen Entscheidungen zu hinterfragen. Wer sich intuitive Entscheidungsgänge bewußt macht, lernt seine Gefühle besser kennen und ihnen auch immer öfter zu vertrauen. Wer anderen zuhört, ihre Bedürfnisse wahrnimmt, schärft sein eigenes Bauchgefühl und Urteilsvermögen. In drei Sekunden bildet sich der Mensch ein erstes Urteil über einen anderen Menschen. Die Trefferquote liegt bei etwa 80 %. Vor allem im Berufsleben raten Psychologen dazu, dieses Gefühl als wichtigen Ratgeber und als Entscheidungshilfe zu benutzen. Das Gehirn ist mit 130 Milliarden Nervenzellen das komplexeste Organ überhaupt. Man kennt bis heute nur einen Bruchteil seiner Funktionen. Schon wenn wir einen Gegenstand ergreifen, ist das Gehirn zu 100 % aktiv. Zwar ist jeder Bereich des Gehirns für bestimmte Funktionen zuständig (zum Beispiel Sehen, Sprechen, Hören, Denken, Lernen, Bewegen der Gliedmaßen etc.), doch sind stets sämtliche Gehirnzellen aktiv, denn eine Gehirnzelle schläft nie. Ebenso falsch wie das Zitat, der Mensch nutze nur 10 % seines Gehirns, ist auch die Legende, es stamme von Albert Einstein. Die Zahl der Nervenverbindungen im Gehirn ist unbekannt, dürfte aber etliche Billionen betragen. Sie verändern sich ständig. Intensive Sinneseindrücke, Gedankenspiele oder Erlebnisse lassen im Gehirn neue Synapsen entstehen, um den "Datenaustausch" zu verbessern und zu beschleunigen. Wenn man beispielsweise ein Musikinstrument erlernt, arbeitet beim Anfänger in den ersten 20 Minuten nur ein kleiner Teil des Gehirns daran. Nach 20 Tagen ist bereits ein Großteil des Gehirns damit beschäftigt. Doch erst nach 20 Jahren Übung ist das Gehirn nahezu perfekt dazu verschaltet. Gefühle und damit auch die "Intelligenz der Gefühle", die Intuition, entstehen in einem der entwicklungsgeschichtlich ältesten Teile des Gehirns, der Amygdala (Mandelkern). Die Gefühle, die Intuition erst möglich machen, werden von Hormonen oder Botenstoffen gesteuert. Die wichtigsten sind Arginin-Vagopressin (Negativ-Erlebnisse, Angst und Unangenehmes), Oxytocin (Mutter-Kind-Bindungshormon, Wohlgefühl), Serotonin (zusammen mit Oxytocin bei Verliebtheit), Noradrenalin (Erregtheit), Acetylcholin (gezielte Aufmerksamkeit) und Dopamin (Antrieb und Neugierde). Die Amygdala reagiert impulsiv, aber sie "weiß" oft mehr als der Verstand. Intuition ist eine Art emotionaler Urinstinkt, der den Menschen schon in der Urzeit vor Gefahren schützte. Intuition ist nämlich eine atemberaubend schnelle Entscheidung, viel schneller als der Verstand es je sein könnte. Der Mandelkern ist in der Lage, in gerade mal drei Hunderstel Sekunden eine Situation zu erfassen, sie einzuschätzen und darauf zu reagieren. Dies ist der direkte Draht zwischen Gehirn und Körper. Hier laufen Informationen auf, die den Verstand nie erreichen. Das klingt abenteuerlich, ist aber wissenschaftlich nachweisbar. Verkabelte Testpersonen sahen einen harmlosen Film. In diesem Film waren ein paar einzelne Bilder eingeschnitten worden, die ein Monster zeigten. Sie waren viel zu kurz sichtbar, als daß der Verstand sie hätte erfassen können, aber die Amygdala reagierte nach den Gehirnstrommessungen bei allen Testpersonen sofort mit mit Furcht und Abwehr. Dort war das Bild also angekommen und erkannt worden. Die Intuition ist ein Frühwarnsystem, mit dessen Hilfe man schnell reagieren kann, und es arbeitet in allen Bereichen, egal ob Familie, Beruf oder Straßenverkehr. Befragungen von Opfern von Gewalttaten haben ergeben, daß beinahe jedem dieser Fälle fast unmerkliche Warnsignale vorausgehen, zu fein, um sie zu erkennen, aber deutlich genug, daß die Amygdala sie registriert und Alarm auslöst. Immer mehr Wissenschafts-Experten plädieren darauf, auf die Intuition zu vertrauen, um sich gefährliche Situationen zu ersparen. Jeder hat den berühmten sechsten Sinn, nur traut man seinen Gefühlen oft nicht. Seit der Kindheit wird dem Menschen beigebracht, sie zu verbergen. Psychologen befragten Opfer von Betrügern. 87 % hatten beim Unterschreiben ein komisches Gefühl, unterschrieben aber dennoch, weil der Verstand auf die Scheinargumente hereingefallen war. Wer seine Ängste zuläßt, hat eine wichtige Kontrollinstanz, die vor Naivität und Leichtsinn warnt. Wenn die eigene Intuition als eher schwach empfunden wird, kann man sie auch trainieren. Man kann zum Beispiel auf die Körpersprache anderer achten. Sie sendet meist sehr deutliche Signale aus und läßt sich nur schwer unterdrücken. Wer immer gleiche Wege geht, wird unaufmerksam, deshalb sollte man ruhig mal Ungewöhnliches tun, abwegige Entscheidungen treffen und auf Fremde zugehen. Das hält die Sinne wach. Außerdem hilft es, Spontaneität zuzulassen und Absprachen zu überdenken und gegebenenfalls auch zu ändern. Je häufiger man direkt aus dem Bauch heraus entscheidet, desto wacher bleibt die Intuition. Kinder haben oftmals einen besonders leichten Zugang zur Magie, weil sie über eine große Vorstellungskraft verfügen und sie benutzen, ohne groß Nachzudenken. Sie sind für alles offen, akzeptieren schnell und stehen sich selbst nicht durch Zweifel und Dogmen im Weg. So sagt man Kindern zum Beispiel eine besondere Wahrnehmungsfähigkeit nach. Ähnlich ist es auch bei vielen Tieren, die gewisse Dinge einfach "spüren". Ferner haben Kinder die einmalige Fähigkeit, sich durch ihre Phantasie eigene Realitäten zu schaffen. Nichts anderes tut im Prinzip auch der Magier, der bestimmte Dinge einfach vor seinem geistigen Auge "visualisiert" und dadurch für ihn real werden läßt. Im Laufe seines Aufwachsens wird dem Menschen dann seine Kindlichkeit "aberzogen" und durch Regeln, Dogmen und feste Weltbilder ersetzt. Vielen Menschen geht dadurch ihr Zugang zur Intuition und damit auch zur Magie verloren. Wer ein Magier sein will, muß lernen, sich von den fremden, aufgezwungenen Realitäten zu befreien und zu seiner eigenen Mitte und Zentriertheit (zu seinen Instinkten, seiner Intuition, seiner "Magie") zu finden. Wenn man sich seine Kindlichkeit bewahrt oder sich an sie zurückerinnert und sich wieder in dieses Gefühl hineinversetzt, so mag einem dies den Zugang zur Magie erleichtern. Das Zurückfallen in eine kindliche Vorstellungswelt, die den Zugang zum Unterbewußtsein erleichtert, nennt der Magier Atavismus (lat.: Rückfall). Dieser Begriff ist eigentlich eine biologische Bezeichnung des Wiedererscheinens von Merkmalen der Vorfahren, die in der Vorgängergeneration fehlten, beziehungsweise einen Rückfall in eine frühere Entwicklungsstufe. Magietheoretiker spekulieren, daß die Anwendung von Magie einen Atavismus darstellt, da sie möglicherweise bei frühen Vorfahren allgemeiner verbreitet war. Für diese noch spekulative Hypothese spricht, daß entwicklungsgeschichtlich ältere Teile des Gehirns (Hirnstamm, Formatio reticularis, Limbisches System) mit magischen Phänomenen des Unterbewußtseins in Beziehung stehen. . |
| 3.8. Müssen Magier verschwiegen sein? |
| Es ist noch eine Bemerkung zur Verschwiegenheit zu machen. Verschwiegenheit bedeutet nicht, daß man sein Wissen als "Geheimlehre" für sich behalten und niemandem zugänglich machen darf, damit es bloß nicht zu viele "Eingeweihte" gibt (dann dürfte es diese Seiten hier nicht öffentlich geben). Die Weitergabe magischen Wissens ist sogar gewünscht - aber nur an diejenigen, denen diese Informationen auch willkommen sind. Es empfiehlt sich, aller scheinbaren Aufklärung moderner Zeiten zum Trotz, nicht allzu offenherzig mit den eigenen magischen Erfahrungen und dem Wissen hausieren zu gehen. Man muß auch nicht gleich jedem erzählen, daß man Magier ist, denn auf diejenigen, die es nicht interessiert oder die nicht an Magie glauben, wirkt ein solches Verhalten aufdringlich und wichtigtuerisch und bringt einem schnell den Ruf eines Spinners ein. Die Magie war noch nie etwas für die breite Masse und wird es wahrscheinlich auch niemals sein. Die meisten Menschen haben Angst vor der Magie, weil sie nichts oder zu wenig oder das Falsche darüber wissen oder wissen wollen, oder sie leugnen schlichtweg ihre Existenz. Das Thema Magie wird zwar in der Öffentlichkeit weitgehend belächelt, dennoch haben Magier, Hexen und Zauberer Hochkonjunktur - und ebenso die Angst vor ihnen und der Ärger über Scharlatane. Es kann geschehen, daß Bekannte, Freunde und Eltern dem angehenden Magier plötzlich mit seltsamer Distanz begegnen, wenn er ihnen von seinen magischen Praktiken erzählt. Ebensogut könnte man sich öffentlich zum Sadomasochismus oder Satanismus bekennen. Man wird den Magier merkwürdig und mit Unverständnis anschauen und nach "Schwarzen Messen" fragen, und von dort ist es nur noch ein Schritt, sein Name mit der Bezeichnung "Satanist" oder "Teufelsanbeter" die Runde macht - von anderen, noch schlimmeren Unterstellungen ganz zu schweigen. Es ist dagegen noch direkt harmlos, wenn man nur für einen verrückten Spinner gehalten wird. Wer dies nicht glaubt, weil er meint, in einer aufgeklärten Welt zu leben, die doch von großstädtischer Toleranz geprägt sei, der verfolge nur die Berichte der Regenbogenpresse zu diesem Thema oder schlage diesen Rat in den Wind, um sich selbst aus erster Hand von seiner Richtigkeit zu überzeugen. Nun mag man zu Recht einwenden, daß es dem um persönliche Freiheit bemühten Magier doch gleichgültig sein sollte, was seine Mitmenschen von ihm denken. Doch abgesehen davon, daß er es dann auch nicht nötig haben sollte, sich mit ihnen über seine Kunst auseinanderzusetzen oder diese an die große Glocke zu hängen, benötigt selbst der gewiefteste und erfahrendste Magier gewisse Arbeitsbedingungen, und zu diesen gehören Ruhe und Konzentration. In mittelalterlichen Zauberbüchern wird oft erwähnt, daß der Magier im Einklang mit seiner Religion leben sollte. Dies heißt aber nichts anderes, als die Entfremdung von der eigenen Umwelt möglichst zu vermeiden. Eine solche Entfremdung kostet viel seelische Kraft und auch magische Energie. Der Magier springt schließlich von einer Wirklichkeit in die andere, und dazu bedarf er einer gewissen äußeren Ruhe und Stabilität, damit die Realität der anderen, der Umwelt also, nicht ständig gegen die seine Sturm läuft und umständliche, zeitraubende Verteidigungs- und Rechtfertigungsversuche erforderlich macht. Durch das Schweigen lernt der Magier zudem, seine eigene magische Realität im eigenen Inneren zu festigen und zu leben. Das wiederum wird schließlich zu einer beachtlichen Quelle magischer Kraft und Sicherheit. Wer zu Schweigen gelernt hat, den werden Zweifel und Skepsis der Außenwelt nicht mehr anfechten, selbst wenn sie irgendwann doch einmal zum Thema werden sollten. Selbstverständlich gelten diese Vorbehalte nicht für den Austausch mit Gleichgesinnten. Oft wollen Außenstehende oder Journalisten gerne einmal bei einem Ritual zuschauen oder mitmachen. Die meisten echten Magier lehnen solche Gesuche grundsätzlich und konsequent ab, und zwar aus mehreren Gründen. Zum einen stören Anwesende allein schon durch ihre Anwesenheit Atmosphäre, Stimmung und Konzentration, und fast immer ist das Ritual nutzlos und vergeudet. Ferner hat man kaum Zeit und Lust, einem Außenstehenden erst alles minuziös erklären zu müssen. Außerdem macht man zumeist sehr schlechte Erfahrungen mit der Presse. Sieht anfangs alles nach Wohlwollen und Objektivität aus, so staunt man hinterher oft darüber, wie verzerrt und feindselig die tatsächlich abgedruckten Berichte ausfallen. Zudem gilt das Gebot der Geheimhaltung für die allermeisten seriösen Magier. Diese darf aber nicht mit Geheimniskrämerei verwechselt werden, denn sie bezieht sie sich auch nicht auf angewandte Techniken und Rituale, sondern vielmehr auf die Namen von Teilnehmern und auf offenbarte Zauber, die durch Preisgabe an Dritte evtl. einen Teil ihrer Wirksamkeit einbußen würden. |
| 3.9. Nehmen Magier Drogen? |
| Diese Frage drängt sich dem Laien natürlich zwangsläufig auf, wenn von einem "veränderten Bewußtseinszustand" die Rede ist. Im Allgemeinen nehmen Magier wahrscheinlich sogar weniger Drogen zu sich als der Durchschnittsmensch, weil sie eben einen klaren Geist haben möchten. Die Veränderung des Bewußtseins wird auf spirituell-psychologischem Weg erlangt, nicht durch irgendwelche Chemikalien. Drogen beeinträchtigen auch den Willen, so daß ein vernünftiges, kontrolliertes magisches Arbeiten unter dem Einfluß von Drogen vermutlich gar nicht möglich wäre. Einem durch Drogen oder Alkohol benebelten Geist mangelt es sicherlich an Konzentrationsfähigkeit. Der Rauch einiger Harze und Pflanzen wirkt psychoaktiv, und bei Ritualen wird auch geräuchert. Diese Wirkungen sind jedoch sehr sanft, unterstützend und mit der von Drogen in keiner Weise zu vergleichen, denn sie regen lediglich die Sinne an, vergleichbar mit einem wohlriechenden, anregenden oder beruhigenden Duftöl. Auch Ritualweine und ähnliches werden in der Regel nur in kleinen Mengen zu sich genommen, so daß man auch hier nicht von rauschähnlicher Beeinflussung sprechen kann. Im ganz normalen Leben mögen auch Magier die verschiedensten Drogen konsumieren, wie Koffein, Nikotin, Alkohol oder sogar illegale Drogen oder eben auch nicht, so wie jeder andere Mensch auch. Harte Drogen werden es aber normalerweise nicht sein, denn wer seinen Körper und Geist mit so etwas vergiftet, wird kaum eine sinnvolle magische Arbeit zustandebringen. Außerdem verträgt sich ein solcher Konsum nicht mit dem Selbstwertgefühl eines Magiers. Wer bereit ist, harte Drogen zu nehmen, hat auch sicher nicht die psychischen Voraussetzungen, um Magier sein zu können. Vor und während magischer Arbeiten läßt der besonnene Magier wohlweislich die Finger auch von "weichen" Drogen. Kluge Menschen fahren ja auch nicht Auto, wenn sie betrunken sind, beziehungsweise trinken nichts, wenn sie fahren wollen. Das wäre hier durchaus vergleichbar. Es gibt aber auch Ausnahmen. So verwenden einige Magier, vor allem bei den sogenannten Naturvölkern, durchaus auch Drogen, um mit ihrer Hilfe eine gnostische Trance zu erlangen. Diese Praktiken würde ich für mich jedoch strikt ablehnen. Vom Gebrauch von Pflanzen mit (auch leichter) halluzinogener Wirkung ist dringend abzuraten, auch zum Räuchern. Abgesehen davon, daß es nach meiner Überzeugung für magisches Arbeiten nicht notwendig ist, mit halluzinogenen Drogen zu arbeiten, und solche Mittel zur Realitätsflucht einer magischen Weiterentwicklung eher hinderlich sind, stellen diese auch eine echte Gefahr dar, denn sie sind immer auch Gifte, die Körper und Geist schädigen. Gerade bei Pflanzen kann die Konzentration der wirksamen Substanzen teilweise um das Hundertfache schwanken, was von mehreren Umweltfaktoren (Art und Beschaffenheit des Bodens, Witterungseinflüsse, Klima, eventuell spezielle Unterarten etc.) abhängt, und somit sind Dosierung und Wirksamkeit nur sehr schlecht abzuschätzen. Selbst für pharmazeutische Fachleute sind Vorraussagen schwierig, was den Wirkstoffgehalt einer Ernte betrifft. Schon so mancher hat durch unsachliche Experimente mit hochgiftigen Pflanzen, wie Bilsenkraut, Stechapfel und Tollkirsche, sein Leben verloren oder seinen Verstand so aufgeweicht, daß er lebenslang unter den unkontrollierbaren Nachwirkungen leidet, von denen Psychosen und Aussetzer in der Gehirntätigkeit noch die Harmloseren sind. Dabei spielt es auch keine Rolle, ob gewisse Pflanzen oder Substanzen zugänglich oder legal sind, gefährlich sind sie allemal, und man sollte sich dahingehend nicht beschwatzen lassen. Auch nichthalluzinogene Pflanzengifte, wie Glykoside oder viele Alkaloide, können tödlich sein. Die Verwender von Drogen argumentieren, daß diese ihnen den Zugang zur Magie erleichtern - das stimmt auch in gewisser Weise, denn sie ersparen dem Faulen ein wenig mentale Arbeit. Allerdings kommt man auf diesem "beschleunigten" magischen Weg zwar zunächst schneller vorwärts, landet jedoch in einer Sackgasse. Ein benebelter Verstand ist nicht in der Lage, sich frei zu entfalten, und die fortwährende Schädigung des Gehirns setzt der Karriere als Magier (und auch als Lebewesen) schließlich vorzeitige Grenzen. |
| 4. Einstieg und Anwendung von Magie |
| Es wird empfohlen, diese Abhandlungen zunächst als Ganzes sorgfältig durchzulesen, um erst einmal einen gründlichen Überblick zu erhalten. Teilweise gibt es nämlich Querverweise, und umfassende Erklärungen zu bestimmten Dingen werden nicht jedesmal wiederholt, wenn das Thema angeschnitten wird. Es bleibt jedem selbst überlassen, in welchem Umfang er diese Anregungen wahrnehmen und umsetzen will. Die Praxis selbst kann dem angehenden Magier dadurch aber nicht abgenommen werden. Wie weit er dabei gehen will, ob er lediglich aus der Theorie eine veränderte Lebensanschauung erwerben oder tatsächlich durch aktives magisches Tun Dinge bewirken möchte, liegt bei jedem selbst. Die Entscheidung dafür muß er selbst fällen, wie er auch letztlich für ihre Konsequenzen verantwortlich ist. |
| 4.1. Die Arbeit an sich selbst |
| Bei der praktischen Anwendung von Magie ist die Psychologie, genauer die Tiefenpsychologie, ein unabdingbarer Begleiter - streng genommen besteht die magische Arbeit sogar fast ausschließlich daraus, und zwar ohne daß man dabei daran denkt. Um magische Fähigkeiten zu entwickeln oder diese vielmehr unter Kontrolle zu bekommen, muß man zuerst an sich selbst arbeiten. Wie hart und wie lange, hängt von der jeweiligen Begabung und psychischen Verfassung ab, und auch nachdem man den Einstieg gefunden hat, hört die Arbeit an sich selbst niemals auf. Das Unterbewußtsein ist die treibende Kraft, um mit dem Willen die Realität zu beeinflussen. Wenn das Unterbewußtsein auf ein bestimmtes Ziel gelenkt ist, dann wird es alle Hebel in Bewegung setzen, um es zu erreichen. Das ist auch im nichtmagischen Bereich so. Wer beispielsweise seinen Beruf mag, der ist sehr wahrscheinlich auch gut darin. Wenn man allerdings etwas tun muß, was einem tief im Inneren widerstrebt, dann macht man eher Fehler, ist unkonzentriert, läßt sich leichter ablenken, und es passieren irgendwie immer dumme Mißgeschicke, die verhindern, daß man erfolgreich ist. Das Unterbewußtsein ist allerdings auch nicht gerade unfehlbar. Nicht nur die ganze Lebensenergie ist hier angesiedelt, sondern auch die ganzen Macken, Hemmungen, Blockaden, Neurosen und was es da sonst noch so Lästiges gibt. In der Magie werden darum zum Teil ähnliche Instrumente wie in der Psychotherapie benutzt. Deshalb ist die Beschäftigung mit Magie für psychisch labile Menschen auch so gefährlich. Bei der Arbeit an sich selbst geht es vor allem darum, die psychischen Blockaden zu lösen, welche der Kommunikation des Bewußtseins mit dem Unterbewußtsein im Wege stehen. Dazu muß man kein Psychologe sein oder einen solchen aufsuchen, sondern sich nur selbst kennenlernen. Wenn man weiß, wie man selbst ist, wie man denkt und fühlt, kann man den Einstieg sehr leicht finden oder diesen noch vertiefen. Doch sich selbst wirklich kennenzulernen und zu verstehen, ist harte Arbeit. Dabei ist anfangs das größte Problem die Ehrlichkeit zu sich selbst und die Diskrepanz zwischen subjektivem Selbstbild und objektiver Wirklichkeit. Zu lernen, sich selbst Fehler einzugestehen oder zu gewissen Bedürfnissen zu stehen, zu wissen warum man sie hat und diese unter Kontrolle zu bekommen oder zu fördern, ist für den magischen Weg unabdingbar. Aber selbst im normalen Alltag kann dies bereits eine große Hilfe sein und zu einem bewußteren Leben führen. Alle Menschen tragen irgendwelche Blockaden in ihrem Kopf mit sich herum, die sie zumeist nicht einmal bemerken. Die größte Blockade ist immer die Angst. Angst vor Verantwortung, Veränderung oder dem Unbekannten ist das mächtigste Hemmnis, das es für einen Magier zu überwinden gilt. Dazu kommt noch ein weiteres großes Hindernis, nämlich der Unglaube hinsichtlich der Magie. Dieser tritt in verschiedenen Formen in Erscheinung, von "Magie gibt es nicht" über "das geht nicht mit Magie" bis hin zu "das kann ich magisch nicht". Wichtig ist es aber, an Magie und ihr Funktionieren zu glauben, denn nur das, woran man glaubt, kann auch funktionieren. Wenn man bewusst oder unbewußt nicht an einen (magischen) Erfolg glaubt, so wird er sich auch ganz automatisch nicht einstellen, und die Blockade hat wieder zugeschlagen. Glaubt man aber fest im Inneren an den Erfolg, kann dieser auch erreicht werden. Das gilt ebenso auch für alle anderen Dinge des Lebens. Dabei bezieht sich Glaube in diesem Zusammenhang nicht auf eine Art religiösen Glauben, denn Magie hat mit Religion grundsätzlich nichts zu tun. Vielmehr ist die feste innere Überzeugung - das Wissen - gemeint, daß Magie existiert, daß Magie funktioniert und daß man Magie nach seinem Willen anwenden kann. Doch diese Blockade zu überwinden, die Erkenntnis, das Begreifen und die Akzeptanz der Magie als natürliche Tatsache und Bestandteil seiner selbst wirklich zu verinnerlichen, ist einer der ersten, wichtigsten und auch schwierigsten Schritte auf dem Weg. Zweifel und Angst sind die größten Blockaden der Magie. Seit Ewigkeiten sorgen sie dafür, daß die Menschen, bis auf einen ganz kleinen Teil von ihnen, keinen Zugang zur Magie finden können oder wollen. Religiöse Prägung hilft dabei als zusätzlicher Hemmschuh noch kräftig mit, da viele dogmatische Religionen so natürliche Dinge wie Sexualität oder eben auch Magie als Teufelswerk verdammen und so Schuldgefühle als weitere Blockaden ins Feld führen. Zudem wird den Menschen der "kindliche" Glaube an Magie beim Aufwachsen aberzogen. Die Angst, für einen Spinner gehalten zu werden oder schlimmer noch, sich selbst als solcher zu fühlen, hält viele Menschen davon ab, sich mit dem auseinanderzusetzen, was sie im Inneren fühlen. Doch stets hat es seit je her ein kleiner Teil der Menschen verstanden, sich ihre Natürlichkeit zu bewahren oder diese wiederzufinden und mit klarer Erkenntnis die Blockaden mehr oder weniger gut abzustreifen, um so einen natürlichen, bewußteren und durchaus auch nützlich machtvolleren Lebensweg gehen zu können, der es ihnen erlaubt, ihr Schicksal in gewissen Grenzen selbst gestalten zu können. Der Mensch neigt dazu, auf die Dinge zurückzugreifen, die er kennt und die ihm beigebracht wurden. Der Gedanke, eine Grenze zu durchstoßen, von der man nicht weiß, was dahinter ist, erzeugt oft so viel Angst, daß man diesen Weg nicht geht, trotz der Neugier, ob da nicht noch viel mehr dahintersteckt als man normalerweise zur Verfügung hat. Die Blockade des Zweifels ist bei den meisten Menschen sofort präsent, sobald das Thema Magie aufkommt. Allein die Größe der für den Anfänger zunächst fremden und unverständlichen Thematik schürt bereits die Angst vor dem Ungewissen. Eine weitere Blockade ist die Hemmung, mit dieser neuen Fähigkeit einer Gesellschaft gegenüberzutreten, die für dieses Thema fast nur Skepsis und kaum Akzeptanz übrig hat. Je mehr Blockaden man hat, desto mehr zieht man sich auch von den blockierten Gebieten zurück und ist selbst innerlich skeptisch. Skeptik hat aber einen entscheidenden Fehler: mit ihr geht auch immer die Neugier einher. Jeder Skeptiker brennt doch darauf, das zu widerlegen, an dem er zweifelt. Das kann er aber nur, indem er sich eingehend mit dem Thema beschäftigt. Für manche mag selbst dieser Umweg ein Einstieg sein, um die Blockaden nach und nach zu überschreiten, denn das darf man mit seinem "Alibi-Motiv" des Widerlegenwollens ja auch ohne schlechtes Gewissen tun. Doch wo das schlechte Gewissen nicht mehr im Weg ist, lassen sich auch die Blockaden leichter überwinden, und dann kann es vorkommen, daß man plötzlich feststellt, daß hinter diesen Mauern doch viel mehr ist, als man angenommen hat, und daß es auch funktioniert, so daß man es gar nicht mehr widerlegen kann und möchte. Wer aber vor seinen Blockaden kapituliert, sie als unumstößliche Tatsachen (was sie nicht sind) akzeptiert und sich ein für allemal von dem Dahinterliegenden abwendet, bleibt in seiner persönlichen Entwicklung stehen. Er wird über eine gewisse Ansicht nie hinwegkommen, und damit bleibt ihm ein großer Teil seines eigenen Potentials, seiner Persönlichkeit und seiner Weiterentwicklungsmöglichkeiten verschlossen. Und davon ist man nur schwer wieder abzubringen. Wie soll man denjenigen auch vom Gegenteil überzeugen? Wie soll ein Magier, der bereits auf der anderen Seite dieser Grenze steht, ihm beschreiben können, was dahinter ist? Denn das Verständnis, das Begreifen der Magie, läßt sich nicht in Worte fassen. Es ist nicht so, daß der Magier dem anderen einfach nur eine andere Landschaft beschreiben müßte, die er hinter der Mauer sieht. Seine Wahrnehmung der Magie ist so komplett anders als derjenige vor der Blockade kennt, daß es dem Versuch gleichkäme, einem von Geburt an Blinden die Farbe Blau erklären zu wollen. So kann der Magier nichts weiter tun, als den anderen zu motivieren, auf die andere Seite zu kommen und es sich selbst anzusehen. Er kann ihm in gewisser Weise auch eine Hand reichen (zum Beispiel durch genaue Aufklärung und Beschreibung von Techniken), doch den Schritt tun muß derjenige selbst, ganz für sich allein. Ein zusätzliches Hindernis kann mangelndes Vertrauen zu dem Erklärenden sein. Natürlich ist eine gewisse Vorsicht auch tatsächlich angebracht, ist doch die bei weitem überwiegende Mehrheit jener, die sich selbst Magier nennen, in Wahrheit ein Sammelsurium aus Scharlatanen, abgedrehten Esoterik-Hörigen, Nachplapperern und Leuten, die sich nur oberflächlich mit der Magie beschäftigen und sich bloß wichtig machen wollen, aber nichts wirklich verstanden geschweige denn "verinnerlicht" haben. Leider besitzt der Anfänger kaum die nötigen Mittel, diese Zeitgenossen von echten Magiern zu unterscheiden. Er kann nur auf seine Menschenkenntnis und seinen (hoffentlich) gesunden Verstand vertrauen und für sich hinterfragen, ob das Vermittelte in sich logisch, begreifbar und nachvollziehbar ist und ob es ihn tatsächlich auf seinem Weg weiterbringt. Falls nicht, sollte man sich schleunigst eine andere Quelle suchen. Wirklich seriöse Magier und Hexen nehmen übrigens kein Geld für ihre Hilfe, jedenfalls nichts, was über eine reine Aufwandsentschädigung hinausgeht. Wahre Meister suchen sich ihre Schüler, wenn sie überhaupt welche annehmen, auch genau aus und prüfen sorgfältig ihre Geeignetheit hinsichtlich magischen Talents und auch Charakterfestigkeit. Wer aber teure "Seminare" anbietet, ohne viel Aufhebens jedermann dazu annimmt und am besten noch den Erfolg in kurzer Zeit verspricht, ist mit Sicherheit ein Schwindler. Sogenannte "Zauberschulen" oder "Hexenschulen" usw. haben nur den Zweck, die Taschen der Betreiber zu füllen, bringen die "Schüler" aber spirituell keinen Schritt weiter. Es genügt eben nicht, zu wissen, wie man Ritualhandlungen ausführt und welche Sprüche man zu rezitieren hat. Die eigentliche magische Arbeit findet unsichtbar im Inneren statt, alles äußerlich Sichtbare ist nur eine Rahmenhandlung, die ohne das innere Wissen, das innere Gefühl für Magie, die Gnosis, nicht mehr bewirkt als ein Theaterstück. Doch Gnosis kann man nicht vermitteln, man muß sie sich selbst erschließen, erfahren, begreifen und wirklich verinnerlichen. Niemand kann für den Weg dorthin mehr Hilfestellung leisten als ein paar Anhaltspunkte zu geben. Diesen Weg finden und gehen muß jeder für sich selbst. Man kann auch niemanden dorthin "mitnehmen", zumal jeder seinen individuellen Weg gehen muß, denn keine zwei Menschen sind gleich. Hinzu kommt, daß manche Menschen auch tatsächlich kein Talent für den magischen Weg zu haben scheinen oder ihn innerlich eben doch nicht beschreiten wollen, obwohl theoretisch jeder das Potential der Magie in sich trägt. Hat man schließlich einen Einstieg gefunden, hören die Blockaden natürlich nicht auf (das tun sie nie). Neue werden entstehen, bisher unentdeckte stellen sich in den Weg, und altbekannte wollen immer wieder aufs Neue überwunden werden (was mit fortschreitender Übung meist zunehmend leichter fällt). Blockaden sind auch der Grund, warum man manchmal nicht in der Lage zu sein scheint, bestimmte bereits erschlossene magische Fähigkeiten nicht weiterentwickeln zu können. Solche Blockaden zu entdecken und den Grund für ihr Vorhandensein herauszufinden ist oftmals weniger schwierig als man anfangs annimmt. Schwierig und zweitaufwendig ist eher das Überwinden der Blockade und, im nächsten sinnvollen Schritt, das Beheben ihrer Ursachen. Ein guter Einstieg ist es, sich erst selbst noch einmal zu erforschen und sich richtig kennenzulernen. Das klingt anfangs merkwürdig, doch es ist tatsächlich so, daß man sich selbst meist sehr viel weniger gut kennt als man eigentlich denkt. Wie denkt man, wie fühlt man und warum, welche Dinge (auch ganz banale wie Nahrung), Pflanzen, Tiere (auch Individuen) oder Personen mag man oder nicht, und warum ist das so? Welche Bedürfnisse, Wünsche, Träume hat man und warum? Was sagt einem das Bauchgefühl? Man sollte dabei nicht versuchen, sich zu lenken, denn das verfälscht das Bild, sondern sich einfach nur völlig wertfrei beobachten. Auch das ist nicht einfach und bedarf einiger Übung. Besonders die Ehrlichkeit sich selbst gegenüber fällt dabei schwer. Man sollte vor allem auf seine intuitiven Sinne zu achten lernen und sie in seine Überlegungen einbeziehen. Man besteht eben nicht nur aus dem Verstand, und das gilt es dabei in ganz besonderem Maße zu berücksichtigen. Intuition ist nämlich bereits eine Vorstufe zur Magie, und ohne die Quelle der Intuition, das Unterbewußtsein, funktioniert in der Magie nichts. Der nächste wichtige Schritt ist es, Gedanken und Gefühle in Einklang zu bringen. Oft denkt man etwas, trifft mit dem Verstand eine Entscheidung, aber das Gefühl sagt etwas ganz anderes. Häufig, aber nicht immer, wird man feststellen, daß der Verstand sich geirrt hat. Meist liegt das daran, daß man sich selbst etwas nicht eingestehen kann, und auch das ist schon eine Blockade, die es zu überwinden und zu beseitigen gilt. Dies kann nach und nach gelingen, wenn man sich genau kennt und weiß, wie man in gewissen Situationen denkt und fühlt. Deshalb ist die Arbeit mit und an sich selbst so wichtig. In der Magie arbeiten Verstand (Bewußtsein) und Gefühl (Unterbewußtsein) zusammen, gemeinsam an einem Ziel. Magie kann nicht funktionieren, wenn beide Seiten der Persönlichkeit nicht miteinander oder sogar gegeneinander arbeiten. Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung ist dabei eben die Ehrlichkeit zu sich selbst. Wenn man sich nicht zwingt, innerlich zu seiner wahren Meinung zu stehen, wie auch immer diese aussehen mag, und sich selbst belügt, weil die Wahrheit vielleicht schmerzen könnte, ist es nicht möglich, in Einklang mit sich selbst zu kommen und Bewußtsein und Unterbewußtsein zusammenzubringen. Daher ist es wichtig, Situationen zu erkennen, in denen man damit anfängt, sich selbst zu belügen oder zu täuschen, und an solchen Situationen zu arbeiten. Selbst wenn man letztendlich den Zugang zur Magie nicht finden sollte oder sich entschließt, den praktischen Weg doch nicht beschreiten zu wollen, hat sich die Vorarbeit dennoch gelohnt, denn sie hat erheblich zur persönlichen Weiterentwicklung beigetragen und sorgt für ein ausgeglicheneres, bewußteres Leben. Als nächsten Schritt bei der Arbeit an sich selbst kann man damit beginnen, mit anderen Menschen über seine Gedanken (nicht unbedingt Magie betreffend) zu sprechen und herausfinden, was andere denken. Insbesondere bei seinen Freunden kann man so herausfinden, ob sie wirklich Freunde sind. Außerdem kann man so auch neue Freunde finden. Man sollte wirklich alles hinterfragen, auch scheinbare alltägliche Tatsachen. Auf der Suche nach Blockaden und Lösungswegen für dieselben muß man oft die merkwürdigsten Wege beschreiten. Neue Erfahrungen und Erkenntnisse helfen beim Finden der eigenen Grenzen und neuer Herausforderungen. Wann immer man ein solches Ziel erreicht hat, vervollständigt sich das Selbstbild ein wenig mehr. Nach und nach, auch wenn man den Zugang zu Magie schon längst gefunden hat, wird man auf immer mehr Blockaden stoßen, aber auch immer mehr Wege finden, diese zu umgehen. So kommt man allmählich auf seinem Weg immer weiter. Das Entdecken und Überwinden von Blockaden hört niemals auf, auch und gerade für erfahrene Menschen (nicht nur Magier) nicht. Aber je weiter man diesen Weg beschreitet, desto mehr nehmen auch die Erfolge zu. Letztlich gewinnt man nach und nach immer mehr Verständnis für die Fragen, wer man ist, wo der eigene Platz in der Welt liegt, was einen bewegt und was man wirklich erreichen will. Diese Fragen wertfrei und unabhängig von Religion oder persönlicher Gesinnung zu beantworten ist das Ziel: zu wissen, welche Meinung man zu all den Dingen dieser Welt eigentlich wirklich hat und was man dazu fühlt. Dabei sollte man seine Gedanken nicht abbrechen oder abschweifen lassen, sondern sie zuende denken und sehen, wohin sie einen führen. Häufig entwickeln sich so ganz neue Gedankengänge und Ideen, die sich mit Dingen befassen, an die man vorher nie bewußt gedacht hat. Zudem sollte man versuchen, die Dinge aus verschiedenen, auch neuen Blickwinkeln zu sehen. Besonders für Menschen, die Probleme mit ihrem Selbstbewußtsein haben, ist diese Vorarbeit enorm wichtig, denn solchen Menschen kann die Beschäftigung mit Magie eher schaden als nutzen, wenn sie sich unvorbereitet damit befassen. Die Vorarbeit dient ja gerade dazu, sich sich selbst bewußter zu machen, und damit wird eben das Selbstbewußtsein verbessert. Dies ist für alle Aspekte des Lebens von Vorteil, nicht nur für die Magie. Man sieht also, daß nicht nur die Magie selbst, sondern auch der Weg zu ihr eigentlich reine Psychologie ist. Tiefenpsychologie erklärt die Funktionsweise ihrer Techniken, wenn auch nicht die Magie selbst oder warum sie funktioniert (worauf es letztlich auch gar nicht ankommt). Die um die Magie gewobene Mystik (Energien, Elemente etc.) mit ihren Praktiken (Übungen, Rituale usw.) liefert lediglich ein funktionierendes Erklärungsmodell für den Verstand (um ihn von der Nichterklärbarkeit der Existenz der Magie abzulenken) und die Methoden für die praktische Anwendung, nämlich das Unterbewußtsein dazu anzuregen, magisch zu mit dem Bewußtsein zusammenzuarbeiten. Und dadurch kann es dann auch tatsächlichen zu spürbaren Veränderungen der Realität kommen. Das eigentliche Ziel ist jedoch die Weiterentwicklung des Selbst. Für viele Menschen ist Meditation ein empfehlenswertes Hilfsmittel zum Finden des Einstiegs und auch darüber hinaus. Sie hilft dabei, sich auf sich selbst zu konzentrieren und störende Einflüsse auszublenden. Gerade für nervöse Menschen, die sich leicht beeinflussen oder ablenken lassen, ist es ratsam, sich viel Zeit zu nehmen, in der man sich von allem zurückziehen und nur für sich selbst da sein kann, um Ruhe und Stärke zu finden. Dabei sollte man den Ort, wo man sich aufhält, so gestalten daß man sich dort sehr wohlfühlt, denn die Umgebung beeinflußt auch die Denkleistung. Nimmt man sich aber keine Zeit für sich selbst, verliert man sich selbst und damit auch die Kontrolle. Natürlich darf man nicht zuviel von sich erwarten und sollte auch nicht meinen, daß alles schon in kurzer Zeit gelingen wird. Je nach individuellem Talent kann es zum Teil sehr lange dauern, bis man magische Fähigkeiten an sich entdeckt und diese auch Erfolge zeigen. Man kann in der Magie nichts von seinem Unterbewußtsein erzwingen, manchmal braucht es eben viel Zeit. Meist ist es sogar eher so, daß "die Magie zu einem kommt" und nicht umgekehrt. Geduld und Beharrlichkeit führen zum Ziel. Kein Magier ist als Meister geboren worden. Man kann nicht einfach ein Buch mit Zaubersprüchen nehmen und sofort loslegen oder etwa diese Seiten lesen und erwarten, daß man sofort alles kann, was darin steht. Die Beschäftigung mit Magie verlangt neben einer gewissen theoretischen Grundlage sehr viel Übung und harte Arbeit an sich selbst. Von der Magie darf man keine schnellen Erfolge erwarten, und die Vorstellung "Wunsch-Plopp-Erfüllung" ist ebenfalls vollkommen falsch. Jedes magische Wirken ist und bleibt mühsame Arbeit, auch für einen Meister. Was den Meister vom Anfänger unterscheidet, ist lediglich ein rascheres Einfühlen in die Magie (weil er den Weg um die Blockaden schon besser kennt) und eine sichereres und vielleicht auch besseres Ergebnis (weil er auf seinem Weg schon weiter gegangen ist und mehr Techniken kennt), aber im Grunde genommen sind Anfänger und Meister vom Prinzip dessen, was sie tun, her gleich. Man könnte das Ganze zur Veranschaulichung mit Kung Fu vergleichen, unter dem sich die meisten Menschen ja etwas vorstellen können, und wenn sie nur aus Filmen kennen. Während der Laie über die Ergebnisse dieser Kunst nur verständnislos staunen kann, ist der Meister dem Schüler nur deshalb überlegen, weil er mehr Übung und Erfahrung besitzt und mehr Techniken kennt. Lernen kann Kung Fu beinahe jeder, aber nur jahrelange Übung und körperliche wie geistige Disziplin führen schließlich zum Erfolg. Diejenigen, die sich charakterlich nicht dafür eignen, sortieren sich meist ganz von selbst wieder aus und geben auf. Man kann nicht einfach ein Buch über die Techniken dieser Kunst lesen und erwarten, daß man sofort Kung Fu kann und womöglich auch noch gut darin ist. Das erfordert sehr viel praktische Übung an sich selbst über einen langen Zeitraum. Und bei der Magie ist es nichts anderes. Magie erfordert viel Übung, um sein Unterbewußtsein erreichen und in Einklang mit seinem Willen bringen zu können, und das gelingt nur mit sehr viel Geduld, Beharrlichkeit und fortwährender Praxis. Wer aufgibt, weil er die Geduld verliert oder die ersten Blockaden scheinbar nicht überwinden kann, ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil er nicht die Voraussetzungen besitzt, welche die Magie erfordert. Demjenigen ist auch nicht mehr, oder nur sehr schwer, zu helfen. Er wird akzeptieren müssen, daß der magische Weg eben nicht der seine ist. Bevor man also große Ziele ins Auge faßt, die man mittels der Magie zu erreichen sucht, sollte man sein Augenmerk zunächst einmal auf die Arbeit an sich selbst richten. Um etwas wollen zu können, muß man zunächst erst einmal wissen, was man eigentlich wirklich will und wie sehr man es will, beziehungsweise wieviel Mühe man dafür zu investieren bereit ist. Magie ist letztlich auch eine Frage des Willens und vor allem dessen, ob man wirklich und wahrhaftig will, daß sie funktioniert, denn nur so kann sie überhaupt funktionieren. Übrigens neigen manche Ziele dazu, sich mit fortschreitender Selbstentwicklung zu relativieren... |
| 4.2. Den Zugang zum Unterbewußtsein finden |
| Ein Magier lernt, sich in einen anderen, erweiterten Bewußtseinszustand zu versetzen, der es ihm erlaubt, sich tief in sein eigenes Unterbewußtsein zu versenken und dessen Kräfte und Möglichkeiten zu nutzen, die normalerweise dem Bewußtsein verschlossen sind. Dazu muß er natürlich die mannigfach vorhandenen Hürden auf diesem Weg überwinden. Das erreicht er durch entspannte Konzentration und viel Übung. Wichtig dabei ist außerdem die visuelle Vorstellungskraft (Imagination) und die Kontrolle seiner Gedanken. Für die magische Praxis muß man zuerst lernen, sich auf einen bestimmten Punkt hin zu konzentrieren, und zwar auch über längere Zeit. Ohne Konzentration fruchtet kein magischer Wille. Die Imagination ist die Fähigkeit, ein bestimmtes Bild in seinem Geist, also vor seinem "inneren Auge" zu erschaffen und dort eine Weile zu halten, mit sämtlichen Eigenschaften, wie Aussehen, Töne, Geruch, Geschmack, Oberflächenbeschaffenheit, innerer Struktur usw. Dies wird "Visualisieren" genannt. Man übt das erst mit einfachen Gegenständen, später können es komplexere Objekte, bis hin zu ganzen Szenen sein. Zusätzlich ist es notwendig, seine Gedanken zu kontrollieren. Der Mensch wird tagtäglich von seinen widersprüchlichen Gedanken und Gefühlen hin und her gerissen. Eben diese Widersprüchlichkeit prägt dann auch die Alltagsrealität. Der Mensch ist der Sklave seiner Gedanken und Emotionen. Der Magier muß lernen, seine Gedanken und auch seine Emotionen im Zaum zu halten, und die permanenten Gedanken zeitweilig zur Ruhe zu bringen. Die Ruhe im Inneren ist die Kraftquelle der Magie. Manchmal werden Hilfsmittel wie Meditationen, Räucherungen oder Rituale dazu benutzt, manchmal sogar recht krasse Hilfsmittel wie Askese, Fasten oder gar "weiche" Drogen (dies lehne ich aus den vorher beschriebenen Gründen ab). In diesem Bewußtseinszustand hat man eine erweiterte Wahrnehmung, es erwacht sozusagen ein zusätzlicher Sinn, der es ermöglicht, magische Energien zu sehen. "Sehen" ist dabei ein relativer Begriff, denn es handelt sich um einen gänzlich anderen Sinn, der sich wohl am besten als eine Art Mischung aus geistigem Sehen (erzeugte Vorstellungen oder Visionen) und Fühlen beschreiben läßt. Dieser zusätzliche Sinn ermöglicht eine imaginative Wahrnehmung magischer Energie. Wie erklärt man einem Tauben, der nur Sehen und Fühlen kann, was Hören ist? Bezüglich der Magiewahrnehmung könnte man diese Frage durchaus analog anwenden. Viele Taube können aber die Vibrationen der Töne spüren, und ebenso nehmen Nichteingeweihte das wahr, was ihre Intuition ihnen sagt. Den Klang der Töne selbst zu hören müssen sie jedoch erst noch lernen. Jeder Mensch hat diese Wahrnehmung, die auch der 6. Sinn genannt wird, und das Unterbewußtsein benutzt sie auch, jedoch achten viele nicht darauf, können sie nicht in ihrer ganzen Tiefe erfassen, wenden sie nicht bewußt an oder ignorieren sie schlichtweg, weil sie nicht an sie glauben oder sie sogar ablehnen. Aus diesem besonderen Bewußtseinszustand heraus können dann Impulse entwickelt werden, die sich schließlich als Realität manifestieren, nachdem man sie losgelassen hat. Das kann aber auch indirekt, ohne Absicht geschehen, wenn der Magier seine Ergebnisse "wie beiläufig" erzielt. |
| 4.3. Wie man Magie anwendet |
| Hat man sich in den veränderten Bewußtseinszustand versetzt, so gibt es zwei Stufen, bewußt mit Magie umzugehen. Einfach nur in diesem bewußtseinsveränderten Zustand zu verharren und nichts weiter zu tun, nenne ich passive oder divinatorische Magieanwendung. Divination, von "divinatio" (lat.: Ahnung, Weissagung, Sehergabe) ist die Bezeichnung für das Spektrum der außersinnlichen Wahrnehmung. In Griechenland hieß die Divination "mantike" und der Seher "mantis". Als Fremdwörter sind deshalb sowohl Divination als auch Mantik in der Fachterminologie der Magier in Gebrauch, die beide dasselbe bedeuten. Bei der passiven oder divinatorischen Magieanwendung nimmt man magische Energien wahr, die in der Umgebung vorhanden sind oder die von Wesen oder Gegenständen ausgehen, und erlangt dadurch Erkenntnisse. Bei Personen könnte das zum Beispiel das Wissen sein, ob es ihnen gut geht, was sie gerade fühlen, was sie sehen oder sich gerade vorstellen oder im Extremfall sogar was sie denken. Die zweite Stufe des Umgangs nenne ich aktive oder manipulatorische Magieanwendung. Hier wird durch die Willenskraft des Magiers Energie aufgegriffen oder ausgesendet und dazu benutzt, um Veränderungen jedweder Art herbeizuführen. Das kann reine Energiearbeit sein, bei der magische Energie in bestimmte Bahnen gelenkt wird, das Übermitteln von Gedanken oder Kraft oder sogar bis hin zur Gedankenkontrolle und zum Einfluß auf den "Lauf der Dinge". Magie wirkt also durch die eigene Energie auf fremde Energien ein, die wiederum in Art und Stärke beeinflußt werden und so auch auf ihren Ursprung zurückwirken können. Mit anderen Worten, man kann das Energieverhalten von Lebewesen und Gegenständen beeinflussen und damit als Rückwirkung auch auf das Unterbewußtsein und den Geist von Wesen einwirken. Der Magier erlangt die Beherrschung der Realität durch die Kraft seines Geistes. Dazu muß er jedoch beides, Realität und seine geistige Kraft, in sein Bewußtsein integrieren, indem er sie sich durch geeignete Übungen vergegenwärtigt und somit in sein individuelles Bezugssystem aufnimmt. Mit Letzterem ist jener Bereich der persönlichen Wahrnehmung gemeint, in dem sich alles befindet, was die eigenen Interessen und Belange ausmacht, und zwar sowohl auf physischer als auch emotionaler und geistiger Ebene. Das beginnt mit dem eigenen körperlichen Befinden, geht über die Beziehungen zu Menschen, Tieren, Pflanzen und Dingen bis hin zu Orten, die für denjenigen von Bedeutung sind, wie die eigene Wohnung, der Arbeitsplatz und Orte, an denen man sich wohlfühlt und gerne aufhält. Dieses individuelle Bezugssystem ist es, dessen Inhalte magisch beeinflußt werden können, denn nur die darin befindlichen Dinge sind auch für den Magier wirklich greifbare Realität. Und nur die Realität, die der Magier als solche verinnerlicht hat, kann er auch magisch beeinflussen. Solange sich Dinge außerhalb des individuellen Bezugssystems befinden, ist ein magischer Zugriff darauf nicht möglich. Um also etwas magisch zu beeinflussen, zu verändern oder im Wesen zu erkennen, muß es auf irgendeine Weise in das individuelle Bezugssystem des Magiers gelangen, damit dieser eine Beziehung dazu herstellen und es für sich Realität werden lassen kann. Der Magier muß also diese Dinge in sein persönliches Bezugssystem mit hineinholen, und dies gelingt ihm, wenn er eine Beziehung dazu aufbaut. "Zaubern" ist dann die Veränderung dieser Realität durch Veränderung auf der geistigen Ebene. Dies funktioniert durch gezieltes Aussenden von Energie. Die dazu notwendige Energie wird aber nicht vom Magier "aus dem Nichts erzeugt", denn nach dem Energieerhaltungssatz bleibt die Summe der Energie in einem geschlossenen System (Universum) immer gleich. Die benötigte Energie muß also aus einer schon vorhandenen Quelle bezogen werden. Man nimmt sie aus sich selbst heraus, aus der Umgebung, von jemand anderem oder aus einem Gegenstand, je nachdem. Die Energie in sich zu sammeln ist noch relativ leicht, die Kunst besteht darin, die Energie gezielt zu lenken. Durch die Visualisierung (das Erzeugen eines geistigen Bildes, vergleichbar mit Tagträumen) legt man die Veränderung fest und richtet die Energie auf das Ziel. Rituale können dabei helfen, die dazu notwendige Bewußtseinsveränderung hervorzurufen. Man kann dies mit der Wirkung eines Diaprojektors vergleichen. Das Licht ist die magische Energie, fokussiert durch die Linse des Unterbewußtseins, die Leinwand ist das Ziel, und das Dia ist die Visualisierung. Das visualisierte Bild wird also auf das Ziel projiziert, und je nachdem, wie gut die Projektion ist und wie aufnahmebereit das Ziel ist, kann das Ergebnis auch unterschiedlich ausfallen. Im Idealfall verändert sich die Realität des Ziels und paßt sich genau der Projektion an. Schwache oder schlechte Projektionen müssen oft wiederholt werden oder lang andauern, sonst erreichen sie nichts. Ein Ziel, das sich wehrt, kann möglicherweise gar nicht beeinflußt werden. So ist nie vorherzusagen, ob der Zauber wirkt (die ganze Energie im Ziel aufgeht), nur schlecht wirkt (ein Teil der Energie im Ziel aufgeht), gar nichts passiert (die Energie verflüchtigt sich einfach in die Umgebung) oder die Wirkung im ungünstigsten Fall unkontrolliert und negativ ausfällt (zum Beispiel in Aggression umschlägt). Eine unangenehme Nebenwirkung, mit der ein Magier oftmals (besonders nach längeren und intensiven Ritualen) zu kämpfen hat, ist der sogenannte Magiekater. Er tritt häufig am nächsten Morgen nach einer anstrengenden Energiearbeit auf, hält ein paar Stunden an und ist den Kopfschmerzen eines physischen Katers nach dem Genuß von Alkohol nicht unähnlich. Hervorgerufen wird er vermutlich durch eine angestrengte Konzentration über einen längeren Zeitraum hinweg und einen hohen Abfluß von Energie (auch Lebensenergie) aus dem Magier, die erst wieder langsam regeneriert oder aus der Umgebung aufgenommen werden muß. Eine ausreichende und gründliche Erdung beim Schließen eines Rituals kann dem entgegenwirken. |
| 4.4. Indirekte Magie |
| Manchmal wirken Zauber auch indirekt. Das bedeutet, daß gar nicht der Zauber auf die Psyche des Ausübenden oder eines Anwesenden einwirkt, sondern die Tatsache, daß gezaubert wurde, selbst. Indem man einfach an den Zauber und dessen Wirkung glaubt, tritt man überzeugter auf und wird dadurch vielleicht sogar Erfolg haben. In diesem Fall wirkt nicht der Zauber selbst, sondern das Ritual wie ein Placebo. Ein Beispiel wäre ein indirekter Liebeszauber. Man hat sich verliebt und wirkt einen Zauber (das "Opfer" soll einen anziehend finden oder besser, man selbst soll anziehender wirken). Von der Wirkung es Zaubers überzeugt, traut man sich nun an den anderen heran, weil man sich seiner Sache nun sicher ist, tritt anders auf und investiert seine ganze Energie um denjenigen zu beeindrucken. Man kleidet sich netter, ist aufmerksamer, spritzig und charmant. Zur gleichen Zeit, setzt man unbewußt starke psychische Kräfte ein. Nicht immer, aber doch oft schon hat so etwas zum Erfolg geführt. Ob nun tatsächlich Magie im Spiel war oder lediglich der Glaube an sie Berge versetzt hat, oder sogar beides, spielt dabei letztlich doch gar keine Rolle. Bei Magie geht es immer um die Beeinflussung der eigenen oder einer fremden Psyche - ob direkt oder indirekt ist doch eigentlich egal. Die Hauptsache ist, daß es Erfolg hat. |
| 4.5. Vorschriften und Dogmen |
| Es gibt in der Magie nur einen einzigen Grundsatz: Vorschriften und Dogmen sind keine solchen! Deshalb mache man sich frei von solchen Dingen. Nichts hat absolute Gültigkeit. Man darf sich ruhig anderswo Anregungen holen und auch Dinge übernehmen, aber auf seine eigene Weise. Niemals jedoch darf man fremden Dogmen nacheifern und diese als einzig richtig anerkennen. Das sind sie nämlich nicht für einen selbst, weil jeder seine eigene, ganz persönliche Form der Magie besitzt. Und nur auf individuelle Weise kann man den Zugang zu ihr finden. Wer sich nur nach vorgegebenen Dingen richtet, wird seinen eigenen Zugang niemals finden, es sei denn, daß der unwahrscheinliche Fall eintritt, daß das Vorbild rein zufällig tatsächlich auch der eigene Weg ist. Gerade hier tun sich Personen mit einem nicht so gut entwickelten Selbstbewußtsein und Willen schwer, eigene Wege zu gehen. Es mag albern klingen, aber viele Leute wissen nämlich einfach gar nicht, was sie eigentlich wollen, und das ist für einen Magier ein ernstes Problem. Die Frage nach dem, was man will, dreht sich aber nicht um konkrete Wünsche wie Geld, Erfolg oder Vergnügen, sondern setzt viel tiefer an, denn sie betrifft das gesamte Leben, die Einstellung zum Leben und zur Welt und die Haltung nach außen. Die eigentliche Frage ist nämlich, wie man sein Leben leben will. Und darauf haben zu viele Menschen keine wirkliche Antwort. Diese Menschen eifern lieber fremden Lehren nach, weil das ja einfacher, bequemer und scheinbar interessanter ist. Doch dieser Weg führt sie in eine spirituelle Sackgasse. Solche Menschen sollten besser zunächst einmal ganz die Finger von Magie lassen, denn nichts ist gefährlicher als Halbwissen und fremde Dogmen, damit schaden sie nur sich selbst und womöglich auch anderen. Sie sollten vielmehr versuchen, erst einmal mit sich selbst ins Reine zu kommen und ihre persönlichen Probleme zu lösen. Dann werden sie auch stark genug sein, ihren eigenen Weg zu entdecken, zu gehen und gesund und verantwortungsvoll mit ihren Kräften umzugehen. Deshalb wird es hier keine fertigen Anleitungen zu bestimmten Ritualen etc. geben, denn das widerspräche meiner Überzeugung. Nur einige Dinge sollen genannt werden, die sich seit alters her als nützlich und unterstützend bei der magischen Arbeit erwiesen haben, aber ebenfalls mit dem Hinweis, daß dies eben keine Vorschriften sind, sondern nur Anregungen, die man für sich übernehmen und ausbauen kann, wenn man einen Bezug zu ihnen findet, oder auch nicht. Den Rest muß der Magier selbst entwickeln. Man darf nie vergessen, daß es in erster Linie darum geht, die eigenen Kräfte zu mobilisieren, und dazu helfen eben keine fremden Vorgaben, sondern nur der eigene Weg. Es sagt sich leicht, daß der angehende Magier seinen eigenen Weg finden muß, doch das ist nicht so einfach wie es klingt. Meist gelingt das Erkennen eines Weges nicht sogleich, aber durch magisches Arbeiten werden Impulse gegeben, die das Leben in die richtige Richtung lenken. Häufig findet man so etwas wie eine Eingebung, d.h. man erhält Aufschluß darüber, was als nächstes zu tun ist. Selten geschieht dies in dramatischer Form, aber Situationen und Ideen tauchen auf, von denen man spontan weiß, daß sie richtig sind. Es gibt Augenblicke, in denen Zusammenhänge ganz klar erkannt werden. Man sieht dann, mit welchen Kräften man gut umgehen kann und wo es Probleme gibt. Die Impulse für die magische Arbeit stammen aus dem Alltag, und die gerufene Kraft fließt wiederum in den Alltag ein, und kann dort in ihren Auswirkungen studiert werden. Hierdurch wird ein häufiger Fehler magischer Anfänger vermieden, die dazu neigen, in ihren Ritualen Kräfte zu rufen und ihnen dann keine Kanäle zu öffnen, über die sie wirken können. Die Kräfte jedoch finden dann meist recht unerwünschte Wirkungsmöglichkeiten. Der Kanal muß klar gewählt sein, bevor die Kraft zum Fließen gebracht wird. Ebenso wird bei dieser Arbeitsweise der Fehler vermieden, wahllos die unterschiedlichsten Kräfte anzurufen und damit im Alltag eine Krise nach der anderen heraufzubeschwören, was meist nur sinnlose Schwierigkeiten einbringt. Indem man an den erkannten Aufgaben arbeitet, verbindet man sich immer intensiver mit dem eigenen Unbewußten, auch wenn man zeitweise keine Rituale o.a. durchführt. Man erkennt immer klarer, daß man ganz spezifische magische Fähigkeiten besitzt (und nicht nur magische). "Das Dogma ist nichts anderes als ein ausdrückliches Verbot zu denken." (Ludwig Feuerbach, 1804 bis 1872, deutscher Philosoph) |
| 5. Die Grenzen der Magie |
| Was man nicht kann (zumindest kann ich es nicht und habe noch keinen Beweis dafür gesehen, daß es funktioniert), ist die Materie selbst zu verändern. Es ist also nicht möglich, Materie zu erschaffen, zu vernichten, zu verwandeln oder zu bewegen. Man kann lediglich auf die im zu verzaubernden Ziel enthaltenen Energien einwirken, sie verändern und, sofern das Ziel lebt, dadurch dessen Geist beeinflussen und es somit auch zu bestimmten körperlichen Reaktionen oder Handlungen veranlassen. Man darf nicht vergessen, daß die Magie auch ihre Grenzen hat. Magie kann nicht das Unmögliche vollbringen, wie zum Beispiel etwas ungeschehen zu machen oder fehlende Gliedmaßen zu ersetzten. Sie kann lediglich das Machbare lenken. Die Ziele, die man mittels Magie zu erreichen sucht, sollten erfüllbar sein. Es ist töricht zu versuchen, das Unmögliche herbeizuführen. Die Magie hat ihre Gesetze wie jede anerkannte Wissenschaft, und diese haben ihre Gültigkeit wie alle anderen Naturgesetze - unabhängig von Glauben oder Nicht-Glauben. Magie sollte außerdem erst dann zuhilfe genommen werden, wenn alle weltlichen Mittel versagt haben. Wer an die Magie Erwartungen stellt, die vom Magier eigentlich mit weltlichen Mitteln selbst erfüllt werden müßten, dem wird sie den Ball unaufgefordert und gnadenlos wieder zurückspielen. Magie ist kein Allheilmittel für sämtliche Probleme. Magische Arbeit kann nicht alles im Leben lösen, und sie entbindet den Magier sicher nicht davon, selbst den Hintern hochbekommen zu müssen. Aber sie vermag ihm die dafür notwendige Energie und die richtige Einstellung dazu zu vermitteln, und das ist doch auch schon etwas. Magie sollte auch die Medizin nie ersetzen, obwohl sie diese ergänzen kann. In allen Fällen, in denen man normalerweise einen Arzt zu Rate ziehen würde, sollte dies auch der Magier tun. Ein Zauber verhindert wohl nur selten eine Wundinfektion, vertreibt Erkältungen oder heilt Krankheiten oder Verletzungen. Aber ein Zauber kann die Heilung unterstützen - und vor allem den inneren Willen zur Heilung. Die Selbstheilungskräfte des Körpers sind stark, doch manchmal müssen sie eben erst angeregt werden. Man löse sich von der Vorstellung, daß allein die Magie der Schlüssel zum Ziel ist. Was mit weltlichen Mitteln lösbar ist, sollte auch der Magier mit weltlichen Methoden lösen. Sämtliche Rituale und magische Praktiken haben nämlich nur ein Ziel: den Willen des Magiers zu bündeln und auf innere Realitäten zu lenken. Das höchste Ziel der Magie ist nicht die Demonstration von spektakulären Effekten, sondern die spirituelle Transformation des Individuums. |
| 6. Die Gefahren der Magie |
| Die Praxis der Magie birgt einige echte psychische Gefahren, deren Ursachen jedoch größtenteils im Menschen selbst liegen und denen man zum Opfer fallen kann, solange man noch kein umfassendes und tiefes Verständnis über die Wirkungsweise der Magie erlangt hat. Es ist jedoch ein notwendiger und nützlicher Teil des Werdeganges eines Magiers, hin und wieder den eigenen Charakterzügen zum Opfer zu fallen - solange man daraus dann auch seine Lehren zieht. Im folgenden werden die psychologischen Fallen der Magie aufgeführt und einige Tips gegeben, wie man sich vor ihnen schützen kann. Die 7 "Todsünden" des Magiers sind: Omnipotenz, Schuldgefühle, Paranoia, Heiligkeit, Prahlerei, Arroganz und Realitätsverlust o Omnipotenz - Dieser Illusion fallen viele zum Opfer, die zum ersten Mal entdecken, daß sie mit ihrem Willen Dinge bewirken können. Es kann sein, daß man plötzlich einen ungeheuren Energieschub spürt und glaubt, man sei allmächtig. Die Erfahrungen werden einen aber schnell eines Besseren belehren, doch die Illusion der Omnipotenz bewirkt oft, daß sich der sich selbst überschätzende Magier durch sein Verhalten in peinliche Situationen bringt oder weltfremd und arrogant erscheint. Wahre Magie macht dagegen sehr bescheiden, denn der Magier ist ja nicht allmächtig, schon gar nicht aus eigener Kraft allein - und das weiß er auch. Wenn er sorgfältig beobachtet, wie seine Zauber wirken und gelegentlich auch einmal scheitern (auch das kommt häufig genug vor), so stößt er unentwegt an seine eigenen Grenzen und lernt auf diese Weise, umsichtiger vorzugehen. o Schuldgefühle - Vielleicht glaubt man eine Zeitlang, man könnte alles tun und sei als Magier auch für alles zuständig, weil man ja schöpferisch ins Universum eingebunden ist, aber früher oder später wird man versagen. Manchmal kann man gerade den Menschen nicht helfen, die einem am meisten bedeuten. Solange man nicht erkennt, daß die Magie ihre Grenzen hat und innerhalb eines Rahmens bestimmter Gesetze wirkt (genau wie die Schulmedizin), läuft man Gefahr, sich für alles, was im Universum schiefläuft, schuldig zu fühlen. Da hilft nur Entspannung. Man muß sich darüber klar werden, daß man weder so mächtig noch so wichtig ist. o Paranoia - Mit der Zeit wächst die Wahrnehmungsfähigkeit, und man wird sich negativer Energien und Impulsen anderer Menschen bewußter. Das kann dazu führen, daß man überempfindlich wird, daß man Schatten jagt und versucht, sich gegen Gefahren zu schützen, die gar nicht existieren. Vielleicht beginnt man auch, alles Unangenehme oder Negative, das einem widerfährt, auf "psychische Angriffe" zu schieben. Eine gesunde Portion Zynismus ist in diesem Fall ein gutes Gegenmittel. Man bedenke, daß "echte" Magie kaum jemals im Widerspruch zum gesunden Menschenverstand steht. Und gewiß ist man nicht so mächtig und wichtig, um die Zielscheibe aller böswilligen Magier zu sein. Wenn man sich von bösen Mächten verfolgt, angegriffen oder besessen fühlt, dann sollte man nach innen schauen und herausfinden, was in einem selbst dieses Gefühl ausgelöst hat. o Heiligkeit - Es ist schwer, der Versuchung zu widerstehen, "heiliger als die anderen" zu sein, seinen Freunden ungefragt Ratschläge zu erteilen und auf andere herabzuschauen, die "das Licht noch nicht gesehen haben", während man gleichzeitig die ganze Zeit versucht, demütig und bescheiden zu erscheinen. Wenn man Glück hat, kommt man wieder auf den Boden zurück, bevor man all seine Freunde verloren hat. o Prahlerei - Dies ist eine ebenso große Versuchung wie die "Heiligkeit". Wenn der fanatische Redner die Freunde von etwas zu überzeugen versucht, wie könnte man dann schweigen und nicht sagen, daß man diesen grünen Fleck in seiner Aura wahrnimmt, der auf Heuchelei schließen läßt? Durch schmerzhafte Erfahrungen wird man lernen, daß andere einen Rat oder Kommentar nur dann hören wollen, wenn sie darum gebeten haben, und daß Magie nur dann wirkt, wenn sie echt ist und nicht exhibitionistisch. o Arroganz - Auch wenn man als Magier einen gewissen Umfang an Macht und Wissen hat, ist dies nicht die einzige Art von Fähigkeit, die zählt. Andere beschäftigen sich mit anderen Dingen, werden dort Spezialisten und sind auf ihrem Gebiet dem Magier überlegen. Der Magier achte auch darauf, seine Freunde und Bekannten nicht herablassend zu behandeln und sie als unwissend und dumm zu verurteilen. Der wahre Magier stellt sich nicht eine Stufe höher als sie und prahlt auch nicht mit seinem Wissen, seinen Erkenntnissen und seinen Fähigkeiten. o Realitätsverlust - Eine große Gefahr besteht auch darin, den Kontakt zur Erde (Realität) zu verlieren. Wenn man sich so in magischen Praktiken und Übersinnlichem verliert, daß man die physische Ebene und den eigenen Körper vernachlässigt, wird man sich schließlich ausgebrannt und geschwächt fühlen. In extremen Fällen können Menschen, deren Kontakt zur Erde zu schwach geworden ist, einen psychotischen "Schub" erleiden. Das kann man jedoch auf recht einfache Weise vermeiden, indem man darauf achtet, daß man bei jeder Art von magischer Arbeit oder Meditation geerdet und zentriert bleibt. Außerdem ist es wichtig, daß das Leben auf der irdischen Ebene geregelt, befriedigend und erfüllend ist - und das schließt harmonischen Kontakt zu anderen, ein erfülltes Sexualleben und gutes Essen mit ein. Die magische Praxis sollte niemals das Vergnügen am irdischen Leben schmälern oder die Fähigkeiten beeinträchtigen, das Alltagsleben zu regeln. Im Gegenteil, die Freude am Dasein und den eigenen Fähigkeiten in bezug auf alltägliche Dinge sollten sich durch eine wachsende Bewußtheit noch vergrößern. Der beste Schutz gegen all diese und andere "Krankheiten", die den Magier physisch oder psychisch treffen können, ist eine gute Portion Humor. Solange man noch über sich selbst lachen kann, findet man auch wieder zurück. Immer, wenn man bemerkt, daß man sich selbst zu ernst nimmt, oder wenn man mit Menschen oder Dingen in Berührung kommt, die einen sogar noch darin bestärken, sollte man auf der Hut sein. Lachen ist der Schlüssel zu geistiger Gesundheit. Neben den vorgenannten Stolpersteinen, die eher rein psychologischer als magischer Natur sind, gibt es auch echte magische Gefahren, die zwar wiederum psychologische Ursachen haben, diese aber meist nicht als solche erkannt werden, weil es durch sie tatsächlich zu magischen Phänomenen kommen kann, die in ihrer Auswirkung von der eigentlichen Ursache des Problems ablenken. Insbesondere bei Invokationen (man beschwört Kräfte oder "Wesen" in sich hinein), Beschwörungen und Geistreisen können magisch-psychische Unfälle geschehen, aber auch bei anderen magischen Arbeiten kann so etwas vorkommen. Die meisten Unfälle sind harmlos, viele bemerkt man nicht einmal, oder ihre Schäden können leicht beseitigt werden, wie zum Beispiel unerwünschte Wirkungen eines Zaubers. Ein ernsthaft und richtig angelegter Schutzkreis kann den meisten dieser magischen - eigentlich psychischen - Entgleisungen vorbeugen, da er dem Unbewußten eine magische (Selbst-)Sicherheit vermittelt. Neben Unfällen, deren Ursachen im Magier selbst liegen, kann es hin und wieder auch zu Störungen von außen kommen. Unerwünschte fremde Energien können "dazwischenfunken" oder eigene Energien können "abgezogen" werden, zum Beispiel durch "Energievampire" (bewußt oder unbewußt energiehungrige Menschen in der Nähe oder im persönlichen Bezugssystem des Magiers). Aber auch ein starker Wille, magischer Schutz oder Gegenwehr eines Zauberziels kann zu Unfällen durch "Zurückschlagen" der magischen Energie führen. Die genauen Ursachen lassen sich anhand der auftretenden Folgen allerdings leider kaum differenzieren. Nach einer magischen Arbeit kann es auch zu merkwürdigen Sinneswahrnehmungen (zum Beispiel Geräusche oder Gerüche) kommen. Das ist zunächst einmal nicht problematisch, nur sollte sich das nach einiger Zeit auch wieder geben. Ansonsten behilft man sich mit einem Bannungs- und Schutzritual (zum Beispiel das des persönlichen Schutzsymbols auf der Seite mit den magischen Übungen). Hilft auch dies nicht, wendet man sich besser an einen erfahrenen Magier oder einen Psychologen. Es können auch körperliche Symptome als Folgen magischer Unfälle auftreten. Typisch sind Unwohlsein, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, Schmerzen, Kälte- oder Hitzegefühl, Schweißsausbrüche, Konzentrationsmangel und Schlafstörungen. Weitaus häufiger sind allerdings psychische Symptome, beispielsweise das Gefühl beobachtet zu werden bis hin zu akuten Angstzuständen. In einigen Fällen kann es auch zu nachhaltigen Auswirkungen kommen, welche die beteiligte(n) Person(en) in schwerwiegender Weise beeinflussen. Zum Beispiel können bei unbewußten psychischen Problemen Symptome wie bei einer Besessenheit auftreten, deren Ursache seelische Konflikte, bestimmte Neigungen und Gefühle sind, die mit der Zeit, wenn sie lange und exzessiv ausgelebt werden, eine Art Eigenleben entwickeln können. Manchmal kommt es dabei auch zu Projektionen aus dem Unbewußten heraus, welche sich als real empfundene "Wesen" (Psychogone) wie Geister oder Dämonen oder Spukphänomene (Poltergeist) zeigen. In den meisten Fällen sind solche Erscheinungen bekämpfbar, wenn man sich bewußt ist, was sie in Wirklichkeit sind: Einbildung des Unbewußten, die nur scheinbar eigenständig sind. Sie sind nicht real. Das Problem dabei ist, dem Unbewußten dies klarzumachen. Meist bekommt man diese Phänomene aber mit Willenskraft, einem erneuten Schutzkreis, Erdung, dem Ritual des persönlichen Schutzsymbols oder einem Bannungsritual wieder weg - im Grunde funktioniert das deshalb, weil man hier Einbildung mit Einbildung bekämpft und der Psyche vorgaukelt, die Störung so vertrieben oder vernichtet zu haben. Das klingt auf den ersten Blick merkwürdig, vielleicht sogar lustig, aber gleichwohl müssen diese Gegenmaßnahmen mit großer Ernsthaftigkeit (von der das Unbewußte überzeugt werden muß) durchgeführt werden, damit sie funktionieren, denn für den Betroffenen ist das Problem in seiner Wahrnehmung bittere Realität. Dennoch muß man sich selbst immer wieder und wieder selbst klarmachen: es gibt keine "übernatürlichen" Wesen, ihre Erscheinung entspringt immer der menschlichen Psyche, ähnlich wie in Träumen vorkommende Figuren, die auch scheinbar eigenständig agieren. Nur daß es sich dabei eben um eine Art "Wachtraum" handelt, und hinzu kommt noch das Problem, daß das Unbewußte Erlebnisse aus Träumen und Realität gleichwertig behandelt und nicht voneinander unterscheiden kann. Solche Vorkommnisse sollten auch als Warnung verstanden werden, und danach gilt es erst einmal, eine Pause von der Magie einzulegen und weiter an sich selbst zu arbeiten, um einer Ursache auf den Grund zu kommen (was meist sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist) und sich wenigstens in sich zu festigen, bevor man weitere Versuche in Richtung Magie unternimmt. Dabei ist es hilfreich, sich jemanden zu suchen, der einem beisteht und Halt im Leben vermittelt. Wird die Situation nicht besser, so sollte man sowohl im magischen wie auch im weltlichen Umfeld nach Unterstützung suchen. Voraussetzung ist allerdings, daß man sich helfen lassen will und einsichtig genug ist, die magische Arbeit ruhen zu lassen. Allerdings können die Probleme und damit auch die Störungen so gravierend sein, daß man sie nicht mehr selbst in den Griff bekommt. Möglicherweise liegt auch eine echte psychische oder physische Erkrankung vor. Hier sollte man sich nicht scheuen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Besuch beim Arzt (Verdauung und Nerven untersuchen lassen) schadet gewiß nicht, und wenn auch ein erfahrener Magier nicht weiterhilft, bleibt nur der Gang zum Psychologen. In Fällen von "Besessenheit" wird von Psychologen meist eine dissoziative oder multiple Persönlichkeitsstörung (im Volksmund oft fälschlich Schizophrenie genannt, die aber etwas ganz anderes ist) diagnostiziert, aber das ist ambivalent zu betrachten. Einerseits kann es sein, daß eine durch einen magischen Unfall hervorgerufene geringfügige Störung vorliegt, die sich lediglich durch dieselben Symptome äußert, was man auch magisch wieder in den Griff bekommt (deshalb zuerst zu einem Magier gehen, danach zum Psychologen - mit Letzterem aber nicht zu lange warten), oder aber es liegt tatsächlich eine solche psychische Erkrankung vor. Vielleicht war sie auch bereits latent vorhanden und ist durch den Unfall erst richtig ausgebrochen. Erschwerend kommt hinzu, daß die Betroffenen, die sich oft nicht mehr selbst helfen können, von ihrem Umfeld (wenn sie offen darüber reden) auch noch verspottet werden, und sie sich aus Angst, der Psychiater werde sie gleich in die geschlossene Anstalt einweisen (was allerdings nur bei akuter Fremd- oder Eigengefährdung möglich wäre), immer mehr zurückziehen. Aber das ist genau falsch, denn sich selbst überlassen, sind sie allein den Symptomen ihrer Erkrankung ausgesetzt, die sich ohne Hilfe von außen immer weiter verschlimmern, bis die Erkrankten evtl. schließlich aus Verzweiflung die letzte Fluchtmöglichkeit wählen, den Freitod. In diesem Fall ist psychologische Betreuung wichtig, denn es können Neurosen, Psychosen, Zwangsvorstellungen und Paranoia entstehen, die sich immer weiter verstärken können, bis sie ihr Opfer schließlich in den Suizid treiben. Das kommt nicht oft vor, aber ein Blick auf die Geschichte zeigt, daß es dennoch immer wieder passierte, insbesondere dann, wenn sich Magier selbst überschätzt haben. So landeten nicht wenige Magier in der Psychiatrie oder begingen Selbstmord. Das klingt jetzt alles sehr kraß, und man muß schon relativieren, daß es nicht häufig vorkommt. Aber die Möglichkeit besteht eben, und vielleicht wird dadurch noch einmal deutlich, warum immer wieder betont wird, daß magische Arbeit nicht bei vorhandenen psychischen Störungen und nicht von in sich nicht gefestigten Menschen ausgeübt werden sollte. Bei einer gesunden Basis ist man eigentlich ziemlich sicher - doch niemand kann sich selbst eine solche bescheinigen. Daher wird noch einmal die Wichtigkeit der dem magischen Weg vorausgehenden und diesen stets begleitenden Selbstbeobachtung, Selbsterkenntnis und Selbstfindung als Kontrollmöglichkeit betont. |
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